Model (Form)

Model (Form)
Sumerisches Rollsiegel und Abrollung als Relief
Springerle Model aus Schwaben, Hochzeitskutsche (Rokoko), Vorderseite

Das (auch: der) Model ist eine Hohlform für meist zähflüssige, sich verfestigende oder formbare Substanzen, in denen durch einen Guss oder ähnliches (Urformverfahren) Formen reproduziert werden. Bei Abgüssen bezeichnet man dasselbe als Matrize.

Das Wort ist ein frühes hochdeutsches Lehnwort, das aus dem lateinischen modulus stammt. Weitgehend durch das, aus dem it. modello entlehnten, gleichbedutenden Modell verdrängt. Bedeutung: Muster, Form. In seiner heutigen Verwendung entspricht es einem negativen Relief.

Inhaltsverzeichnis

Guss- und Formtechnik

Der Model bzw. die Matrize sind in Guss- und Formtechnik Negativformen für Knet- und Gusserzeugnisse, die in der gewerblichen und industriellen Produktion verwendet werden, um das zu bearbeitende Material rasch in eine - die durch den Model definierte - Form zu bringen.

Die Gegenstände, die mit dem Model geformt werden, können dabei aus Metall, Ton, Keramik oder Gips oder Kunststoffen, aber auch Wachs oder anderen formbaren Substanzen bestehen. Der Model selbst kann ebenfalls aus Metall, Ton, Keramik oder Gips bestehen; Holz ist für die industrielle Fertigung ungeeignet, bei der handwerklichen Produktion etwa in der Glasbläserei aber bislang unverzichtbar, wird aber auch durch hochhitzebeständige Keramiken ersetzt. Model und geformtes Werkstück sollten nicht aus demselben Material bestehen, da sich Positiv und Negativ möglicherweise bei der Erstarrung oder Aushärtung verbindet. Lässt sich Materialgleichheit nicht vermeiden, muss vor dem Gussvorgang eine trennende Zwischenschicht aufgebracht werden, die ein leichtes Ablösen des gemodelten Gegenstandes erlaubt.

Model werden auch bei der Fertigung von Stuckelementen zur Wand- und Deckenverzierung eingesetzt. Im Metall- und Kunststoffbereich gibt es für die Herstellung von Modeln speziell den Beruf des Formenbauers.

Kunstgeschichte und Archäologie

Model aus Terrakotta sind schon gegen Ende des 3. Jahrtausend v. Chr. in Mesopotamien durch Funde nachgewiesen. Sie wurden dazu benutzt, serienmäßig Reliefarbeiten hauptsächlich aus keramischen Werkstoffen zu Dekorationszwecken zu produzieren.

Ein Sonderfall des Models ist das Rollsiegel.

Nahrungsmittelerzeugung und Haushalt

In seiner landläufigen Bedeutung ist der Model eine figürlich geschnitzte Holzform v. a. im Bereich des Haushalts und der gehobenen Konditorei, die für kleinere Backwaren wie beispielsweise Springerle, gegossene Schokoladestücke wie Pralinen (siehe Chocolatier), Confiserie, Kaltspeisen oder für Butter (Buttermodel) Verwendung findet. Besonders im alpenländischen Bereich sind kunsthandwerklich wertvolle, oft reichverzierte traditionelle, regionaltypisch unterschiedlich gemusterte Model bekannt, die in der regionalen Küche noch Verwendung finden, meist aber nurmehr in Heimatmuseen zu bewundern sind.

Ein Model besteht meistens aus Holz, das möglichst hart und feingliedrig sein muss. Besonders häufig wird Birnbaum und Linde benutzt, da sich darin Motive fein abbilden lassen und sich nach dem Reinigen des Models mit Wasser keine Fasern aufstellen. Manchmal bestehen die Model auch aus Steingut; eine Signatur auf der Innenseite kann, vornehmlich bei besonders prächtigen Stücken, Hinweise auf den Hersteller geben. Heutige Backmodel werden gepresst und sind nur noch selten handgeschnitzt. Die maschinelle Herstellung ist an der gleichmäßigen Breite der mit einem Kugelfräser herausgearbeiteten Motive zu erkennen.

Quellen

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Model – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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