Mahmud Darwish

Mahmud Darwish
Mahmud Darwisch

Mahmud Darwisch (arab. محمود درويش), auch Maḥmūd Darwīš (* 13. März 1941 in Barwa bei Akko; † 9. August 2008 in Houston, Texas), war ein palästinensischer Dichter.

Mahmud Darwisch stammte aus einer landbesitzenden Familie, seine Mutter ist die Tochter des ehemaligen Bürgermeisters des Nachbarortes. Er war der zweite Sohn und hatte vier Brüder und drei Schwestern. Darwisch flüchtete 1948 mit seiner Familie in den Libanon, wo die Familie zuerst in Jezzin, nach einigen Monaten jedoch in Damur lebte. Bald kehrte Mahmud Darwisch mit seiner Familie heimlich nach Israel zurück. Da das Heimatdorf der Familie zwei Kibbuzim hatte weichen müssen, siedelte sich seine Familie im Dorf Dayru l-Assad an.

Nach einer Protestaktion wurde er als 14-Jähriger in ein israelisches Gefängnis gebracht. Er lernte in der Schule Hebräisch und las daraufhin Klassiker der Weltliteratur und die Bibel auf hebräisch. Nach dem Besuch der Oberschule in Nazaret ging er nach Haifa. 1969 ging Darwisch für ein Jahr nach Moskau, um dort zu studieren. Danach lebte er im Exil in Kairo, ab 1972 in Beirut, das er wegen des Einmarschs der Israelis 1982 verließ, danach auf Zypern, in Tunis und Paris. Seit 1996 lebte er in Amman und Ramallah. Im Juli 2007 trat Darwisch zum ersten Mal wieder in Haifa auf.

Er wurde Direktor des Palestine Research Center der PLO und Herausgeber der Zeitschrift Palästinensische Angelegenheiten sowie der Literaturzeitschrift Al-Karmal (Der Karmel). Von 1987 bis 1993 war er Mitglied des Palästinensischen Nationalrats und am 14. November 1988 Mitverfasser der Proklamation des Palästinensischen Staates. Er erhielt nationale und internationale Auszeichnungen, darunter 1983 den Lenin-Friedenspreis, 2001 den Lannan Cultural Freedom Award, 2003 zusammen mit Dan Bar-On den Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis der Stadt Osnabrück, 2004 den Prince Claus Award und 2007 den Goldenen Kranz beim internationalen Lyrikertreffen Die Abende der Poesie in Struga (Mazedonien).

Mahmud Darwisch starb am 9. August 2008 nach einer Herzoperation im Memorial Hermann Texas Medical Center in Houston.[1] Sein Leichnam wurde nach Ramallah überführt, wo er am 12. August 2008 ein "Staatsbegräbnis" erhielt und auf einem Hügel nicht weit vom Kulturpalast begraben wurde. Er wurde auf Darwisch-Kulturpalast umbenannt.[2][3]

Mahmud Darwisch war einer der herausragenden zeitgenössischen Dichter in der arabischen Welt, und seine Gedichtbände erreichten Millionenauflagen.[4] Er wurde weithin als die poetische Stimme des palästinensischen Volkes anerkannt. In seinen Werken setzte er sich gleichermaßen gegen Unrecht und Unterdrückung wie für eine friedliche und gerechte Koexistenz palästinensischer Araber und israelischer Juden ein. Er wurde dafür verehrt, dem kollektiven Schmerz über Vertreibung und Exil und der unsterblichen Liebe zu einer verlorenen Heimat ergreifend Ausdruck verliehen zu haben. In Europa, besonders in Frankreich, wurde seine Poesie begeistert aufgenommen. Seine Werke sind in mehr als 20 Sprachen übersetzt worden.

Werke

  • Vögel ohne Flügel, Gedichte, 1960
  • Ölbaumblätter (اوراق الزيتون aurâq az-zaytûn), Gedichte, 1964
  • Ein Liebender aus Palästina (عاشق من فلسطين 'âshiq min filastîn), Gedichte, 1966
  • Palästina als Metapher: Gespräche über Literatur und Politik, Palmyra Verlag Heidelberg 1998, ISBN 3-930378-16-7
  • Ein Gedächtnis für das Vergessen. Beirut, August 1982 (ذاكرة للنسيان dhâkira lin-nisyân, 1987) Prosa, Lenos Verlag Basel 2001 ISBN 3-85787-316-7
  • Weniger Rosen, Gedichte, Verlag Hans Schiler Berlin 2002, ISBN 3-89930-101-3
  • Wir haben ein Land aus Worten: Ausgewählte Gedichte 1986–2002, Ammann Verlag Zürich 2002 ISBN 3-250-30013-6
  • Wo du warst und wo du bist, Gedichte, A1 Verlag München 2004 ISBN 3-927743-71-2
  • Warum hast du das Pferd allein gelassen?, Gedichte, Verlag Hans Schiler Berlin 2004 ISBN 3-89930-244-3
  • Belagerungszustand, Gedichte, Verlag Hans Schiler Berlin 2006 ISBN 3-89930-106-4
  • Der Würfelspieler, Gedicht, Zweisprachig: Arabisch/Deutsch, A1 Verlag München 2009 ISBN 978-3-940666-08-6

Einzelnachweise

  1. Frankfurter Allgemeine Zeitung: Palästinensischer Dichter Darwisch gestorben vom 9. August 2008.
  2. http://english.aljazeera.net/news/middleeast/2008/08/200881318222726766.html
  3. http://www.jpost.com/servlet/Satellite?cid=1218446194966&pagename=JPost%2FJPArticle%2FShowFull
  4. Suleman Taufiq: Neue arabische Lyrik. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2004, ISBN 3-423-13262-0, S. 217.

Weblinks


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