Melchior Frank


Melchior Frank

Melchior Franck (* ca. 1580 in Zittau (Zorne?); † 1. Juni 1639 in Coburg) war ein evangelischer deutscher Komponist an der Stilwende von der Spätrenaissance zum Frühbarock.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Gedenkstein auf dem Coburger Schlossplatz

Über Melchior Francks Lebensumstände ist sehr wenig bekannt. Es sind kein Bild und kein Nachlass erhalten, und es ist nur eine einzige Handschrift überliefert.

Auch wenn man nichts über seine Ausbildung weiß (möglicherweise war er ein Schüler von Christoph Demantius), zeigen seine Werke doch eine gründliche Kenntnis des „niederländischen Stils“ der Lasso-Schule. Anders als einige seiner Zeitgenossen (etwa Heinrich Schütz) hatte Franck nicht die Möglichkeit einer Studienreise nach Italien. Den neueren italienischen Stil (seconda pratica) hat Melchior Franck wohl durch Hans Leo Haßler kennen gelernt.

1603 trat Melchior Franck die Stelle eines Hofkapellmeisters bei Herzog Johann Casimir in Coburg an, die er lebenslang innehatte.

Nach vielen Schicksalsschlägen, wie dem Tod seiner Kinder und seiner Frau, der Not des Dreißigjährigen Kriegs und dem Tod von Herzog Johann Casimir, starb Franck in Armut.

Werke

Melchior Franck steht an der Stilwende von der Spätrenaissance (beispielsweise repräsentiert durch Giovanni Pierluigi da Palestrina, Thomas Tallis und Orlando di Lasso) zum Frühbarock. Er gehört zum stilistischen Umfeld von Michael Praetorius, Melchior Vulpius und Leonhard Lechner. Claudio Monteverdi und Heinrich Schütz gehören zu seinen Zeitgenossen.

Franck schuf ein umfangreiches kompositorisches Werk, das größtenteils im Druck erschien und auf den musikalischen Bedarf eines barocken Fürstenhofes zugeschnitten war.

Francks Werk umfasst geistliche Musik in deutscher und lateinischer Sprache, vornehmlich zum Gebrauch im evangelischen Gottesdienst. Zahlreiche Motetten, Psalmvertonungen und andere Kirchenmusiken sind erhalten. Bekannt sind beispielsweise die vierstimmigen Gemmulae Evangeliorum (auch herausgegeben als Deutsche Evangeliensprüche für das Kirchenjahr) von 1623, einige Choräle sowie der Kanon Da Pacem Domine (ursprünglich ein Gästebucheintrag).

Franck komponierte ebenso weltliche Vokalmusik. Seine zahlreichen weltlichen Liederbücher haben hinsichtlich der Texte (Bergreihen, Reuterliedlein, Quodlibets, Liebes- und andere Volkslieder, Gesänge nach italienischen Mustern etc.) auch literarische Bedeutung.

Ferner schuf Franck Instrumentalmusik, beispielsweise Tanzsätze.

Das Volkslied „Ach Tannenbaum“, eine Ursprungsversion des Liebesliedes O Tannenbaum, das später zum populären Weihnachtslied O Tannenbaum umgedichtet wurde, wird ihm zugeschrieben.

Wirkung

Franck wurde von Zeitgenossen wie Johann Staden und Valentin Dretzel als „berümbter Meister“ geschätzt. Seine Instrumentalwerke waren für die Entwicklung der Orchester-Suite von Bedeutung.

Hundert Jahre nach seinem Tod war Franck vergessen. Sein Werk wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts und im 20. Jahrhundert wiederentdeckt. Nach wie vor sind große Teile seines Werks nur Spezialisten bekannt.

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