Michael Riessler


Michael Riessler

Michael Riessler (* 1957 in Ulm) ist ein deutscher Jazz-Klarinettist und Komponist.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Riessler studierte nach dem Abitur 1975 Klarinette an den Musikhochschulen in Köln und in Hannover (bei Hans Deinzer). 1978 gründete er in Paris das Ensemble Vivant in Paris. Nach Konzerten mit Siegfried Palm und Aloys Kontarsky unternahm er 1988 mit der Kölner Saxophon Mafia eine Tournee durch Westafrika. Von 1989 bis 1991 arbeitete er im Orchestre National de Jazz als Musiker und war Mitglied im Grubenklangorchester. Daneben begann er gemeinsam mit Peter Zwetkoff mit der Realisierung von Hörspielen. 1992 gründete er mit dem Drehleierspieler Valentin Clastrier und dem Tambourinspieler Carlo Rizzo ein Trio und mit diesen sowie zusätzlich Michel Godard, Gérard Siracusa und Jean-Louis Matinier die Gruppe Le Bûcher des Silences.

1986 wurde in Rennes das von ihm komponierte Stück L’Ecole des Bouffons des belgischen Dramatikers Michel de Ghelderode aufgeführt, und Riessler begann, bei den Darmstädter Ferienkursen für moderne Musik zu unterrichten. Seit 1988 ist er außerdem Gastdozent für Saxophon am Institut für zeitgenössische Musik in Darmstadt.

Das 1992 für die Donaueschinger Musiktage komponierte Album Héloïse wurde mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet; im gleichen Jahr erhielt er den SWF-Jazzpreis. In seinem Projekt Momentum Mobile trat 1993 der Drehorgelspieler Pierre Charial mit den Jazzmusikern Howard Levy, Renaud Garcia-Fons und Robby Ameen, einem Streichquartett und einem Bläserquintett auf. 1997 entstanden für die Biennale Berlin Literaturvertonungen unter dem Titel Honig und Asche. 1998 trat er mit dem Tänzer Nigel Charnock auf, und in Paris erschien sein Ballett Comedie. 1999 wurde Looseshoes bei der Münchener Biennale unter Mitwirkung des Autors Raymond Federman und der Musiker Markus Stockhausen, Simon Stockhausen und Michel Portal aufgeführt. Es folgten multimediale Projekte wie Email und Aponivi.

2000 erschien das Album Orange mit Pierre Charial, dem Akkordeonisten Jean-Louis Matinier und der Sängerin Élise Caron, im gleichen Jahr mit der Klarinettistin Sabine Meyer und dem Trio di Clarone Bach in 1 Hour. 2004 folgte Ahi Vita, ein Album mit Lamenti der Renaissance und des Frühbarock, aufgenommen mit dem Cellisten Vincent Courtois und dem Vokalensemble Singer Pur.

Daneben komponierte Riessler auch kontinuierlich für den Rundfunk. Neben Hörspielmusiken zu Herr der Ringe (1990). Der Zauberberg (2000), dem mit dem Hörkules ausgezeichneten Steppenwolf (2002) und Madame Bovary entstanden Hörstücke wie Ji-Viru (1995), Chansons (1997), Fever (1998), Zwei Tische (2000) und Berenice Tableau (2003).

Schließlich arbeitete Riessler als Interpret auch mit Komponisten und Musikern der klassischen Moderne wie Mauricio Kagel, Vinko Globokar, Steve Reich, Karlheinz Stockhausen, John Cage, Helmut Lachenmann, Dieter Schnebel oder Michael Sell zusammen.

Riessler gab Jazz-und Improvisationskurse in Orléans, Toronto, Montreal, Tokio und Chapel Hill (North Carolina); auch dozierte er auf den Darmstädter Ferienkursen. 2009 wurde er zum Professor für Jazz an der Hochschule für Musik und Theater München ernannt.

2010 wurde bei den Kunstfestspielen Herrenhausen seein Werk Trompe l'œil - Trompe l'oreille uraufgeführt.[1]

Auszeichnungen

Weblinks

Einzelnachweis

  1. FAZ vom 12. Oktober 2010, Seite41: Die Tonwelt ist nicht genug



Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Riessler — ist der Name von: Michael Riessler (* 1957), deutscher Jazz Klarinettist Paul Riessler (1865–1935), Orientalist, Theologe und Bibelübersetzer Diese Seite ist eine Begriffsklärung zur Unterscheidung mehrerer mit demselben Wort bezeichneter Begri …   Deutsch Wikipedia

  • Michael Sell (Musiker) — Michael Sell (* 20. August 1942 in Königstein im Taunus) ist ein deutscher Jazztrompeter und Komponist. Leben Michael Sell studierte zuerst Politikwissenschaft und Chemie. Gemeinsam mit dem Saxophonisten Dieter Scherf, dem Gitarristen Wolfgang… …   Deutsch Wikipedia

  • Discographie de Gérard Siracusa — Discographie complète de Gérard Siracusa, par catégories. Sommaire 1 Sous son nom 2 Jazz de création 3 Musique improvisée 4 Musique contemporaine …   Wikipédia en Français

  • Gérard Siracusa — Naissance 1957 Tunis …   Wikipédia en Français

  • Mike Svoboda — (* 1960 auf Guam) ist ein US amerikanischer, in der Schweiz lebender und wirkender Komponist und Posaunist. Inhaltsverzeichnis 1 Leben 2 Auszeichnungen 3 Werke (Auswahl) …   Deutsch Wikipedia

  • Renaud Garcia-Fons — (2006) Renaud Garcia Fons (* 24. Dezember 1962 in der Nähe von Paris, Frankreich) ist ein zeitgenössischer Kontrabassist im stilistischen Umfeld der Weltmusik und des Jazz. Inhaltsverzeichnis …   Deutsch Wikipedia

  • Valentin Clastrier — es un zanfonista francés nacido en 1947. Biografía De formación clásica e hijo de un barítono, Valentin Clastrier tocó la trompeta para Jacques Brel en la versión francófona del musical El hombre de La Mancha (1968 1969) y para Ricet Barrier.… …   Wikipedia Español

  • Valentin Clastrier — (* 1947 in Nizza) ist ein französischer improvisierender Musiker, er spielt elektro akustische Alto Drehleier und lebt in Ennordres im Département Cher. Inhaltsverzeichnis 1 Leben und Werk 2 Diskografie 3 Buch Publikationen …   Deutsch Wikipedia

  • Carlo Rizzo — (* 1955 in Mestre) ist ein italienischer Perkussionist, der sich besonders auf das Tamburello, eine süditalienische Form des Tamburin, spezialisiert hat. Rizzo studierte bis 1979 Malerei und Bildhauerei an der Accademia delle Belle Arti in Rom.… …   Deutsch Wikipedia

  • Liste deutscher Jazzmusiker — Die Liste von Jazzmusikern in Deutschland soll keineswegs zu einer Art Branchenverzeichnis werden, in die jede Musikerin bzw. jeder Musiker eingetragen wird, der einmal Jazz gespielt hat. Sie ist aber selbstverständlich offen für bekannte Musiker …   Deutsch Wikipedia


We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.