Modernisme Català

Modernisme Català

Der Modernisme Català ist ein Architekturstil, der sich von etwa 1885 bis 1920 in Katalonien, hauptsächlich in Barcelona, entwickelte. Diese Bewegung entsprang einem Überdruss an der neogotischen und neoromanischen Ästhetik des 19. Jahrhunderts und endete mit einer Hinwendung zum architektonischen Rationalismus in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts. Obwohl der Modernisme Teil einer Strömung ist, welche ganz Europa erfasste (siehe Jugendstil), erhielt diese Bewegung in Katalonien einen eigenen Charakter und entwickelte sich möglicherweise zur am weitesten fortgeschrittenen Form des Jugendstils.

Inhaltsverzeichnis

Modernisme im europäischen Kontext

Modernistische Gebäude am „Passeig de Gràcia“ in Barcelona

Gleichzeitig mit Katalonien entwickelte sich der Jugendstil auch in anderen Teilen von Europa und vereinzelt auch in Amerika. Die wesentlichen parallelen Entwicklungen waren Arts & Crafts in England, Jugendstil in Deutschland, Art Nouveau in Belgien (Victor Horta) und Frankreich (Guimard), Wiener Secession (Otto Wagner) in Österreich etc.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts zeigte sich in Europa verstärkt die Tendenz, mit den traditionellen Merkmalen der Architektur zu brechen und für das 20. Jahrhundert angemessene Bauformen zu suchen. Dieser Drang entstand aus der Industriellen Revolution und der Verbreitung ihrer Entwicklungen wie Dampfmaschine, Eisenbahn und Elektrizität. Dies änderte das Leben der Bevölkerung grundsätzlich und führte zu einem Wachstum der Städte, wo sich Industrien ansiedelten und bürgerliche Strukturen bildeten. Der Modernisme (und der Jugendstil im allgemeinen) ist daher ein urbaner und bürgerlicher Stil.

Traditionelle Materialien und Techniken in Katalonien

Dachkonstruktion mit „Katalanischem Bogen“ des Technikmuseums in Terrassa

Der Modernisme lehnte die unattraktive Industriearchitektur der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ab und entwickelte neue architektonische Konzepte auf Grundlage von „Natürlichkeit“ und „Bewegung“. Dies ist vor allem erkennbar an den Baumaterialien und Techniken nach katalanischer Tradition, an den Gebäudeformen und an der Gestaltung der Fassaden. Ein besonderes Merkmal ist der sogenannte „Katalanische Bogen“ bei Deckenkonstruktionen oder Freitreppen. Dabei werden die Ziegel an ihrer breiten Seite im Bogen mit schnell trocknendem Gips selbsttragend gemauert. Anschließend wird auf diesem ausreichend festen Bogen eine oder mehrere weitere Lagen mit Mörtel aufgetragen. Die Fassaden der Gebäude sind vielfach mit dekorativen Elementen wie Vögel, Schmetterlinge, Blätter und Blüten aus Stein oder Keramik geschmückt. Die Fenster- und Balkongitter sind oft aus Schmiedeeisen und weisen überwiegend von der Natur inspirierte Motive auf.

Bürgertum und Mäzenatentum

Die Entwicklung des Modernisme in Katalonien wurde durch das Bürgertum vorangetrieben, das sich als katalanisch, kultiviert und kunstkennerisch betrachtete. Es wollte die Kultur der Renaixença in eine moderne und nationale Kultur umwandeln und öffnete sich willig dem Modernisme, erlaubten doch alle seine Erscheinungsformen wie Architektur, Skulptur, Malerei, Mobiliar oder Schmuck die Einbeziehung der Kunst in das tägliche Leben. So entwickelte sich der Modernisme zum Symbol der wirtschaftlichen Macht und einer neuen Weltoffenheit des katalanischen Bürgertums.

Barcelona und der Modernisme

Ramon Casas: Ramon Casas und Pere Romeu auf einem Tandem (1897) im MNAC

Die Tatsache, dass gleichzeitig die einengenden Stadtmauern von Barcelona abgerissen und die Erweiterung (L’Eixample) in Angriff genommen wurde, führte dazu, dass es heute zahlreiche Zeugen dieses Baustils in der Stadt gibt. Barcelona ist eine der Städte mit den meisten Jugendstil-Gebäuden der Welt. Die Stadt wurde zu einem künstlerischen Zentrum. Maler und Literaten des Modernisme wie Ramon Casas oder Santiago Rusiñol trafen sich im Künstlerlokal Els Quatre Gats. Die Möglichkeit, mit Hilfe dieser Architektur die Sehnsucht nach Modernität zu befriedigen, die katalanische Identität auszudrücken und auf diskrete Art und Weise seinen Reichtum zu zeigen, erklärt das damals weit verbreitete Mäzenatentum des Großbürgertums, wie beispielsweise das zwischen Eusebi Güell und Antoni Gaudi.

Von Antoni Gaudi sind in Barcelona etliche berühmte Gebäude zu besichtigen. Dazu zählen unter anderen die Casa Milà (La Pedrera), der Palau Güell, der Parc Güell, die Casa Batlló, die Casa Vicens, die Casa Calvet und die noch unvollendete Kirche Sagrada Família, an der seit 1882 gebaut wird. Seit 1984 beziehungsweise 2005 gehören diese Bauwerke zum Weltkulturerbe der UNESCO. Seit 1997 gelten auch zwei Bauten von Lluís Domènech i Montaner, das Hospital de la Santa Creu i Sant Pau und der Palau de la Música Catalana, zum Welterbe in Barcelona.

Els Quatre Gats

Die Künstlerwelt des Modernisme schuf ihr Zentrum im Els Quatre Gats („Die Vier Kater“), einer Bar im Stil des Le Chat Noir in Paris. Die Bar im Erdgeschoss der Casa Martí des Architekten Josep Puig i Cadafalch wurde im Juni 1897 eröffnet und durch den Maler und Grafiker Ramon Casas finanziert. Die Bar war sechs Jahre lang geöffnet. 1978 wurde sie wiedereröffnet.

Die Geschäftspartner waren Pere Romeu, Santiago Rusiñol und Miquel Utrillo. In der Bar fanden Vorlesungen und Kunstausstellungen statt, einschließlich einer der ersten von Pablo Picasso. Das bekannteste Gemälde der Sammlung ist das Selbstbildnis von Casas mit Romeu auf einem Tandem. Ebenso wie Le Chat noir veröffentlichten auch die Künstler des Els Quatre Gats eine eigene Literaturzeitschrift, die allerdings nur ein kurzes Leben hatte.

Wichtige Vertreter des Modernisme

Der Park Güell von Antoni Gaudí, Barcelona

Unter den mehr als 100 Architekten, die Bauwerke des Modernisme erstellten, sind vor allem hervorzuheben:

Ab 1906 wurde der Modernisme durch die katalanische Form des Neoklassizismus oder Rationalismus, den Noucentisme abgelöst. Deren Vertreter warfen dem Modernisme vor, eine anarchische und dekadente Kunstform zu sein. Im Gegensatz zum „romantischen Chaos“ des Modernisme befürworteten sie die Ordnung, die Klarheit, die Harmonie, das Maß und die Rationalität in der Architektur.

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