Maria Renata Singer von Mossau


Maria Renata Singer von Mossau

Maria Renata Singer von Mossau (* 27. Dezember 1679 in Niederviehbach bei Dingolfing; † 21. Juni 1749 auf der Festung Marienberg) war ein deutsches Opfer der Hexenverfolgung und Nonne sowie Superiorin des Klosters Unterzell bei Würzburg. Sie gilt als das letzte fränkische Opfer der Hexenverfolgung.

Leben

Singer wurde als Tochter eines kaiserlichen Offiziers geboren. Mitte Mai 1699 wurde sie von ihrer Mutter ins Kloster Unterzell bei Würzburg gebracht. Nach einer 2-jährigen Probezeit und aufgrund ihres lobenswerten Verhaltens erhielt sie die wirtschaftliche Aufsicht über das Kloster. Sie wurde mit dem Titel der Superiorin ausgezeichnet und durfte beim Küsterdienst mithelfen.

Ab 1738 herrschten wegen ihres Fleißes Neid und Missgunst im Kloster, weshalb ihr ihre Katzen weggenommen wurden und sie fortan für sämtliche schlechte Vorkommnisse innerhalb Zells verantwortlich gemacht wurde. Als 1744 sechs Fälle von Besessenheit auftraten, verstärkten sich die Gerüchte, Singer sei der Hexerei schuldig. 1749 kamen Vermutungen hinzu, sie sei mondsüchtig, weshalb sie eines nachts von einer verängstigten Schwester mit einem Disciplinenhieb (Gerät zum Kasteien, eine Art Peitsche) ins Gesicht attackiert wurde. Daraufhin folgte noch im Januar des gleichen Jahres die Verhaftung und die Anklage der Hexerei.

Im Februar 1749 gestand sie bei einem klösterlichen Verhör, seit 60 Jahren eine Hexe gewesen zu sein. Nach fünf Verhören vor einem weltlichen Gericht mit den Anklagepunkten Erlernen der Hexerei, Schließen eines Teufelsbündnis, Verrichten von Schadenszauber, Beiwohnen bei Hexenversammlungen, Schließen einer Teufelsbuhlschaft, Verunehrung geheiligter Hostie und des Mäusemachens erklärte sie sich in allen Punkten für schuldig. Danach wurde sie weitere sechs Male vor einem geistlichen Gericht verhört, bis dieses am 28. Mai ein Urteil traf. Bei den darauffolgenden fünf Verhören vor einem weiteren Gericht gab sie schließlich die Namen zweier anderer Hexen bekannt und wurde während der Verhandlungen weiter in der Festung Marienberg festgehalten. Am 21. Juni 1749 wurde das Endurteil verkündet, nämlich die lebendige Verbrennung. Durch das Wirken des Würzburger Fürsten wurde das Urteil zu Enthauptung und anschließender Verbrennung abgemildert. Wegen der körperlichen Entkräftigung wurde Maria auf einem Stuhl zum Richtplatz der mittleren Bastei gebracht, wo sie zwischen acht und neuen Uhr morgens hingerichtet wurde. Ihr Kopf wurde als Abschreckung zur Stadt hin aufgerichtet, der restliche Körper verbrannt.

Literatur

  • Anna Renata Singer von Mossau, die letzte deutsche Hexe: ein Geschichtsbild dargestellt zur Erinnerung an den nunmehr hundertjährigen Niedergang eines langen und grauenvollen Irrwahns und an die Befreiung von der Schmach wälscher Inquisition in Deutschland, nebst einem Abriß der Geschichte der Hexenprocesse im Allgemeinen und beiliegenden Actensprüchen sowie einem sächsischen Hexenprocesse aus dem siebzehnten Jahrhundert, Leipzig 1849. (keine Autorenangabe – erschienen in der Serig'sche Buchhandlung)
  • Christoph Meiners: Geschichte einer merkwürdigen Teufels-Besitzung in Franken zwischen den Jahren 1740. und 1750., in: Göttingisches historisches Magazin, 2. Band, 1788, Seite 1–39 (Digitalisat)
  • Memminger, Anton: Das verhexte Kloster nach den Akten dargestellt, Würzburg 1904.
  • Hans-Jürgen Wolf: Hexenwahn, Hexen in Geschichte und Gegenwart, Pawlak Verlag, Herrsching, 1990, S. 185-188

Weblinks


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