Maskenanzug


Maskenanzug
Dieser Artikel befasst sich mit Masken als Bezeichnung für Gesichtsbedeckungen. Weitere Bedeutungen dieses Begriffs siehe unter Maske (Begriffsklärung) und Maskierung.
Entwurf einer Theatermaske für den Darsteller des Mephisto
Maske Abraham Lincolns

Der Begriff Maske (v. arab. maskharatNarr, Posse, Hänselei, Scherz) bezeichnet eine Gesichtsbedeckung. Masken werden in Theater und Kunst, aber auch zu religiösen und rituellen Zwecken eingesetzt. Häufig werden sie ergänzt durch Verkleidung bzw. Kostüme. Des Weiteren gibt es Masken, die dem Schutz des Gesichtes oder eines Teils davon dienen.

Ihrem Ursprung nach war die Maske ein vor dem Gesicht getragenes plastisches Gebilde (Larve) aus Holz, Leder, Ton, Tuch, heute auch Kunststoff – oder der Begriff wurde generell für eine Verhüllung des Körpers verwendet, von der Halbmaske bis zur Ganzkörpermaske. Im weiteren Sinne überträgt sich die Ausdruck im Theater auch auf Schminke und anderes, was als Maskenbildnerei bezeichnet wird.

Masken erfüllen sehr unterschiedliche Aufgaben in unterschiedlichen Kontexten. Sie verbergen das (wahre) Gesicht, sie schützen das Gesicht, mit Hilfe der Maske verwandelt sich der Träger in die sie darstellende Figur, sie ermöglichen neue (übernommene) soziale Rollen einzuüben, etc.

Inhaltsverzeichnis

Rituelle Masken

Die Wurzel der Maske liegt im Kult. So wird sie heute noch bei Naturvölkern bei rituellen Tänzen benutzt, um Schutzgottheiten zu erflehen oder böse Geister abzuschrecken. Aus dem Paläolithikum sind Felszeichnungen von Tier-Mensch Wesen, die als Schamane gedeutet werden könnten bekannt (z.B. Felsmalereien, Les Trois Frères, Mischwesens aus Mensch und Tier. Magdalénien, um 15 000 v. Chr.).

Schamanismus

Schamanenmaske von der Elfenbeinküste

Beispielsweise bei den Hopi und anderen Indianervölkern stellen sorgfältig maskierte Tänzer bei Ritualen ihre Ahnen- und Naturgeister dar.

Totenmasken

Seit der Antike kennt man auch Totenmasken.

Theater: Utensil und Schminke

Harlekin mit Maske

Im antiken griechischen Theater benutzten die Schauspieler typisierte Masken, um die Gefühle ihrer Rollen besser zum Ausdruck zu bringen und mittels der Ausbildung des Mundes als Schalltrichter den Schall zu verstärken. Diese Art der Maske wird als persona bezeichnet.

In vier festen Ledermasken, die eindeutige Typen belegen – die bekanntesten sind der Harlekin und der Bajazzo –, bestehen sie seit der Renaissance in der Commedia dell'arte weiterhin fort. Maske steht in dann wegen der Gesichtsbedeckung auch für die sie tragende Figur oder Rolle als Ganzes, in der Folge auch für eine kostümierte Person etwa im Karneval in Venedig. Larve (Maske)

Im japanischen und chinesischen Theater gibt es sowohl starre Masken als auch maskenhafte Make-Ups. (siehe beispielsweise das -Theater)

Übertragen wurde bis in das 19. Jahrhundert der Begriff Maske auch für die Kombination von Halbmaske, Kostüm und Rolle für bestimmte Rollentypen gebraucht: Die so genannten Charaktermasken stellten beispielsweise den Doktor oder den Hans Wurst dar, die so genannten Nationalmasken den Franzosen oder den Spanier

Heute wird die Maske (im Sinne einer „Gesichtsverkleidung“) im Theater und Film oft nur noch geschminkt.

In Anlehnung an all diese Masken wird auch heute noch bei Theater und Film der Raum, in dem der Maskenbildner arbeitet (wobei die Schauspieler dort meist nur geschminkt, frisiert, verkleidet und zurechtgemacht werden) einfach als „die Maske“ bezeichnet.

Dennoch arbeiten im Bereich der Theatermaske namhafte sehr spezialisierte Künstler wie Erhard Stiefel, Amleto Sartori, Fratinelli de Marchi, um nur die ganz großen der Künstler unter den Maskenbauern zu nennen. Das Spiel mit der „Theatermaske“ wird in Skandinavien in den USA, sowie natürlich in Italien von namhaften Gruppen gepflegt. In Deutschland gibt es erstaunlicherweise große Hemmungen an den Theaterhäusern, auch wenn das Berliner Maskentheater Familie Flöz mit ihren Auftritten, im In- und Ausland große Erfolge hat.

Brauchtum

Im Brauchtum des gesamten Alpenraumes und im benachbarten schwäbisch-alemannischen Raum ist die Gesichtsmaske und die Gesamtverhüllung immer noch, insbesondere zu Fastnacht oder Silvesterbräuchen, allgegenwärtig.

Seit dem Mittelalter verdrängt die Schminkmaske den festen Typus immer mehr. Lediglich im Clown des Zirkus, als Kostüm im Karneval, Fastnacht, Fasching, Halloween und vereinzelt in der Pantomime lebt die starre Maske im europäischen Raum weiter.

Die Halbmaske wird vor allem im Karneval in Venedig verwendet. Sie bedeckt nur einen Teil oder eine Hälfte des Gesichts. Die Halbmaske ist ursprünglich eine Theater- bzw. Sprechmaske gewesen. Sie erleichterte, etwa in der Italienischen Commedia dell'arte, den Schauspielern das laute und deutliche Sprechen.

Bildende Kunst

Architektur

In der Architektur wurde die Maske in der Gotik, Renaissance und im Barock gerne als Bauschmuck Wasserspeier, Türklopfer, Schlussstein usw. verwendet. Ein Beispiel dafür sind die Kriegermasken am Berliner Zeughaus von Andreas Schlüter 1697.

Kunst der Renaissance und des Barock

Die Maske wird in Allegorien des 16. bis 18. Jahrhunderts als visuelles Symbol der Täuschung und des Betrugs verwendet, beispielsweise in Bildern von Agnolo Bronzino oder Baldassare Franceschini genannt Il Volterrano. Spätestens seit dem frühen 17. Jahrhundert findet man sie auch als Attribut von Personifikationen der künstlerischen Imitation und Simulation, speziell der täuschenden Kraft der Malerei (Pictura). Viele dieser symbolischen Verwendungsarten der Maske sind durch die Ausstattung entsprechender Allegorien in der Iconologia des Cesare Ripa bestimmt (vgl. Leuschner 1997).

Moderne Kunst

Ethnologische Ritualmasken aus der Südsee, Papua-Neuguinea usw. hatten einen großen Einfluss auf Maler und Bildhauer der Moderne, wie z. B. Pablo Picasso, der ihre Bedeutung für seine Kunst besonders herausstrich.

Vermummung

Schuhputzer in La Paz

Kriminelle verwenden des Öfteren Masken, um nicht erkannt zu werden. In vielen Kulturen ist es eine zusätzliche Straftat, wenn man während der Verübung einer Straftat maskiert ist. Oft wird auch das Tragen von Masken während Demonstration und Versammlungen unter Strafe gestellt (Vermummungsverbot).

Die Unkenntlichmachung durch Masken wird auch von nicht-kriminellen Gruppen genutzt. So nutzen sie insbesondere Sondereinheiten der Polizei oder des Militärs, um durch eine Anonymisierung die Gefährdung ihrer Mitglieder zu minimieren. Typischerweise findet hier die Sturmhaube oder auch Balaklava Verwendung.

Vor Gericht werden gefährdete Zeugen unter Umständen durch das Tragen einer Maske geschützt.

Schuhputzer in La Paz, Bolivien verhüllen sich das Gesicht, weil die Arbeit in diesem Bereich als gesellschaftliche Schande gesehen wird.

Schutzmasken

Wichtig zu erwähnen ist auch der Einsatz von Schutzmasken zur Vermeidung der Schädigung des Gesichtes (Haut), der Augen, der Atemwege oder der Lunge durch Chemikalien, Hitze, Kälte, Staub, Splitter, zu starkes Licht (z.B. beim Schweißen) etc. Ein Beispiel dafür ist die Atemmaske.

Sport

Druckausgleichsmaske

Taucher benutzen unter Wasser spezielle Tauchmasken. Aber auch in anderen Sportarten werden Masken verwendet, so z.B. beim Paintball oder Airsoft, Eishockey, Lucha Libre und Football. Im Motorsport werden für gewöhnlich spezielle Schutzmasken zum Schutz vor Verbrennungen bei Unfällen getragen.

Mode

Die britische Rockgruppe Genesis erregte in den 1970er Jahren Aufsehen, als ihr Frontmann Peter Gabriel Masken (z.B. die eines Fuchses und eines alten Mannes) nutzte, um eine bestimmte Atmosphäre zu erzeugen und u.a. das lyrische Ich darzustellen.

Auch besonders Musiker aus dem Bereich Heavy Metal tragen Masken als Teil ihres Bühnenoutfits. Besondere Bedeutung erlangten Kiss, King Diamond, Mayhem, Buckethead und Slipknot.

Das Markenzeichen des Berliner Rappers Sido war eine verchromte Totenkopf-Maske, die deutlich bedrohlicher aussieht als die randlose Brille, die er darunter trägt.

Literatur

  • Eckhard Leuschner: Persona, Larva, Maske. Ikonologische Studien zum 16. bis frühen 18. Jahrhundert. Lang, Frankfurt am Main 1997.
  • Richard Weihe: Die Paradoxie der Maske. Geschichte einer Form. Fink, München 2004, ISBN 3-7705-3914-1.

Siehe auch

Weblinks


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