Megiddo


Megiddo
Megiddo in Hieroglyphen
D36
k
U33 M17 N25

Meketi
Mktj
Megiddo
Megiddo localisation.png
Megiddo, im nördlichen Israel

Megiddo (hebräisch ‏מגידו‎), auch Tell el-Mutesellim (arabisch ‏تل المتسلم‎, DMG Tall al-Mutasallim; altägyptisch Meketi; assyrisch magidū) war in der Antike eine Stadt in der Jesreelebene im nördlichen Palästina bzw. in Israel. Sie befand sich an der Kreuzung der alten Handelsstraße Via Maris von Ägypten nach Syrien und der Route Akko-Sichem-Jerusalem, am Ausgang des Engpasses über das Karmel-Gebirge.[1]

Durch wiederholte Bebauung entwickelte sich ein Tell. Zur Unterscheidung zum nahe gelegenen Kibbuz Megiddo wird die archäologische Stätte häufig auch als Tel Megiddo bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Bedeutung

Megiddo wird als wichtigste archäologische Stätte der biblischen Periode in Israel und als eine der bedeutendsten Forschungsstätten des Nahen Ostens angesehen. Seit Juli 2005 ist Megiddo gemeinsam mit Hazor und Be'er Scheva UNESCO-Weltkulturerbe.

Die militärische Bedeutung des Ortes und seine Rolle als militärisches Schlachtfeld spiegeln sich in der Apokalypse des Johannes im Neuen Testament. Armageddon, abgeleitet von „Har Megiddo“ (der Berg von Megiddo), erscheint dort als der Ort der biblischen Endschlacht zwischen Gut und Böse (Off. 16,16).

Quellen

Megiddo wird in der Bibel (z.B. 1. Chr 7,29: im Stammesgebiet Manasse) und in den Amarna-Texten erwähnt (EA 242-247, 365), ein Brief (EA 248) stammt vielleicht aus Megiddo. In ägyptischen Quellen wird Megiddo zuerst unter Thutmosis III. in Zusammenhang mit seinem 1. Feldzug genannt. In einem Papyrus aus der Zeit von Amenophis II. wird ein Botschafter aus Megiddo an erster Stelle von Botschaftern aus dem Norden von Kanaan und Askalon erwähnt. Ein Keilschrifttext aus dem benachbarten Taanach nennt Megiddo als ägyptisches Verwaltungszentrum. Zusätzlich findet sich der Ort in vielen Ortsnamenlisten des Neuen Reiches. Der angeblich in der Bibel (2 Kön 23,29ff. EU) erwähnte Sieg von Necho II. über Josia bei Megiddo wird hingegen in keinem historischen Dokument belegt.[1]

Während der Amarnazeit war Biridiya Regent in Megiddo.

Geschichte

Im Jahr 1457 v. Chr. besiegte Thutmosis III. in der Schlacht bei Megiddo die kanaanitischen Fürsten. 1918 fand hier die so genannte Palästinaschlacht zwischen Briten und Osmanen statt, in der General Allenby den Türken eine schwere Niederlage beibrachte.

Die Judenchristen des 1. Jahrhunderts kannten die Geschichte, dass der Richter Barak hier den Kanaaniterkönig Jabin besiegte. Laut biblischer Darstellung hatte hier Gott dafür gesorgt, dass die Kanaaniter geschlagen wurden. Richter Gideon schlug die Midianiter in die Flucht, die Könige Ahasja und Joschija wurden hier getötet.

Archäologie

Ausgrabungen in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts haben zwanzig verschiedene Siedlungsschichten zu Tage gebracht, die vom präkeramischen Neolithikum bis zur Perserzeit reichen.[1]

Mit Beginn der Frühbronzezeit I (3300–3000 v. Chr.) ist in Megiddo ein starker altägyptisch-kultureller Einfluss erkennbar. Ägyptische Hieroglyphen waren bekannt und wurden imitiert. Ende der Frühbronzezeit I verließen die Bewohner Megiddo. Auffällig ist der Befund, dass sich in den Nachbarregionen eine ähnliche „Entwicklung des Aufbruchs“ vollzog. Erst in der Frühbronzezeit II (3000–2700 v. Chr.) folgte ein bescheidener Neuauaufbau Megiddos. Die Stadtfläche reduzierte sich auf weniger als 10 % der einstigen Ausdehnung; die Bevölkerungszahl auf etwa 20 %. Zeitgleich entstanden im Süden des heutigen Israels neue altägyptische Handelskolonien, was mit zahlreichen Neugründungen kleinerer Ortschaften verbunden war. Nach der altägyptischen Reichseinigung unter Menes wurden die Handelskolonien aufgegeben, da die nachfolgenden Könige Ägyptens andere Handelswege mit der Levante erschlossen.

Die Aramäer eroberten und zerstörten Megiddo etwa um 900 v. Chr. Die Stadt wurde danach völlig neu angelegt: das schachbrettartige Straßennetz beherbergte eine Siedlung, die zu vier Fünfteln aus Wohnhäusern bestand. Von einem im Norden gebauten Verwaltungsgebäude aus beherrschte der Assyrerkönig Tiglat-Pileser III. seine frisch eroberte neue Provinz Samaria. Danach schwand Megiddos Bedeutung rapide, bis die Stadt schließlich aufgegeben wurde.

Literatur

  • Paul G. Bahn: Lost Cities. Weidenfels & Nicholson, London 1997/98, Phoenix Illustrated, London 1999. ISBN 0753807963
  • William Foxwell Albright: Archäologie in Palästina. Einsiedeln 1962.
  • Volkmar Fritz: Die Stadt im alten Israel. C.H.Beck, München 1990. ISBN 3-406-34578-6
  • Volkmar Fritz: Einführung in die biblische Archäologie. Darmstadt 1985, 1993. ISBN 3-534-09065-9
  • Kathleen Kenyon: Archäologie im Heiligen Land. Neukirchen-Vluyn 1967.
  • Miriam Feinberg Vamosh: Megiddo. Armageddon, Jerusalem 1997.
  • Helga Weippert: Palästina in vorhellenistischer Zeit. Handbuch der Archäologie. Vorderasien II, Band I. C.H.Beck, München 1988. ISBN 3-406-32198-4
  • Gottlieb Schumacher: Tell El-Mutesellim Bd. 1 „Fundbericht“. Leipzig 1908.
  • Carl Watzinger: Tell El-Mutesellim Bd. 2 „Die Funde“. Leipzig 1929.

Weblinks

 Commons: Tel Megiddo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c Lexikon der Ägyptologie., Band IV, S. 1

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