Menschen im Hotel (Film)


Menschen im Hotel (Film)
Filmdaten
Deutscher Titel Menschen im Hotel
Originaltitel Grand Hotel
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1932
Länge 113 Minuten
Stab
Regie Edmund Goulding
Drehbuch William Drake nach dem Roman und Stück Menschen im Hotel von Vicki Baum
Produktion Paul Bern für MGM
Kamera William H. Daniels
Schnitt Blanche Sewell
Besetzung

Menschen im Hotel (Originaltitel: Grand Hotel) ist der erste US-amerikanischer Spielfilm mit einer All-Star-Cast, der unter anderem Greta Garbo, Joan Crawford und John Barrymore umfasste. Regie führte Edmund Goulding. Der Film wurde am 12. April 1932 in den Verleih gebracht.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Die verwickelte Handlung schildert die verwobenen Schicksale mehrerer Menschen, die sich im Grand Hotel von Berlin aufhalten und deren Lebensläufe sich während 24 Stunden immer wieder treffen und überkreuzen. Unter den Blicken von Dr. Otternschlag, der seit einer Kriegsverletzung seinen ständigen Aufenthalt im Hotel genommen hat, beginnt der Film nach einer kurzen Vorstellung der meisten Protagonisten mit seiner Behauptung

Menschen kommen, Menschen gehen. Nie passiert etwas.

Kurz danach treffen die einzelnen Hauptpersonen ein. Grusinskaya war vor der Oktoberrevolution eine der berühmtesten Ballerinen in Russland. Jetzt ist sie über den Zenit ihrer Karriere hinaus und leidet unter nervöser Anspannung. Sie hat erneut eine Vorstellung abgebrochen, und jetzt droht ihr der Impresario mit Schadensersatzklagen. Gleichzeitig trifft Baron von Gaigern ein, ein abgehalfterter Lebemann, der sich mit Diebstählen über Wasser hält und dessen Spielschulden ihn in Konflikt mit seinen Gläubigern gebracht haben. Er sucht verzweifelt nach einer Möglichkeit, Geld zu beschaffen und verfällt auf die Idee, die berühmten Juwelen der Grusinskaya zu stehlen. Ebenfalls auf der Suche nach Geld ist Direktor Preysing, dessen windige Geschäfte die Firma seiner Frau nahezu ruiniert haben. Er ruft die ambitionierte Stenotypistin Flämmchen zu sich, um ihr einige Briefe zu diktieren und stellt rasch fest, dass die junge, attraktive Frau gegen eine gewisse Bezahlung auch andere Dienste anbietet.

Zu selben Zeit kommt der Angestellte Kringelein, der soeben erfahren hat, dass er unheilbar erkrankt ist, in das Hotel. Er will seine letzten Tage im Luxus genießen und lernt an der Hotelbar den Baron kennen. Während eines Kartenspiels betrügt der Baron Kringelein um seine Ersparnisse, doch lässt er sich von der Verzweiflung des Mannes rühren und gibt das Geld zurück. Kurz danach trifft der Baron auf Flämmchen, die sich sofort in den weltmännischen Herrn, der sie mit Respekt und Wohlwollen behandelt, verliebt. Von Gaigern stellt Flämmchen Kringelein vor und beide finden sich sympathisch.

Die Grusinskaya will derweil aus dem Leben scheiden, da sie den Anforderungen der Welt nicht mehr zu genügen scheint. Gekleidet in ihr geliebtes Ballettkostüm ist sie bereit, Schlaftabletten zu nehmen, als in dem Moment der Baron von Gaigern über das Fenstersims in ihr Zimmer eindringt und ihr im Laufe einer Konversation das Leben rettet und ihr neuen Lebensmut gibt. Beide verlieben sich und wollen gemeinsam am nächsten Tag an die Riviera fahren. Von Gaigern versucht nunmehr, durch einen Einbruch bei Preysing das dringend benötigte Geld zu bekommen. Preysing ertappt den Einbrecher und während eines Kampfes erschlägt Preysing den Baron.

Am nächsten Morgen reist die Grusinskaya, deren Umfeld ihr den Mord am Baron verschweigt, voll Optimismus nach Südfrankreich. Flämmchen und Kringelein fahren gemeinsam nach Paris, wo es dem Vernehmen nach eine neue Behandlungsmethode für Kringeleins Leiden geben soll.

Der Film endet wie er begonnen hat mit den Worten von Dr. Otternschlag

Menschen kommen, Menschen gehen. Nie passiert etwas.

Hintergrund

Vicki Baums Roman Menschen im Hotel war seit seinem Erscheinen einige Jahr vorher zu einem internationalen Erfolg geworden. Eine Bühnenfassung wurde ebenfalls sehr erfolgreich und MGM kaufte die Filmrechte für knapp $ 35.000. Seit Mitte 1931 begannen die Planungen für die Verfilmung und Irving Thalberg beschloss, in Abkehr von den bislang üblichen Strategien, alle Rollen in dem Film mit namhaften Stars zu besetzen. War Greta Garbo von Anfang an gesetzt, so war der Rest der Besetzung eher volatil. Zunächst sollten John Gilbert und dann Clark Gable den Baron von Gaigern spielen. Für die Rolle des Kringelein war Buster Keaton im Gespräch. Joan Crawford war zunächst nicht begeistert, eine Nebenrolle in einem Greta-Garbo-Streifen zu spielen, doch am Ende ließ sie sich überzeugen und gab eine der besten Darstellungen ihrer Karriere als ambitionierte Frau, die den widrigen Umständen mit allen Mitteln entkommen will.

Der Film enthält einige der bekanntesten Szenen von Greta Garbo, die mehrfach einen der berühmtesten Filmsätze überhaupt sagt:

Ich will allein sein.

Ihre Darstellung einer verzweifelten, von Weltschmerz und Melancholie geplagten Künstlerin wurde damals als Epitom der Schauspielkunst gefeiert. Berühmt wurden die Szenen, in denen sie ihren Schmuck, ihre Ballettschuhe und andere Gegenstände zärtlich liebkost und über die Vergänglichkeit von Ruhm und Zeit philosophiert. Später hat sie mit John Barrymore einige Sequenzen, die ebenfalls oft zitiert werden, um das Geheimnis von Greta Garbos Schauspielkunst zu dokumentieren.

Die Autorin Rachel Gallagher schreibt in ihrem Roman The Girl Who Loved Garbo über die Szenen (zitiert in Barry Paris Garbo, S. 314):

Wer klammert sich an wen? Wer hat die Oberhand? Die beiden Personen, die sie und Barrymore darstellen, scheinen sich auf gleicher Ebene zu begegnen. Es ist ein Abbild wahrer Lieber, großer Leidenschaft und eine Sache, die weit über Ebenbürtigkeit hinausgeht: vollständige gegenseitige Hingabe.

Der Erfolg zog eine ganze Reihe von Folgeproduktionen nach sich, die möglichst viele Topstars in eine Handlung zu integrieren suchten. Bekannte Beispiele waren If I Had a Million, Night Flight und Dinner At Eight.

Kinoauswertung

Menschen im Hotel kostete mit $ 700.000 kaum mehr als eine etwas teurere Produktion von MGM. An der Kinokasse entwickelte sich der Film dank einer wahren Publicityschlacht zum größten Kinoerfolg des Jahres. In den USA spielte er $ 1.235.000 ein und brachte es außerhalb der USA auf weitere $ 1.359.000, was einem kumulierten Einspielergebnis von insgesamt $ 2.594.000 entsprach. Mit einem Profit von $ 947.000 trug Menschen im Hotel entscheidend dazu bei, dass MGM trotz der Weltwirtschaftskrise über $ 8 Mio. Gewinn erwirtschaftete.

Auszeichnungen

Der Film gewann den Oscar als Bester Film 1932. Im Jahr 2007 wurde der Film in das National Film Registry aufgenommen.

Kritik

Der Kritiker der New York Times befand:

Es ist eine Produktion, die den ganzen Medienrummel wert ist und die etlichen beteiligten Filmgrößen können stolz auf ihre Leistungen sein, besonders Greta Garbo und Lionel Barrymore. […] Garbo, selbstverständlich, spielt die Tänzerin Grusinskaya, auf der Bühne von Eugénie Leontovich dargestellt. Garbo, sicherlich zufrieden endlich von begabten Darstellern umgeben zu sein, versucht alles, um zu glänzen. Und sie überzeugt auf die beste Weise. Sie ist überwältigend in ihren frühen Szenen und charmant in den Liebesszenen mit Baron Gaigern, dargestellt von John Barrymore […] Und später, angetan mit einem Chinchillamantel, ist sie fröhlich und sorglos, da die temperamentvolle Tänzerin die Liebe entdeckt hat.
It is a production thoroughly worthy of all the talk it has created and the several motion-picture luminaries deserve to feel very proud of their performances, particularly Greta Garbo and Lionel Barrymore. […] Miss Garbo, of course, impersonates the dancer, Grusinskaya, played on the stage by Eugénie Leontovich. Miss Garbo, possibly appreciating that she was supported by a galaxy of efficient performers, decided that she would do her utmost to make her role shine. And she succeeds admirably. She is stunning in her early scenes and charming in the love scene with Baron Gaigern. […] And later, wearing a chinchilla coat, she is gay and lighthearted, for love has beckoned to the temperamental dancer.

Mit einigen Jahrzehnten Abstand meinte das Lexikon des internationalen Films:

Der Greta-Garbo-Film hat bis heute dank der großen schauspielerischen Leistungen kaum etwas von seiner packenden Wirkung verloren. Störend bemerkbar macht sich die oberflächliche Schicksalskonstruktion der Romanvorlage.

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