Manfred Fuhrmann

Manfred Fuhrmann

Manfred Fuhrmann (* 23. Juni 1925 in Hiddesen bei Detmold; † 12. Januar 2005 in Überlingen am Bodensee) war ein bedeutender deutscher Altphilologe.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Der Arztsohn studierte nach seinem Abitur am Gymnasium Leopoldinum in Detmold Klassische Philologie, Rechtswissenschaften, Philosophie und Theologie in Freiburg im Breisgau und Leiden und wurde 1953 zum Dr. phil. promoviert. 1959 habilitierte er sich in Freiburg, wo er im selben Jahr seine erste Privatdozentur erhielt. 1962 folgte er einem Ruf als ordentlicher Professor an die Universität Kiel und 1966 einem weiteren an die neu gegründete Universität Konstanz, wo er bis zu seiner Emeritierung 1990 den Lehrstuhl für Lateinische Philologie innehatte. Von 1964 an nahm er an den Tagungen der interdisziplinären Forschergruppe „Poetik und Hermeneutik“ teil. Außerdem war Fuhrmann ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Heidelberg.

Sein Nachfolger in Konstanz wurde Reinhart Herzog, nach dessen Tod Barbara Feichtinger-Zimmermann.

Werk

Der Latinist Fuhrmann galt als einer der überragenden Altphilologen seiner Generation und arbeitete auf vielfältigen Gebieten der Klassischen Altertumswissenschaft. So war er neben seinen philologischen Studien akkurater Übersetzer mit großem sprachlichem Feingefühl. Zwischen 1970 und 1982 veröffentlichte er Übersetzungen von Marcus Tullius Ciceros sämtlichen Reden in sieben Bänden, für die er bei Klassischen Philologen, Historikern und Germanisten gleichermaßen Anerkennung fand. 1990 erhielt er dafür den Johann-Heinrich-Voß-Preis für Übersetzung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt. 1986 folgten Übersetzungen der Werke des Horaz.

Zudem verfasste Fuhrmann Biographien Ciceros (Cicero und die römische Republik) und Senecas (Seneca und Kaiser Nero - Eine Biographie), die ebenfalls bei Altphilologen und Althistorikern große Anerkennung fanden. Schon recht früh befasste sich Fuhrmann mit der lateinischen Literatur der Spätantike, die in Deutschland lange Zeit kaum beachtet worden war.

Daneben setzte sich Fuhrmann bei seinen Forschungen intensiv mit dem europäischen Gedanken sowie der Bildungstradition und den Bildungskanones als kultureller Identität Europas auseinander, wobei er auch einer fachfremden Öffentlichkeit durch seine Kontroversen mit dem Anglisten Dietrich Schwanitz bekannt wurde.

Außerdem beschäftigte sich Fuhrmann intensiv mit der Geschichte und Praxis des Altsprachlichen Unterrichts und bezog immer wieder in Aufsätzen und Vorträgen zu fachdidaktischen Problemen sowie Orientierungen der Fachdidaktik des Latein- und Griechischunterrichts Stellung.

Schriften (Auswahl)

  • 1960 Das systematische Lehrbuch – Ein Beitrag zur Geschichte der Wissenschaft in der Antike.
  • 1969 Die Antike und ihre Vermittler.
  • 1971 Terror und Spiel – Probleme der Mythenrezeption.
  • 1976 Alte Sprachen in der Krise?
  • 1984 Die antike Rhetorik. vierte Auflage 1995, ISBN 3-76-081304-6
  • 1989 Cicero und die römische Republik. fünfte Auflage 2011, ISBN 978-3-538-07324-1
  • 1992 Die Dichtungstheorie der Antike.
  • 1994 Rom in der Spätantike. Artemis & Winkler, Zürich 1994. ISBN 3-760-81088-8.
  • 1995 Europas fremd gewordene Fundamente. ISBN 3-76-081122-1
  • 1997 Seneca und Kaiser Nero. Eine Biographie. ISBN 3-8286-0012-3
  • 1999 Geschichte der römischen Literatur.
  • 1999 Der europäische Bildungskanon. erweiterte Neuausgabe 2004.
  • 2001 Latein und Europa. Geschichte des gelehrten Unterrichts in Deutschland von Friedrich dem Großen bis Wilhelm II. Die fremdgewordenen Fundamente unserer Bildung. 2. Auflage, DuMont Verlag, Köln 2005. ISBN 3-7701-5605-6
  • 2002 Bildung - Europas kulturelle Identität. Reclam Universal-Bibliothek 18182. Reclam, Stuttgart 2002. ISBN 3-15-018182-8
  • 2005 Geschichte der römischen Literatur. Reclam Universal-Bibliothek 17658. Reclam, Stuttgart 2005. ISBN 3-15-017658-1

Literatur

  • Nina Mindt: Manfred Fuhrmann als Vermittler der Antike: Ein Beitrag zu Theorie und Praxis des Übersetzens. Transformationen der Antike, Band 5. Berlin/New York: Walter de Gruyter 2008.

Weblinks


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