Max Mosley

Max Mosley
Max Mosley in seiner aktiven Rennfahrerzeit (1969)

Max Rufus Mosley (* 13. April 1940 in London) ist ein britischer Sportfunktionär, Anwalt und von 1993 bis Oktober 2009 Präsident des Welt-Automobilverbands FIA.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Jugend

Max Mosley ist der zweite Sohn des britischen Politikers Oswald Mosley und Diana Mitfords. Oswald Mosley war zunächst Minister für die Labour Party; Abgeordneter für sowohl die Konservativen als auch die Labour Party in den 1920er Jahren. Während der 1930er Jahre verließ Oswald Mosley den Weg der demokratischen Parteien und wurde zum Leiter der British Union of Fascists.

Max Mosley verbrachte seine Kindheit in Irland, bevor er nach Frankreich und später nach Stein an der Traun in Deutschland zum Schulbesuch geschickt wurde. Er spricht auch heute noch fließend Deutsch.[1] Nach der Rückkehr nach England wurde er in Millfield aufs Internat gesandt. Am Christ-Church-College in Oxford legte er 1961 zunächst einen Abschluss in Physik ab. Während seiner Studienzeit war er Sekretär der Oxford Union, eines privilegierten Debattierklubs der Stadt und Universität Oxford. Mosley setzte seine Studien in Gray’s Inn in London fort. An dieser britischen Anwaltskammer spezialisierte er sich auf Patent- und Warenzeichenrecht. 1964 machte er seinen Abschluss zum Barrister. Die Northumbria University in Newcastle upon Tyne verlieh ihm 2005 den Ehrendoktor im Zivilrecht.

Mitte der 1960er Jahre diente Mosley in der Territorial Army, wo er zum Fallschirmspringer ausgebildet wurde.

Rennsport

Mosley war auch Rennfahrer. Mitte der 1960er Jahre fuhr er in der Formel 2, war aber nicht besonders erfolgreich. Danach entschloss er sich, den Helm an den Nagel zu hängen und versuchte sich als Teamchef. Im Jahr 1969 gründete er zusammen mit einigen Freunden den Rennstall March. Als Teamchef war Mosley erfolgreicher. Das March-Team belegte schon in der ersten Saison den dritten Platz in der Konstrukteurswertung und konnte diesen Erfolg 1971 wiederholen. Mosley trat 1977 als Teamchef zurück.

Er begann im selben Jahr seine Karriere als Funktionär der FOCA, dem Gegenspieler der FISA, deren Präsidentschaft er 1991 übernahm. Nachdem die FISA 1993 aufgelöst wurde, stellte sich Mosley zur Wahl des FIA-Präsidenten, die er gewann. Er war seitdem bis Oktober 2009 ununterbrochen Präsident der weltweit höchsten Automobilvereinigung.

Mosley kündigte im Juli 2004 an, sich nicht mehr zur Wahl zu stellen, tat dies aber dennoch und wurde im Oktober 2005 ohne Gegenkandidat erneut gewählt. Seine Rücktrittsgedanken waren vor allem durch den Streit mit den Teams ausgelöst, die nicht nur eine höhere Beteiligung an den Werbeeinnahmen fordern, sondern auch die Reglementsreformen der vergangenen Jahre nur mit Unmut annahmen. Die Hersteller drohten, ab 2008 eine eigene Rennserie zu gründen, inzwischen forderten dies nach dem Rückzug Fiats aus der GPWC nur noch Mercedes-Benz, BMW, Renault, Honda und Toyota.

Im Juni 2009 gab Mosley bekannt, sich nach Ablauf seiner Amtszeit im folgenden Oktober keiner Wiederwahl mehr zu stellen. Vorausgegangen war ein heftiger Streit um eine von Mosley gewollte Budget-Obergrenze von 45 Millionen Euro pro Team.[2] Trotz einer Vielzahl von Treffen hatten sich FIA und FOTA nicht einigen können, woraufhin am 19. Juni die Rennställe Ferrari, McLaren-Mercedes, Renault, Toyota, BMW-Sauber, BrawnGP, Red Bull und Toro Rosso damit gedroht hatten, die Formel 1 zu verlassen und eine eigene Serie zu gründen.[3]. Am 15. Juli 2009 schrieb Mosley an den Vorstand der FIA und teilte mit, dass er im Oktober endgültig nicht mehr kandidieren werde und dass er für seine Nachfolge Jean Todt vorschlage. [4]

BDSM-Skandal

Im März 2008 berichtete die britische Boulevardzeitung News of the World von der Existenz eines fünfstündigen Videos, auf dem Mosley als „Gastgeber einer Sexorgie mit Prostituierten in Nazi-Uniformen“ zu sehen sein soll.[5]
Der Vorgang fand in der internationalen Presse erhöhte Aufmerksamkeit. Mosley erläuterte den sadomasochistischen Kontext der Handlungen und bestritt den Bezug der Situation zum Nationalsozialismus ausdrücklich; die Echtheit des Videos an sich stellte er nicht in Frage.[1] In Folge betonte Mosley wiederholt gegenüber verschiedenen Medien, dass es sich um Rollenspiele ohne jeden politischen Bezug zum Dritten Reich gehandelt habe.[1]
Im Mai 2008 stellte sich heraus, dass Mosley sieben Wochen lang im Auftrag Dritter von einer Londoner Detektivagentur beschattet wurde.[6]

Die am 3. Juni 2008 in Paris einberufene außerordentliche Generalversammlung der FIA sprach Mosley nach geheimer Abstimmung mit fast Zweidrittelmehrheit vor allen Dingen aufgrund seiner Verdienste um die Sicherheit im Motorsport das Vertrauen aus, sodass Mosley bis Ende 2009 als Präsident der FIA im Amt bleiben sollte. Er kündigte allerdings an, sich bis dahin vermehrt aus der Öffentlichkeitsarbeit zurückzuziehen und Aufgaben zu delegieren. Verschiedene nationale Automobilverbände, darunter der ADAC, kritisierten die in Paris getroffene Entscheidung und kündigten an, ihr Engagement innerhalb der FIA zu überdenken.

Am 24. Juli 2008 entschied ein britisches Gericht, dass die News of the World mit ihrer Berichterstattung rechtswidrig in das Privatleben Mosleys eingegriffen habe, und verhängte Schadensersatzzahlungen in Höhe von 60.000 Pfund (rund 75.000 Euro).[7] Das Geld ließ Mosley der FIA Foundation zukommen.[8] In Deutschland standen Klagen von Mosley gegen den Springer-Verlag und gegen die Wochenzeitung Die Zeit zur Entscheidung an. Die Frage aus dem britischen Gerichtsverfahren, ob die quergestreiften Pyjamas, die Mosleys Gespielinnen bei der Party trugen, an die längsgestreifte Kleidung der KZ-Häftlinge erinnert, sollten auch in deutschen Gerichtsverfahren eine entscheidende Rolle spielen.[9]

Die Deutsche Presse-Agentur veröffentlichte am 9. Mai 2009 eine Korrekturmeldung zu ihrer Berichterstattung. Insgesamt ging es um 25 Unterlassungsbegehren, drei Strafanzeigen und eine Schadenersatzklage über 1,5 Millionen Euro gegen den Axel-Springer-Verlag (eine Million (Bild) und 500.000 Euro (Bild.de)).[10] [11]In einer außergerichtlichen Einigung kamen der Springer Verlag und Mosley überein, dass der Verlag Spenden für karitative Organisationen über insgesamt 200.000 Euro leisten musste, auf Wunsch Mosleys jeweils die Hälfte an eine Stiftung der Formel-1-Organisation und an eine Kinderklinik des Deutschen Herzzentrums Berlin.[12] Mosley erhielt weiterhin die Gelegenheit in einem der größten je in der Bild-Zeitung abgedruckten Interviews, mit einer großen Ankündigung auf der Titelseite, seine eigene Position zu den „Nazivorwürfen“ darzustellen.[13][14]

Sonstiges

Am 5. Mai 2009 wurde Alexander Mosley, ältester von zwei Söhnen Mosleys, im Alter von 39 Jahren tot in seiner Wohnung in Notting Hill aufgefunden. Er war an einer Überdosis Kokain verstorben.[15][16]

Einzelnachweise

  1. a b c Lothar Gorris und Detlef Hacke: „Sie glaubte, es sei ein Scherz“ – Interview vom 2. März 2009.
  2. vgl. Spiegel Online: FORMEL 1 – Künftige Budgetgrenze liegt bei 45 Millionen Euro, 30. April 2009, online unter SPON
  3. vgl. Piratenserie ist vom Tisch bei sport.ard.de, 24. Juni 2009
  4. [1]
  5. FIA-Boss sorgt für Skandal
  6. Liebe, Lust, Silberpfeile?
  7. Mosley gewinnt vor Gericht
  8. Mosley: „Brauchte dieses Urteil“
  9. Henryk M. Broder: Falsche Streifen. In: Der Spiegel. Nr. 51, 2008, S. 94ff (online).
  10. Hans-Jürgen Jakobs: Mosley-Anwältin Irion – Größter Presserechtsfall der letzten Jahre, 11. August 2009, unter sueddeutsche.de
  11. Klaus Boldt: Anzeige – Mosley verklagt Springer-Vorstand,24. Juli 2008, unter manager-magazin.de
  12. Hans-Jürgen Jakobs: Max Mosley und die „Bild“ – Party mit Folgen, 7. August 2009, unter sueddeutsche.de
  13. Hans-Jürgen Jakobs: Mosley-Anwältin Irion – Größter Presserechtsfall der letzten Jahre, 11. August 2009, unter sueddeutsche.de
  14. Der Formel-1-Boss im grossen BILD-Interview – War es Nazi-Sex, Herr Mosley?, 8. August 2009, unter bild.de
  15. vgl. en.f1-live.com
  16. vgl. bbc.co.uk

Weblinks


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