Mennonitische Brüdergemeinden


Mennonitische Brüdergemeinden

Die Mennonitischen Brüdergemeinden (englisch Mennonite Brethren) sind pietistisch beeinflusste Gemeinden und Gemeindeverbände innerhalb der mennonitischen Konfessionsfamilie.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die ersten Mennonitischen Brüdergemeinden entstanden nach 1860 als Reformbewegung unter den in der Ukraine und Russland siedelnden russlanddeutschen Mennoniten. Eine große Rolle spielte hierbei der aus Württemberg stammende Pietist Eduard Wüst. Auch die Herrnhuter haben die Entstehung der Mennonitischen Brüdergemeinden theologisch mit beeinflusst. Nach der Mennonitischen Auswanderung nach Nordamerika entstanden auch dort größere Gemeinden und Gemeindeverbände.

Verbreitung und Organisation

Inzwischen finden sich in etwa 20 Ländern Mennonitische Brüdergemeinden. Weltweit wird ihre Zahl auf etwa 300.000 geschätzt. Viele von ihnen sind im International Committee of Mennonite Brethren (ICOMB), das sich 1990 am Rande der Mennonitischen Weltkonferenz im kanadischen Winnipeg etablierte, vernetzt.

In Deutschland haben sich die Gemeinden unter anderem in der Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Brüdergemeinden in Deutschland (AMBD) und im Verband der mennonitischen Brüdergemeinden in Bayern (VMBB) zusammengeschlossen. Russlanddeutsch geprägte Gemeinden finden sich im Bund Taufgesinnter Gemeinden. In Österreich ist die Mennonitische Freikirche den Mennonitischen Brüdergemeinden zuzurechnen. Die genannten Gemeindeverbände sind auch Mitglied des ICOMB. Daneben gibt es vollkommen autonome Gemeinden.

Prinzipien

Mennonitischen Brüdergemeinden teilen mit anderen Mennoniten Glaubensprinzipien wie die Gläubigentaufe, die Ablehnung des Eides, die Gewaltfreiheit, die Autonomie der Gemeinde und das Priestertum aller Gläubigen. Entscheidend für den Glauben des einzelnen ist die Bibel und besonders die Bergpredigt. Mennonitische Brüdergemeinden betonen jedoch stärker die subjektive Seite des Glaubens und die Rolle von Laien. Eine große Rolle spielen private Andachten oder Hauskreise. Als Taufform praktizieren mennonitische Brüdergemeinden nahezu ausschließlich die Taufe durch Untertauchen (Immersion).

Verhältnis zu kirchlichen Mennoniten

Im Rahmen der Jubiläums-Feierlichkeiten zum 150 jährigen Bestehen der Mennoniten-Brüdergemeinden am 26. Mai 2010 gab es ein „Statement zur Aussöhnung“ gegenüber den kirchlichen Mennoniten[1]. Darin wird für “geistliche Überheblichkeit” um Vergebung gebeten und “Stolz und die Lieblosigkeit” bedauert, “die in unbrüderlichem Ablehnen von Geschwistern, in verletzender Verweigerung der Gemeinschaft und in verachtender Haltung anderen Mennonitengemeinden gegenüber zum Ausdruck kamen”. Gemeinsam wollen sie “offen sein für klärende Gespräche und mögliche Zusammenarbeit”. Das Statement wurde verlesen im Namen der AMBD, des BTG und der VMBB.[2]

Literatur

  • Diether Götz Lichdi: Die Mennoniten in Geschichte und Gegenwart. Von der Täuferbewegung zur weltweiten Freikirche, Großburgwedel 2004 (2. Auflage), ISBN 3-88744-402-7, S.147ff
  • Franz Rathmair: Geschichte der Mennoniten in Österreich von 1947 bis 1987, in: Jahrbuch für die Geschichte des Protestantismus in Österreich 119 (2003) 244-282.
  • Peter M. Friesen: Die Alt-Evangelische Mennonitische Brüderschaft in Russland (1789-1910) im Rahmen der mennonitischen Gesamtgeschichte. Halbstadt: Verlagsgesellschaft "Raduga", 1911.
  • Otto Wiebe: Mennoniten-Brüdergemeinde. Ein Beitrag zur Geschichte und zum Selbstverständnis einer Gemeinde.. Frankenthal: Hirtenstimme 2002.
  • Gerhard Wölk: Geschichte der Mennoniten-Brüdergemeinden in Deutschland. Frankenthal: Hirtenstimme 2010.
  • Abram H. Unruh: Die Geschichte der Mennoniten-Brüdergemeinde in Russland 1860-1945. 2. Auflage Steinhagen: Samenkorn 2010. ISBN 978-3-86203-004-0
  • John N. Klassen: Jesus Christus leben und verkündigen. 150 Jahre Mennoniten-Brüdergemeinden, Lage: Lichtzeichen 2010. ISBN 978-3-86954-014-6

Einzelnachweise

  1. Als kirchliche Mennoniten wurden zunächst jene etablierten Gemeinden beschrieben, die sich der Reformbewegung der Mennonitischen Brüdergemeinden nach 1860 nicht anschlossen. Der Ausdruck verwies darauf, dass die etablierten Gemeinden meist in Kirchengebäuden, die neu entstandenen Mennonitischen Brüdergemeinden dagegen meist in Privathäusern oder später in Versammlungshäusern zusammen kamen, siehe hierzu: Cornelius Krahn und Walter W. Sawatsky: Kirchliche Mennoniten In: Global Anabaptist Mennonite Encyclopedia Online (englisch)
  2. Mennoniten-Brüdergemeinden bitten Mennoniten um Vergebung. Mennonews.de, abgerufen am 8. Juli 2010.

Weblinks


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