Meier


Meier

Der Begriff Meier (Mehre, Meyer, Maier, Mäher, Mäger, Major, Meiur, Mayr, aus lat. maior) bezeichnet ursprünglich einen Amtsträger des adligen oder geistlichen Grundherrn zur Verwaltung des Grundbesitzes, ab dem späteren Mittelalter auch einen Pächter oder selbständigen Bauern.

Inhaltsverzeichnis

Bezeichnungen

Für den Meier gab es eine Vielzahl regional und zeitlich unterschiedlicher Bezeichnungen wie z. B. Amtmann (Ammann), Amtsschulze, Bauernvogt, Drost, Gutsvogt, Hofbauer, Hofschultheiß, Meiervogt, Schultheiß, Vogt. Ist der Grundherr ein Kloster, spricht man auch von Klostermeier, Kellerer, Pfleger, Schaffner oder Stiftsamtmann.

Adelung[1] unterscheidet vier unterschiedliche Bezeichnungen und Funktionen für den Meier:

  1. Den "Major Domus oder Comes Palatii der Fränkischen Könige, der oberste Pfalzgraf", der "in den mittlern Zeiten sehr oft unter dem Nahmen des Meiers, Hausmeiers" vorkommt."Noch in dem Schwabenspiegel heißt der Churfürst von der Pfalz des heil. Reichs obrister Richter und Hausmeier. In den folgenden Zeiten wurde derjenige vornehme Hofbeamte, welcher jetzt unter dem gleichbedeutenden Nahmen des Hofmeisters bekannt ist, Meier und Hausmeier genannt."
  2. "In den Städten war der Meier, eine der vornehmsten obrigkeitlichen Personen, welche die hohe Gerichtbarkeit ausübete, und mit den Vögten und Schuldheißen beynahe einerley Amt und Würde hatte, zuweilen aber auch noch denselben verschieden war".;
  3. "Der Vorgesetzte der Landwirthschaft so wohl einer ganzen Gegend, als auch eines einzelnen Landgutes, wo es ehedem von mehrern Arten solcher Vorgesetzten gebraucht wurde, und zum Theil noch gebraucht wird. Besonders pflegt man einen Vorgesetzten eines Land- oder Feldgutes, auch wenn es nur ein Bauergut ist, welcher gegen einen jährlichen Lohn die Aufsicht über den Feldbau führet, und der oberste unter den Knechten ist, in vielen Gegenden einen Meier oder Hofmeyer zu nennen. An andern Orten heißt er Vogt, Feldvogt, Schirrmeister, in Böhmen Schaffner, im Pommern Statthalter, in Meißen aber Hofmeister. (...) "Die Vorgesetzte der Mägde eines Gutes, sie sey nun die Frau des Meiers oder nicht, wird alsdann die Meierinn, Hofmeierinn genannt."
  4. "In noch weiterer Bedeutung sind in vielen Gegenden, besonders Niedersachses und Westphalens, die Meier Besitzer unfreyer Bauergüter, gewisse Erbzinsleute, welche ihr Meiergut oder ihren Meierhof nicht eigenthümlich, sondern nur als einen alle neun Jahre zu erneuernden Erbpacht besitzen, und dem Gutsherren einen gewissen festgesetzten Meierzins entrichten."

Funktion des Meiers

Der Meier betrieb für den Grundherrn selbst einen Bauernhof, den Fronhof, beaufsichtigte die Hörigen (villici), die die dem Fronhof unterstellten Hufen (oder Huben) bewirtschafteten, zog von ihnen die Abgaben für den Grundherrn ein und übte in der Regel als Träger der grundherrlichen Gerichtsbarkeit auch das Hofrecht (Frondienst) aus.

Die Meier waren ursprünglich selbst Hörige; im Lauf des Mittelalters konnten sie oft zu Ministerialen aufsteigen und versuchten ihr Meieramt zu einem erblichen Lehen zu machen. Im Zuge dieser Entwicklung wurden die Naturalabgaben von den Grundherrn häufig in ein feste, jährliche Geldeinkunft umgewandelt, so dass der Meier oft vom Gutsverwalter zum Pächter wurde. Das Gut hieß dann Meierhof oder Meiergut (Kolonat). Aus dieser bäuerlichen Berufs- und Stellungsbezeichnung bildete sich der häufig anzutreffende Familienname Meier mit seinen orthografischen Varianten.

Meierrecht

Das Meierrecht ist seit 1290[2] belegt und bedeutet das örtlich spezifische Besitz- und Verwaltungsrecht der in Verwaltung gegebenen Höfe, das sich von einem Hypothekenverbot meist zu einem vererblichen und veräusserlichen Nutzungsrecht und dann infolge historischer Agrargesetzgebung ebenso wie das Erbpacht-, Erbzinsrecht usw. in Eigentum verwandelt hat.[3] Der Meier gehörte also dem freien Bauerntum an. Vergleiche hierzu auch das mittelalterliche Versepos Meier Helmbrecht.

Siehe auch

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Meier – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, 1811
  2. Eintrag Meierrecht. In: Deutsches Rechtswörterbuch, DRW Online, Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Meierrechtliche Bestimmungen gingen noch stark ins Reichserbhofgesetz ein.
  3. Eintrag Meier. In: Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Meier — may refer to: A historical kind of bailiff in parts of the Low Countries. Contents 1 People 2 Places 3 Other uses 4 See also …   Wikipedia

  • MEIER (R.) — MEIER RICHARD (1934 ) Parmi les «stylistes» du prestige moderne, l’architecte Richard Meier, né à Newark (New Jersey) en 1934, lauréat du prix Pritzker (1984), a conquis une place de premier plan. En 1963, il visite l’exposition consacrée par le… …   Encyclopédie Universelle

  • Meier — Sm per. Wortschatz arch. (11. Jh.), mhd. mei(g)er, ahd. meior, meiur, meiger, as. meier Oberaufseher, Bewirtschafter, Pächter eines Guts Entlehnung. Entlehnt aus l. māiōr(em). Dieses ist verkürzt aus māiōr domūs Vorsteher der Dienerschaft eines… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Meier [1] — Meier u. Zusammensetzungen, s. Maier …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Meier [2] — Meier, so v.w. Meierkraut …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Meier [3] — Meier, 1) Georg Friedrich, geb. 1718 zu Ammendorf im Saalkreise; wurde 1746 Professor der Philosophie in Halle u. st. das. 1777; er schr.: Anfangsgründe der schönen Wissenschaften, Halle 1748, 3 Thle., 2. Aufl. ebd. 1754; Betrachtungen über den… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Meier [1] — Meier und Meiergut, s. Maier …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Meier [2] — Meier, 1) Eduard, Philolog, geb. 1. Jan. 1796 in Glogau, gest. 5. Dez. 1855 in Halle, studierte 1813–16 in Breslau und Berlin, habilitierte sich 1819 in Halle und wurde 1820 außerordentlicher Professor in Greifswald, 1825 ordentlicher Professor… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Meier — Meier, Meierhof, s. Maier …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Meier [2] — Meier, Ernst von, Jurist, geb. 12. Okt. 1832 zu Braunschweig, 1868 Prof. in Halle, 1886 Kurator der Universität Marburg, 1888 94 der Universität Göttingen; schrieb: »Die Rechtsbildung in Staat und Kirche« (1861), »Hannov. Verfassungs u.… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Meier [3] — Meier, Herm. Henrich, Großkaufmann und Parlamentarier, geb. 16. Okt. 1809 in Bremen, gründete 1856 die Bremer Bank, 1857 den Norddeutschen Lloyd, Mitglied des Frankfurter Parlaments, des Norddeutschen, 1878 87 des Deutschen Reichstags… …   Kleines Konversations-Lexikon