Messbarmachung


Messbarmachung

Die Operationalisierung (Messbarmachung) ist der Oberbegriff von Messung, Skalierung und Indexbildung. Sie beschreibt die Art und Weise, wie ein theoretisches Konstrukt (z. B. Patriotismus) gemessen werden soll, eine Anweisung.

Beispiel: Die Verarbeitungsgeschwindigkeit des menschlichen Gehirns kann mit Hilfe der Reaktionsgeschwindigkeit operationalisiert werden.

Neben der Messgröße, wie hier zum Beispiel der Reaktionsgeschwindigkeit, muss für die Operationalisierung aber auch noch die Erhebungsmethode, das Erhebungsinstrument und dabei insbesondere die Teile, mit denen die empirische Informationen gewonnen werden sollen, beschrieben werden. Schließlich ist noch das Verfahren zu erläutern, wie die Informationen für die eigentliche Analyse aufbereitet werden. Zur Operationalisierung eines theoretischen Konstrukts gehört auch die Frage, welches Messniveau die verwendeten Indikatoren haben sollen.

Die Operationalisierung hat in allen Wissenschaften eine große Bedeutung, da sie die Grundlage dafür ist, dass Experimente wiederholt werden können, denn nur dadurch, dass ein Experiment wiederholt wird und dabei die gleichen Ergebnisse erreicht werden, kann eine Hypothese zuverlässig geprüft werden.

Operationalisierung wird gelegentlich verwechselt mit dem Paradigma, ist aber davon abgrenzbar.

Eine Operationalisierung ist also das Messbar-machen einer Variablen.

Beispiel

Gemessen werden soll das theoretische Konstrukt „Verarbeitungsgeschwindigkeit des menschlichen Gehirns“. Die Operationalisierung könnte ein Experiment sein, in dem eine Versuchsperson vor ein Gerät gesetzt wird, das aus einer einzelnen Lampe und einem Druckschalter besteht. Lampe und Druckschalter sind an eine Computer-Stoppuhr angeschlossen, die gestartet wird, wenn die Lampe aufleuchtet und stoppt, wenn der Proband den Schalter drückt. Das ist die Beschreibung des Erhebungsinstruments.

Der Schalter ist dabei so konstruiert, dass er die Stoppuhr in dem Moment anhält, in dem der Finger des Probanden den Schalter berührt. Der Proband muss demnach keinen Widerstand überwinden, um den Schalter auszulösen (Beschreibung der Teile des Instruments, die zur Gewinnung der Information benutzt werden).

Der Proband erhält die Aufgabe, den Schalter zu drücken, sobald die Lampe aufleuchtet. Soweit die Beschreibung der Erhebungsmethode.

Im Computer können neben den Daten der Stoppuhr noch weitere soziodemographische Daten der Probanden erfasst und gespeichert werden (Aufbereitung der Informationen für die eigentliche Analyse).

Qualitätskriterien

Das Ergebnis einer empirischen Untersuchung kann wesentlich von der Wahl der Operationalisierung abhängen. Daher müssen Indikatoren bzw. Operationalisierungen in der Wissenschaft drei wesentliche Qualitätskriterien erfüllen:

Beispiel: Man wird zwischen dem Abstand der Ohren und der Intelligenz einen starken Zusammenhang finden, wenn man Intelligenz durch den Kopfumfang operationalisiert. Ein Kritiker könnte gegen dieses Ergebnis einwerfen, dass der Kopfumfang kein valides Maß für Intelligenz ist (es wird nicht das gemessen, was gemessen werden sollte). Hat der Versuchsleiter zudem ein Maßband aus dehnbarem Gummi verwendet, so wäre auch die Reliabilität zu bemängeln (zwei Messungen liefern unterschiedliche Ergebnisse). Wenn darüber hinaus nicht aufgezeichnet wurde, an welcher Stelle das Maßband um den Kopf der Person zu legen ist und ein anderer Forscher die Messung selbst daher gar nicht nachvollziehen kann, so ist auch keine Objektivität (intersubjektive Nachvollziehbarkeit) gegeben.

Validität setzt bei der Betrachtung Reliabilität voraus: Ist die Messung gar nicht erst zuverlässig, so kann sie schon gar nicht das messen, was gemessen werden soll. Ein Validitätskoeffizient kann nicht größer werden als die Wurzel aus dem Reliabilitätskoeffizienten.

Siehe auch


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