Marienburg (Suriname)


Marienburg (Suriname)
5.8666666666667-55.033333333333
Marienburg
Marienburg (Suriname)
Marienburg
Marienburg

Marienburg auf der Karte von Suriname

Basisdaten
Staat Suriname
Distrikt Commewijne
Einwohner 4500 (2008)
Detaildaten
Gewässer Commewijne
Zeitzone UTC-3
Schleuse und Anlegestelle von Marienburg am Commewijne, 1904-1921
Schleuse und Anlegestelle von Marienburg am Commewijne, 1904-1921
Verladen von Zuckerrohr auf Marienburg, 1904-1940
Verladen von Zuckerrohr auf Marienburg, 1904-1940
Zuckerfabrik Marienburg, 1904-1940
Zuckerfabrik Marienburg, 1904-1940

Marienburg ist ein Ort und ehemalige Plantage im Distrikt Commewijne in der Republik Suriname.

Inhaltsverzeichnis

Plantage

Als durch den Bau des Fortes Neu-Amsterdam der Unterlauf des Commewijne geschützt war, wurde mit der Vergabe von Landbauflächen an den Ufern des Flusses durch das Gouvernement begonnen.

Im Jahre 1745 wurde dann auch die Plantage Marienburg am linken Ufer des Commewijne durch Maria de la Jaille, Witwe von David de Hoy gegründet. Die Plantage hatte ein Areal von 500 Acker (1 Acker = ca. 0,43 ha) und wurde vermutlich von Beginn an zum Anbau von Kaffee genutzt. Bei Abschaffung der Sklaverei durch die Kolonialmacht Niederlande, am 1. Juli 1863 waren auf der Kaffeeplantage 99 Sklaven registriert. Zu diesem Zeitpunkt hatte Marienburg bereits mehrfach den Eigentümer gewechselt.

Zuckerfabrik

Die Niederländische Handelsgesellschaft (NHM) kaufte 1881 die zu diesem Zeitpunkt nicht mehr kultivierte Plantage. Diese Gesellschaft war seit 1867 in Suriname aktiv und hatte bereits auf einer anderen Plantage Erfahrungen mit dem Anbau- und maschineller Verarbeitung von Zuckerrohr gesammelt. Wegen seiner günstigen Lage wurde dann der Beschluss gefasst, auf der ehemaligen Kaffeeplantage eine moderne große Zuckerfabrik er errichten. Das zur Verarbeitung notwendige Zuckerrohr sollten die umliegenden Zuckerrohrplantagen liefern. Im Jahre 1882 war im Zentrum der Plantage die für diese Zeit wohl modernste Zuckerfabrik und Destillerie des karibischen Raumes fertiggestellt. Diese große Fabrik hatte eine Mahlkapazität von 300 Tonnen pro Tag. Zur Anfuhr des benötigten Zuckerrohres hatte die NHM daher zu den Feldern der umliegenden Plantagen das erste Schienennetz von Suriname angelegt. Da jedoch der Lieferumfang durch die vertraglich gebundenen Zuckerrohrpflanzer nicht ausreichend war, sah sich die NHM gezwungen die betreffenden Plantagen aufzukaufen um selbst für ausreichenden Anfuhr zu sorgen. Auch die eigene Plantage Marienburg wurde daher für die Zuckerrohrproduktion eingerichtet.

Das große Unternehmen beschäftigte zunächst als Feldarbeiter überwiegend Hindustanen, Kontraktarbeiter aus Britisch-Indien. Ab 1890 wurden dann die ersten durch die NHM angeworbenen Javaner als Kontraktarbeiter eingesetzt. Wie die Hindustanen hatten diese Emigranten einen zunächst auf fünf Jahre begrenzten Arbeitsvertrag unterschrieben. Für die Kontraktanten waren hölzerne Baracken und ein kleines Hospital errichtet worden. Im Jahre 1900 waren ungefähr 1.600 Kontraktarbeiter für die NHM in Marienburg tätig.

Arbeitskonflikt, Aufstand

Die NHM bezahlte an die Arbeiter die geringsten Löhne von allen Plantagenbetrieben in Suriname. Dies- und harte Strafen gegen die Arbeiter führte immer wieder zu Arbeitskonflikten mit der Direktion. Am 2. Juli 1902 legten die Arbeiter die Arbeit nieder. Direktor James Mavor der sich bei der Forderung zur Wiederaufnahme der Arbeit den Zorn der Arbeiter zugezogen hatte, wurde am 29. Juli durch erzürnte Feldarbeiter in der Fabrik erschlagen. Noch am selben Tag traf ein Detachement der kolonialen Truppenmacht in Marienburg ein und begann am folgenden Morgen mit Arrestationen. Dies führte erneut zu einer Eskalation der Situation und die aufgebrachten Arbeiter zogen in großer Menge in Richtung Brücke, die das Verwaltungsgebäude der NHM von den Wohnbaracken trennte. In dem Moment als die Brücke betreten wurde eröffneten die Soldaten gezielt das Feuer. Hierauf fielen an diesem Tag 17 Tote und 39 Verwundete. Von den Verwundeten starben später weitere 7 Arbeiter.

Zur Erinnerung an den Aufstand wurde durch Vize-Präsident Ramdien Sardjoe am 30. Juli 2006 in Marienburg ein Denkmal enthüllt.

Internierung im Zweiten Weltkrieg

Nachdem am 10. Mai 1940 deutsche Truppen die Niederlande überfallen hatten, wurden noch am selben Tag in Suriname alle männlichen Deutschen im Alter von mehr als fünfzehn Jahren durch das Gouvernement verhaftet. Ende Mai wurden dann auch die Frauen und Kinder interniert, die zunächst für rund zwei Monaten auf der Plantage Marienburg, im alten und zu dieser Zeit nicht mehr betriebenen Hospital untergebracht wurden. Ab Mai 1941, bis zu ihrer Abschiebung im Februar 1947 waren alle rund 150 Deutschen in der Nähe von Lelydorp interniert.

Staatsbetrieb, Schließung

Die Zuckerfabrik produzierte neben Rohrzucker auch Rum und verfügte seit 1957 auch über eine Raffinade zur Gewinnung von Kristallzucker. 1964 verkaufte die NHM die Plantage an die Rubber Cultuur Maatschappij Amsterdam, die wiederum verkaufte Marienburg 1974 an den Staat. Die Plantage war zu diesem Zeitpunkt bereits stark veraltet und ohne erhebliche Investierungen nicht mehr rentabel in Stand zu halten. Zu den Investitionen ist es nie gekommen und rund 1985 wurde die Zuckerproduktion gestoppt und kam es zur Schließung der Fabrik. Ein Produkt mit dem Namen der Plantage, Marienburg Rum wird auch heute noch in Paramaribo, allerdings mit importierter Melasse hergestellt. Er ist mit einem Alkoholgehalt von 90 % wohl einer der stärksten Rumsorten der Welt.

Ab 1999 wurde an die Arbeiter der ehemaligen Plantage Grund zur Anlegung einer neuen Siedlung vergeben.

Marienburg hat heute (2008) nach Schätzungen rund 4.500 Einwohner.

Literatur

  • C.F.A. Bruijning und J. Voorhoeve (red.): Encyclopedie van Suriname. Amsterdam und Brussel 1977, B. V. Uitgeversmaatschappij Argus Elsevier, Seite 394. ISBN 9010018423
  • Cynthia Mc Leod Tweemaal Mariënburg (1997). ISBN 9054290862. In dem historischen Roman werden die Ereignisse im Jahre 1902 und das Leben auf der Plantage Marienburg beschrieben.

Weblinks


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