Marzhausen (Neu-Eichenberg)

Marzhausen (Neu-Eichenberg)
Marzhausen
Koordinaten: 51° 25′ N, 9° 54′ O51.4100583333339.9009583333333283Koordinaten: 51° 24′ 36″ N, 9° 54′ 3″ O
Höhe: 283–329 m ü. NHN
Einwohner: 235
Eingemeindung: 1. Feb. 1971
Postleitzahl: 37249
Vorwahl: 05504

Marzhausen ist gleichzeitig der nördlichste Ortsteil der Gemeinde Neu-Eichenberg und nördlichster Ort im Werra-Meißner-Kreis, Hessen.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Marzhausen liegt 8 km nordöstlich von Witzenhausen im Dreiländer-Eck Hessen, Thüringen, Niedersachsen. Kaum 1000 m östlich befindet sich das Grenzdurchgangslager Friedland mit einem Mahnmal auf dem Hagenberg. Durch den Ort verlaufen die Landesstraße 3238 und die Bundesstraße 27.

Geschichte

Anlässlich eines Gütertausches durch das Kloster Helmarshausen wurde der Ort in der Schreibweise Maretegenhus im Jahre 1120 erstmals erwähnt. Aus Martakeshusen bezogen 1222 die Grafen von Everstein den Zehnten und überließen diese Einkünfte dem Erzbistum Mainz. Ab 1268 erschien das bei Göttingen gelegenene Kloster Mariengarten als Grundbesitzer im Ort;[1] zeitgleich waren auch die Wilhelmiten in Witzenhausen sowie die Herren von Ziegenberg und Herren von Plesse im Ort begütert. Ab 1428 wurde Marzhausen von den Herzögen von Braunschweig, zunächst an die von Stockhausen, später an das Geschlecht derer von Weihe mit Gericht, Vogtei und allem Recht verliehen. Die Braunschweiger bezogen aus Marzhausen stets Steuern und Schatzungen, die jedoch an Mitte des 16. Jahrhunderts immer spärlicher gezahlt wurden. So tritt der Ort 1550 im Braunschweiger Schatzregister nicht auf, auch drei Jahre später verweigerte Marzhausen eine Schatzung, die anschließend per Pfändung einzogen werden musste.[2] Spätere Schatzungen konnte Braunschweig nicht mehr erlangen. Ab 1585 wurde Braunschweig zum ersten Mal aus Marzhausen der Huldigungseid unterlassen und vier Jahre später auch die Kirchenvisitation. Die von Stockhausen verpfändeten den Ort bereits in früheren Zeiten, an die von Berlepsch weiter, die 1461 ihr gesamtes Gefälle an dem Landgrafen Ludwig II. von Hessen auftrugen und als Lehen zurückempfingen, worunter auch Marzhausen genannt wird. Als hessischer Lehensinhaber tritt um 1500 die Familie der Grafen von Plesse in Erscheinung. Mit der Säkularisation ihrer Klöster in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts entbrannte ein endloser Streit zwischen den Landgrafen von Hessen und den Herzögen von Braunschweig über die Lehenshoheit im Ort, dieser wurde erst 1805 endgültig beigelegt. Im 17. Jahrhundert übernahm die Familie von Berlepsch das Lehen, sie stellte ab 1778 auch den Gerichtsherren in Marzhausen, das Dorf gehörte damit formell zum hessischen Amt Witzenhausen. Mit Einführung der Reformation erhielt Marzhausen vorübergehend (1569 und 1578-1622) eine Pfarrei, wurde danach wieder der Pfarrei Hermannrode unterstellt. Zur Gemarkung des Ortes gehören heute die Flurbezirke der Wüstungen Eilersgewende, Bremerode und Gerwardshausen (anteilig). Diese Kleinsiedlungen waren Streubesitz von hessischen Adelsfamilien und fielen bereits im 15. Jahrhundert wüst.

Die 1847 erneuerte Evangelische Kirche ist ein Quaderbau in romanisierenden Formen aus rötlichem Sandstein. Das Satteldach trägt einen 8-seitigen verschieferten Dachreiter mit welscher Haube. Der Saalbau ist mit hölzernen Einbauten und einer flachen hölzernen Decke im Stil des Spät-Biedermeier ausgestattet.

Bereits im September 1945 entstand auf einem landwirtschaftlichen Versuchsgelände etwa 1 km östlich vom Ort das Grenzdurchgangslager Friedland.

Bis 1974 gehörte Marzhausen zum Landkreis Witzenhausen und seit dem zum Werra-Meißner-Kreis. Zu den Sehenswürdigkeiten des Ortes gehört die ehemalige Gutsanlage.

Sonstiges

Literatur

  • Waldemar Küther: Marzhausen. In: Hessischer Heimatbund (Hrsg.): Kreis Witzenhausen. Handbuch des Hessischen Heimatbundes. IV, J.A. Koch Buchdruckerei, Marburg a.d. Lahn 1971, S. 158.

Quellen

  1. Manfred von Boetticher: Urkundenbuch des Klosters Mariengarten. (Göttingen-Grubenhagener Urkundenbuch, 2. Abteilung). Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen XXXVII. Quellen und Untersuchungen zur Geschichte Niedersachsens im Mittelalter, Band 8. August Lax Verlagsbuchhandlung, Hildesheim 1987. ISBN 3-7848-3017-X.
  2. Gertrud Wolters: Das Amt Friedland und das Gericht Leineberg. Beiträge zur Geschichte der Lokalverwaltung und des welfischen Territorialstaates in Südhannover. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1927, S. 33.

Weblinks


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