Matthias Ehrenfried


Matthias Ehrenfried
Matthias Ehrenfried, Bischof von Würzburg 1924-1948

Matthias Ehrenfried (* 3. August 1871 in Absberg; † 30. Mai 1948 in Rimpar) war der römisch-katholische Bischof von Würzburg von 1924 bis 1948. Er wurde als „Widerstandsbischof“ gegen das NS-Regime bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft und Werdegang

Ehrenfried wurde als Sohn einer mittelfränkischen Bauernfamilie 1871 geboren. 1892 machte er am Eichstätter Humanistischen Gymnasium sein Abitur. Durch Initiative von Bischof Franz Leopold von Leonrod konnte er Theologie am Collegium Germanicum der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom studieren und in Philosophie und Theologie promovieren. 1898 wurde er zum Priester geweiht. Seine erste seelsorgerische Tätigkeit führte ihn nach Hilpoltstein. 1900 erhielt er einen Lehrauftrag für Dogmatik am Lyceum in Eichstätt, der heutigen Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, 1906 wurde er dort ordentlicher Professor für Neues Testament und Apologetik sowie später auch Homiletik.

Ehrenfried war seit 1901 Mitglied der katholischen Studentenkorporation Academia Eichstätt, später Rheno-Frankonia Würzburg im KV, sowie der katholischen Studentenverbindungen K.D.St.V. Franco-Raetia zu Würzburg, Gothia-Würzburg und Markomannia zu Würzburg im Cartellverband (CV).

Bischof von Würzburg

1924 wurde er von Papst Pius XI. zum Bischof von Würzburg ernannt. Während seiner Amtszeit wurden im Bistum Würzburg rund 100 Kirchen gebaut oder erweitert und circa 1000 Priester geweiht.

Widerstand gegen den Nationalsozialismus im Bistum Würzburg

Darstellung des Bischofs auf seinem Epitaph im Würzburger Dom

Ehrenfried war einer der engagiertesten Gegner der Nationalsozialisten und für seinen Widerstand gegen den Nationalsozialismus bekannt. Bereits mit der Machtergreifung 1933 begannen im Bistum Würzburg die Spannungen zwischen der Kirche und Nationalsozialisten. Erste Priester wurden noch 1933 in Schutzhaft genommen und besonders Leute der SA, teils als Zivilisten getarnt, machten in öffentlichkeitswirksamen Aktionen gezielt über Jahre hinweg Stimmung gegen den Bischof. 1934 hielt sich Georg Heim in Sankt Ludwig versteckt. Der Bischof bezog selbst öffentlich Stellung z. B. im Schriftverkehr mit dem Berliner Leiter der katholisch-theologischen Reichsfachschaft Karlheinz Goldmann. In den folgenden Jahren nahm der Druck der Nationalsozialisten weiter zu. Sie bedienten sich vor allem der Justiz, um Priester weiter in ihren Rechten einzuschränken, was sich über Schulverbote, Redeverbote bis hin zu Gefängnisstrafen erstreckte. Im Klostersturm 1941 wurden in der Abtei Münsterschwarzach vom SD und der Gestapo angeblich staatsfeindliche Schriften gefunden, was den gewünschten Anlass zur Schließung des Klosters bot. Die Schließung rief Protestdemonstrationen in der Bevölkerung hervor. Viele Priester bezahlten ihren Widerstand gegen den totalitären Staatsapparat u. a. im KZ Dachau mit ihrem Leben.

Am 30. Mai 1948 starb der Bischof im ausgelagerten Juliusspital in Rimpar. Seine letzte Ruhestätte fand er in der Neumünstergruft, nahe den Gebeinen der von ihm verehrten Frankenapostel.

In Würzburg sind eine Straße, südlich im Stadtteil Frauenland sowie das Matthias-Ehrenfried-Haus, ein Mehrgenerationenhaus und katholisches Tagungszentrum, nach ihm benannt. In Rimpar trägt die damals umfunktionierte Schule, in der er verstarb, die heutige Grundschule, seinen Namen. In seinem Geburtsort Absberg ist eine Straße nach ihm benannt.

Wappenschmuckschild des Bischofs in der katholischen Schlosskirche von Absberg

Bischofswappen

In seinem Bischoswappen bringt er seine Abstammung aus bäuerlichen Verhältnissen zum Ausdruck. Feld 1 und 4 drei silberne Ähren auf blauem Grund und Feld 2 und 3 auf rotem Grund eine Sichel.

Sein Wahlspruch Gloria et pax Deo et mundo („Ehre und Friede für Gott und für die Welt“) für die „zeitgemäße Ausbreitung des Reiches Gottes“.

Literatur

  • Max Domarus: Bischof Matthias Ehrenfried und das Dritte Reich. Echter-Verlag. Würzburg 1998.
  • Alfred Wendehorst: Das Bistum Würzburg 1803-1957. Würzburg 1965. S.89-99.
  • Klaus Wittstadt: Ein Bischof in schwerer Zeit: Das Wirken Bischof Matthias Ehrenfrieds im Dritten Reich. In: Würzburger Diözesangeschichtsblätter 57 (1995). S. 407-420.
  • Klaus Wittstadt: Ehrenfried, Matthias (1924-1948) Bischof von Würzburg In: Gatz, Erwin (Hg.). Die Bischöfe der deutschsprachigen Länder 1785/1803 bis 1945. Berlin: Ducker und Humblot 1983. S.164-165.

Weblinks


Vorgänger Amt Nachfolger
Ferdinand von Schlör Bischof von Würzburg
19241948
Julius Döpfner

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