Magnolia (Film)


Magnolia (Film)
Filmdaten
Deutscher Titel Magnolia
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1999
Länge 188 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Paul Thomas Anderson
Drehbuch Paul Thomas Anderson
Produktion Joanne Sellar, New Line Cinema
Musik Jon Brion, Aimee Mann
Kamera Robert Elswit
Schnitt Dylan Tichenor
Besetzung

Magnolia ist ein Spielfilm des US-amerikanischen Regisseurs Paul Thomas Anderson aus dem Jahr 1999.

Er erzählt in verschiedenen Episoden die Geschichten mehrerer Menschen an einem Tag im San Fernando Valley (Kalifornien). Die Verbindungen zwischen den einzelnen Personen ergeben sich dabei erst im Laufe des Films. Anderson ließ sich beim Schreiben des Drehbuchs von Songs von Aimee Mann inspirieren, die auch Lieder zum Soundtrack beisteuerte.

Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkung

Im Film werden die Geschichten von neun in Los Angeles lebenden Menschen miteinander verbunden. Die „Vergangenheit“ und der „Zufall“ spielen im Film eine entscheidende Rolle, was schon im Vorspann mit drei kleinen Episoden illustriert wird. Der Sprecher sagt zu Anfang des Fims: „Nein, dies war kein purer Zufall. Solche eigenartigen Sachen passieren andauernd.“ und am Ende: „Wir haben mit der Vergangenheit abgeschlossen, aber die Vergangenheit nicht mit uns“. Außerdem heißt es im Titelsong des Films (Zitat): "Errette mich aus den Reihen der Freaks, die denken, sie könnten niemals jemanden lieben, außer Freaks, die denken, sie könnten niemals jemanden lieben". Hierauf baut die Handlung des Films auf.

Handlung

Claudia Wilson Gator hat aufgrund ihres Kokainkonsums die Kontrolle über ihr momentanes Leben verloren. Der von ihr gehasste Vater, der krebskranke TV-Veteran Jimmy Gator, moderiert die Fernsehshow „What do kids know?”. In dieser Show arbeitet das von seinem Vater rücksichtslos nach oben gepuschte „Wunderkind” Stanley dem Sendungsrekord entgegen. Dieser 31 Jahre alte Rekord ist noch in den Händen des inzwischen längst erwachsenen Donnie Smith. Donnie möchte unbedingt eine Zahnspange, die er sich aber gar nicht leisten kann, weil ihm sein Arbeitgeber fristlos kündigt.

Der an Lungenkrebs erkrankte Fernsehpatriarch Earl Partridge, dessen Firma die Fernsehshow produziert, liegt im Sterben. Seine bedeutend jüngere Frau Linda wird von Schuldgefühlen wegen ihrer Untreue zu ihm geplagt. Der Krankenpfleger Phil Parma bemüht sich, Earls Wunsch zu erfüllen, seinen Sohn ein letztes Mal zu sehen: „Frank T.J. Mackey“, der als Sex-Guru arbeitet. Frank hat schon vor Jahrzehnten mit Earl gebrochen, nachdem dieser ihn und seine todkranke Mutter verlassen hatte.

Der einsame Polizist Jim Kurring verliebt sich bei einem Einsatz in die drogenabhängige Claudia, die versucht, sich ihm zu öffnen, obwohl sie massive Probleme mit Männern hat. Der Junge Stanley macht sich bei der Live-TV-Show in die Hose, weil man seinen Wunsch, auf die Toilette zu gehen, nicht ernst nimmt. Claudias Vater Jimmy erleidet während der Show einen Zusammenbruch. Die Sendung wird abgebrochen, ohne dass ein Kandidat gewonnen hätte. Stanleys Vater stellt seinen Sohn zur Rede. Den Tod vor Augen, erzählt Jimmy zuhause seiner Frau, dass Claudias Feindseligkeit ihm gegenüber daran liegt, dass sie denkt, er habe sie als Kind sexuell missbraucht; er könne sich aber an nichts erinnern. Daraufhin verlässt ihn seine Frau.

Der Ex-Kinderstar Donnie sieht derweil keinen anderen Ausweg aus seiner finanziellen Zwangslage, als Geld aus dem Firmensafe zu stehlen. Als er vom Firmengelände wegfährt, überkommt ihn Reue und er kehrt um, um die Beute zurückzubringen. Linda bringt es nicht fertig, Earl beim Sterben zuzusehen und flieht mit dem Auto. Sie versucht sich mit Tabletten umzubringen, ein kleiner Junge aber ruft einen Krankenwagen. Auf Jim Kurring wird am Nachmittag vor einem ersten Date mit Claudia aus dem Hinterhalt geschossen und er verliert in Panik seine Dienstwaffe. Das spätere Date irritiert ihn und er erkennt nicht, dass Claudia mindestens ebenso große Probleme hat wie er selbst. Jim fühlt sich nun als kompletter Versager in Berufs- wie Privatleben. Auf die Bitte des Pflegers Phil hin kommt Frank tatsächlich zu seinem sterbenden Vater Earl ans Krankenbett.

Der Froschregen

Nach mehreren Einblendungen zur Wetterlage und zur Luftfeuchtigkeit im Laufe des Films regnet es am Ende völlig unvermittelt Abertausende von großen Fröschen. Der Krankenwagen mit Linda gerät auf der von Fröschen bedeckten Straße ins Schleudern und kippt um. Als Jimmy Gator gerade versucht, sich zu erschießen, fällt durchs Oberlicht ein Frosch auf seine Waffe und der Schuss geht fehl. Seine Frau sucht mittlerweile ihre Tochter Claudia auf und nimmt sie in die Arme, während über ihnen die Frösche auf das Dach prasseln. Stanley sitzt an seinen Büchern und beobachtet erstaunt die fallenden Frösche. Donnie wird beim Versuch, über einen Strommast in das Firmengebäude zu klettern, von einem Frosch getroffen, stürzt zu Boden, verletzt sich und wird vom vorbeifahrenden Jim unter das Dach einer Tankstelle gezogen. Frank macht Earl an dessen Krankenbett heftigste Vorwürfe; Earl aber, durch Morphium betäubt, stirbt ohne ein verständliches Wort.

Im Nachspiel nach dem Regen: Als Jim mit sich selbst hadert, ob es nicht seine Aufgabe gewesen wäre, Donnie zu verhaften, fällt seine verlorene Dienstwaffe vom Himmel. Daraufhin hilft Jim Donnie, das Geld wieder in den Safe zurückzubringen. Stanley nimmt all seinen Mut zusammen und bittet seinen Vater, in Zukunft netter zu ihm zu sein. Frank besucht seine nicht allzu schwer verletzte Stiefmutter Linda im Krankenhaus. Am Ende des Films besucht Jim Claudia, die nun zum ersten Mal seit langer Zeit lächelt. Noch lange hallen die Worte Stanleys nach: „Das alles passiert wirklich. Das alles passiert wirklich.“

Details

Der Regen der Frösche wird bereits während des Films angedeutet über die Bibelstelle aus dem zweiten Buch Mose, Exodus 8:2. Diese ist in der Gameshow zu sehen, wo kurzzeitig ein Mann eine Tafel mit der Aufschrift EXODUS 8:2 hochhält.

Die zitierte Bibelstelle lautet:

„Aaron streckte seine Hand über die Gewässer Ägyptens aus. Da stiegen die Frösche herauf und bedeckten ganz Ägypten.“

Ex 8,2 EU

Die Zahlen 8 und 2 sind mehrfach im Film zu sehen, so trägt in den drei Episoden des Vorspanns ein Erhängter die Nummer 82 auf der Brust, auf einem Feuerlöschflugzeug steht die 82 und ein Seil formt eine 82 neben einem Jungen, der auf dem Dach steht, kurz bevor er hinunterspringt. Auf der Anzeigentafel zum Galadiner der forensischen Mediziner ist der Beginn auf 8:20 pm angesetzt. Ein Schriftzug im Film setzt die Voraussicht auf Regen auf 82% fest. Während Donnie in einer Bar von seiner Vergangenheit erzählt, sind die Zahlen 8 und 2 nebeneinander auf einer Tafel zu sehen. Im Casino braucht Craig als Karte eine 2 für ein gutes Blatt, bekommt jedoch eine 8. Donnie Smiths Gewinn aus der Spielshow wird auf den 28. April 1968 (9 minus 1 und 8 minus 6) datiert. Ebenfalls sieht man auf den Werbetafeln an den Bushaltestellen die Aufschrift "Exodus 8,2". Zu guter Letzt erwähnte Regisseur Anderson in einer US-Talkshow, dass auch der Filmtitel kein Zufall sei, habe doch das Wort "Magnolia" acht Buchstaben, wovon zwei doppelt vorkämen.

Der Filmtitel hat aber auch noch andere Bezüge zum Film und den Zahlen 8 und 2 selbst, was Paul Thomas Anderson u. a. im Filmabspann aufführt:

- eine der Straßen, in denen der Film spielt, ist der "Magnolia Blvd." im San Fernando Valley

- "Magnolia" klingt so ähnlich wie der im Abspann erwähnte Terminus "Magonia", den Charles Fort und Jacques Vallée geprägt haben, für einen Ort im Himmel, an dem Dinge so lange verbleiben, bis sie wieder zur Erde zurück fallen

- Am 28. Juni 1957 (9 minus 1 und 7 minus 5) fielen nach einem Tornado nahe dem Magnolia Terminal bei Thomasville (Alabama) tausende kleiner Fische, Frösche und Flusskrebse, teilweise noch lebend, vom Himmel, die zuvor aus einem See in den Himmel hinaufgewirbelt worden waren

Filmmusik

Dem Soundtrack kommt ungewöhnlich große Bedeutung zu, auch als filmisches Stilmittel. So wurde die Musik in manchen Szenen mit Absicht so laut eingespielt, dass die Unterhaltung der Charaktere unverständlich wird und die Bedeutung des Gesagten in den Hintergrund tritt.

In einer Szenenfolge setzt gar die Handlung vorübergehend aus und werden die Charaktere selbst zum Medium der Musik, indem sie gleichzeitig dasselbe Lied singen, aber nicht gemeinsam, sondern jeder in seiner Szene. Lediglich Phil und Earl singen in derselben Szene, Earl in seinem Krankenbett und Phil daneben sitzend; aber auch sie singen jeder für sich, sehen sich dabei nicht an. Nach dem Ende des Lieds läuft die unterbrochene Filmhandlung weiter.

Kritiken

„Ein episodisch strukturierter Film, der eine Fülle von Geschichten entfaltet, in deren Mittelpunkt die Frage nach der Schuld der Väter und die Kraft des Verzeihens ihrer Kinder steht. Dabei beinhaltet das virtuos inszenierte und eindrucksvoll gespielte Drama die Hoffnung, dass zwanghafte psychische Prägungen überwunden werden können. Ein vielschichtiger, immer wieder überraschender Film von großer Intensität, der moderne Wirklichkeitskonstruktionen nachhaltig in Frage stellt.“

Lexikon des internationalen Films

Magnolia (...) ist ein Film, für den man drei Stunden lang eine diffuse Sympathie entwickelt und hinterher nicht genau weiß, warum. Wenn man ihn in Beziehung zu anderen L.A.-Filmen setzt, mischen sich unter die Sympathie die Zweifel. Irgendetwas fehlt. Anderson ist noch nicht mal 30, und er erzählt wie ein Alter – doch vielleicht gehört er einfach zu einer Generation, die aus all den langen Schleifen von Ironie und Reflexion ganz unbefangen heraustreten.“

Peter Körte: Süddeutsche Zeitung vom 16. Februar 2000

„‚Magnolia‘ ist vollgestopft mit Geschichten, Hauptlinien und Nebenlinien, die zu Hauptlinien werden, Geschichten und Geschichte, Kultur und Mentalität, Stoff, sehr viel Stoff. Ich habe den Film innerhalb kürzester Zeit dreimal gesehen, und jedesmal neue Seiten, Aspekte, Gefühle, Katastrophen, Möglichkeiten entdeckt. ‚Magnolia‘ gehört zu der Sorte Film, die mich nicht los lassen, und das ist gut so, das beste, was ein Film leisten kann.“

Ulrich Behrens: Filmstarts.de

Auszeichnungen

  • Golden Globe 2000:
    Golden Globe für Bester Schauspieler in einer Nebenrolle in einem Spielfilm: Tom Cruise
    nominiert für Bester Filmsong: Aimee Mann für „Save Me”
  • Chlotrudis Awards 2000:
    Bester Film
    Bester Nebendarsteller: Philip Seymour Hoffman
    nominiert für Beste Kamera
    nominiert für Beste Regie

Weblinks


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