Medgyes


Medgyes
Mediaş
Mediasch
Medgyes
Wappen von Mediaş
Mediaş (Rumänien)
DEC
Basisdaten
Staat: Rumänien
Historische Region: Siebenbürgen
Kreis: Sibiu
Koordinaten: 46° 10′ N, 24° 22′ O46.16444444444424.359444444444330Koordinaten: 46° 9′ 52″ N, 24° 21′ 34″ O
Zeitzone: OEZ (UTC+2)
Höhe: 330 m
Fläche: 62,62 km²
Einwohner: 53.564 (1. Juli 2007)
Bevölkerungsdichte: 855 Einwohner je km²
Postleitzahl: 551xxx
Telefonvorwahl: (+40) 02 69
Kfz-Kennzeichen: SB
Struktur und Verwaltung (Stand: 2008)
Gemeindeart: Stadt
Gliederung: Mediaş, Ighişu Nou
Bürgermeister: Daniel Thellmann (PD-L)
Postanschrift: Piaţa Corneliu Coposu, nr. 3
loc. Mediaş, jud. Sibiu, RO-551018
Webpräsenz:
Mediaş (rotes Viereck) - Rumänien - Nachbarorte: Sibiu, Alba Iulia, Turda, Târgu Mureş

Mediaş, dt. Mediasch, ung. Medgyes, ist eine Stadt in Rumänien an der Târnava Mare (dt. Große Kokel). Die Stadt ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt in Siebenbürgen und somit in Zentralrumänien.

Das historische Zentrum von Mediasch (Sommer 2006)

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Lage

Die Stadt liegt im Kokeltal des Karpatenvorlands. Das Kokeltal ist von zahlreichen Bergen umgeben. Im Norden von den Steilhängen des Galchberges, der Burg, des Hunsrückens und Keppenberges und im Süden vom Busder Plateau, Hasengarten, Vogelstange, Hirschberg, Kreuzberg und Stempelwald. Die Gesamtlänge der Stadtgrenze beträgt 35 km, der Marktplatz liegt auf einer Seehöhe von 305 m, höchster Punkt ist der Weberln-Berg (555 m ü. NN).

Natur

Mediasch liegt in einer Mischwaldzone. Hier sind zu finden die Steineiche, die Rotbuche, an Bächen Weide und Erle und auf den Wiesen und Auen auch viele Arten von Süßgräsern und Wildblumen.

Hauptmarkt und Turm der Margarethenkirche im Winter

Klima

  • Gemäßigtes Landklima
  • Luftdruck in 310 Meter ü. NN 729,7 mm/Hg
  • Durchschn. rel. Luftfeuchtigkeit: 78,4 %
  • Durchschn. Niederschlagsmenge: 600,9 Liter/Jahr und m²
  • Durchschn. Regendauer pro Jahr: 123 Tage

Nachbardörfer

Durles, Meschen (Moşna), Eibesdorf (Ighişul Nou), Groß-Probstdorf (Târnava), Baaßen (Bazna), Klein-Blasendorf (Blăjel), Hetzeldorf (Ațel), Puschendorf und Pretai (Brateiu).

Geschichte

Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte im Jahr 1267. Der Name könnte vom lateinischen per medias via (in etwa am Kreuzweg) herrühren. Gemeint sein könnte damit ebenso die Mitte des historischen Siebenbürgens, die Mediasch in etwa markierte. Eine andere Erklärung ist die Übernahme des Ortsnamen einer vorher bestehenden Szekler-Siedlung. Diese hieß Medyes, der Name soll sich auf den Baumbewuchs der Gegend beziehen und bedeutet Sauerkirsche (neu-ungarisch Meggy), woraus im Laufe der Zeit durch Lautverschiebung der heutige Name entstanden sein soll. In ersten urkundlichen Erwähnungen heißt es u.a. Mediesy (1267) oder Terra Meddies (1289). Später findet sich auch die deutsche Bezeichnung Medwisch (1670, Siebenbürgischer Würg-Engel).

Mediasch entstand zunächst als Siedlung auf Adelsboden, d. h. die ersten deutschen Siedler waren dem ungarischen Adel hörig und genossen nicht dieselben Freiheits-Privilegien wie die Siedler auf dem so genannten Königsboden. Innerhalb weniger Generationen erkämpften die Mediascher jedoch diese Privilegien und erreichten sogar den Status eines „Stuhls“, also einer eigenen Gerichtsbarkeit und weitestgehender Selbstverwaltung.

In der Mediascher Stadtgeschichte spiegelt sich die wechselhafte Geschichte Siebenbürgens wider. Immer wieder zogen verschiedenste Heere durch das Land, es gab osmanische Einfälle, österreichische und ungarische Gegenangriffe und oft genug lokale Fürsten und Gegenfürsten, die blutig um die Vorherrschaft stritten. Mediasch wurde dabei mehrfach belagert und geplündert, wobei das Jahr 1605 als „Schreckensjahr“ in die Geschichte einging. Ebenso wurde Mediasch von der zweiten Geißel des Mittelalters, der Pest, mehrfach heimgesucht. Die Mediascher Bürgerschaft schaffte es jedoch immer wieder, das Leben in der Stadt zum Blühen zu bringen. Vielleicht trugen gerade die oft ungünstigen äußeren Bedingungen dazu bei, den inneren Zusammenhalt zu stärken. Dies bezog sich jedoch beinahe ausschließlich auf die deutsche Bevölkerung, Ungarn oder gar Rumänen waren nahezu vollständig ausgeschlossen.

Die Dominanz der deutschstämmigen Siebenbürger Sachsen dauerte bis ins 19. Jahrhundert an. In Mediasch wurde der wachsende Einfluss der ungarischen Staatsmacht und ihr Bestreben der „Magyarisierung“ Siebenbürgens besonders offensichtlich. Im Jahr 1849 wurde die Stadt von Militär besetzt und der Mediascher Stephan Ludwig Roth, prominentes Sprachrohr der Siebenbürger, Pfarrer, Lehrer und Schriftsteller, standrechtlich erschossen. Darüber hinaus wurden hunderte anderer Menschen, die meisten davon Rumänen, erschossen. Dennoch gelang es der deutschen Bevölkerung dank traditionell guter Kontakte nach Deutschland und Österreich während der Zeit der Industrialisierung ihre Vormachtstellung in Mediasch ökonomisch auszubauen.

Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Anschluss Siebenbürgens an Rumänien schwand auch in Mediasch zunehmend der Einfluss der deutschen Bevölkerung. Obwohl sie nach wie vor den Großteil der Bevölkerung stellten, fühlten sich die Deutschen vor allem wegen entsprechender Gesetze der Zentralregierung zunehmend ins Abseits gedrängt. So fand die NS-Propaganda auch in Mediasch ihre Anhänger: Viele Bewohner der Stadt zogen begeistert auf deutscher Seite in den Zweiten Weltkrieg. Hingegen wurden hier keine organisierten Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung und ihre Einrichtungen durchgeführt. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Mediasch überwiegend eine deutsche Bevölkerung (Siebenbürger Sachsen). Mediasch hatte im Jahr 1930 15.505 Einwohner, 1996 62.750 Einwohner, davon 50.200 Rumänen, 8.900 Ungarn, 2.500 Roma, 1.150 Deutsche)

Politik

Das Mediascher Bürgermeisteramt

Bürgermeister der Stadt ist seit 2004 Daniel Thellmann, damals gewählt als Mitglied des DFDR (Demokratisches Forum der Deutschen in Rumänien). Das DFDR leitete die Stadtpolitik in der Wahlperiode 2004–2008 in einer Koalition mit der PD, seit 2007 umbenannt in PD-L. Am 18. April 2008 wechselte der amtierende Bürgermeister zur PD-L, was zu politischen Auseinandersetzungen führte.[1] Infolgedessen kündigte Klaus Johannis, der Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien, den Abbruch jeglicher Zusammenarbeit zwischen dem DFDR und der PD-L.[2] Thellmann musste seine Ämter im Demokratischen Forum der Deutschen niederlegen.

Politik
Mandate im Lokalrat (Wahlen 2008): PD-L (12), PSD (5),
PNL (2), UDMR (2)

Städtepartnerschaften

Sehenswürdigkeiten

Die Synagoge von Mediasch
  • Margarethenkirche mit dem charakteristischen schiefen Turm
  • Gewerkschafts-Kulturhaus (Veranstaltungszentrum)
  • Hermann-Oberth-Gedenkhaus
  • Historische Altstadt
  • Schuller-Haus (Bildungseinrichtung)
  • Stephan-Ludwig-Roth-Gedenkhaus
  • Synagoge nahe dem Bahnhof

Media

Es gibt zwei Radiosender in Mediasch (Radio Mediaş und Radio Ring), ein Fernsehsender (Nova Tv) und drei Wochenblätter (Monitorul de Mediaş, Jurnal de Weekend und Medieşeanul).

Sport

Die erfolgreichsten Sportvereine in Mediasch sind die Basketballmannschaft und der Fußballklub von Gaz Metan.

Verkehr

Vor dem Bahnhof in Mediasch

Mediasch liegt an einer der bedeutendsten internationalen Eisenbahnstrecken Rumäniens (Bukarest–Budapest–Wien), eine der ersten von der rumänischen Staatsbahn (CFR) elektrifizierten Strecken. Außerdem ist Hermannstadt (Sibiu) über eine Lokalbahnlinie - via Kleinkopisch (Copşa Mică) – erreichbar. Das Stadtzentrum ist vom Bahnhof aus in ca. 10 Minuten zu Fuß erreichbar.

Die Stadt liegt am Straßenkreuzungspunkt der DN (Nationalstraße) 14, DN 14 A, DN 14 B sowie der DJ (Kreisstraße) 141. Über diese Straßen sind die Städte Hermannstadt (Sibiu), Blasendorf (Blaj), Sankt Martin (Târnăveni), Schäßburg (Sighişoara) und Agnetheln (Agnita) erreichbar.

Das öffentliche Verkehrsnetz besteht aus drei Oberleitungsbus- und einigen Autobuslinien.

Persönlichkeiten

  • Rudolf Brandsch (1880–1953), Politiker
  • Hubert Caspari (1926–2004), Architekt
  • Doris Eisenburger (*1966), Kinderbuchillustratorin
  • Theodor Fabini (1827–1849), Reformer und Volksheld
  • Otto Folberth (1896–1991), Rektor, Heimatforscher, Schriftsteller
  • Samuel Karres (1874–1954), Industrieller
  • Ştefan Moldovan (1813–1900), rumänischer 1848er-Revolutionär
  • Waldemar Mühlbächer (* 1937), Fußballspieler
  • Hermann Oberth (1894–1989), „Vater der Raumfahrt“, Wissenschaftler
  • George Popa (1912–1973), Schriftsteller und Historiker
  • Stephan Ludwig Roth (1796–1849), Schulreformer und 1848er-Revolutionär
  • Christian Schesäus (1535–1585), siebenbürgischer Humanist
  • Wilfried „Willi“ Schneider (* 1963), Skeletonpilot und aktueller Skeletontrainer
  • Schuster Dutz (1885–1968), Mundartdichter
  • Michael Weiß (1569–1612), Politiker

Wein

Wappen des Heimatvereines Mediasch

Nicht nur im Stadtwappen der Stadt sind Weintrauben zu sehen, sondern auch im Wappen des Heimatvereins, das zusätzlich auch Weinblätter zeigt.

Der Wein aus Mediasch wird in Bram Stokers Romans Dracula an prominenter Stelle erwähnt: "The wine was Golden Mediasch, which produces a queer sting on the tongue, which is, however, not disagreeable" (Tagebucheintrag von Jonathan Harker, 5. Mai, zum ersten Mal auf dem Weg zum Schloss des Grafen).

Weblinks

Fußnoten

  1. http://www.siebenbuerger.de/zeitung/artikel/rumaenien/7782-thellmann-wechselt-zu-rumaenischer.html
  2. http://www.ziua.ro/news.php?data=2008-04-19&id=5865

Siehe auch


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