Motocross


Motocross
Motocrossfahrer
Lauf zur Deutschen Quad MX-Meisterschaft in Radevormwald, September 2005

Bei Motocross handelt es sich um eine Sportart für Motorrad- und Quadfahrer. Gefahren wird auf geländetauglichen Maschinen mit langen Federwegen, progressiver Federkennlinie und grobstolligen Reifen. Ein solches Fahrzeug hat keine Straßenzulassung, da es für den Wettbewerb ausgelegt ist und keine Anbauteile wie Blinker, Licht, Ständer, Kennzeichenhalter usw. besitzt. Es gilt im Sinne der StVZO als Sportgerät und ist nur für den Wettbewerbsbetrieb bestimmt. Die Fahrer sind mit einer umfangreichen Schutzausrüstung ausgestattet. Sie tragen Helme, Stiefel, Handschuhe, Knie-, Rücken- und Brustprotektoren.

Es wird ausschließlich auf dafür vorgesehenen und immissionsschutzrechtlich genehmigten Strecken gefahren, die sich meistens abgelegen von Wohngebieten befinden. Motocross-Rennen werden in unterschiedlichsten Modi ausgeführt. Es ist generell zwischen In- und Outdoor-Rennen zu unterscheiden. Indoor-Rennen werden gewöhnlich als Supercross und Outdoor-Rennen als Motocross bezeichnet. Supercross wird meistens im Winter ausgetragen, weil in dieser Zeit die Motocross-Strecken kaum oder nicht mehr zu befahren sind. Somit ist es für die Fahrer möglich, beides zu betreiben, da sich die Veranstaltungen nicht überschneiden. Die wichtigsten Austragungsebenen sind die Weltmeisterschaft und die Meisterschaften der American Motorcyclist Association. Seit 2005 gibt es auch eine Motocross-Weltmeisterschaft für Frauen.

Die Bezeichnung „Motocross“ ist eine Kontraktion der beiden Wörter Motorcycle (Motorrad) und Cross Country (Geländefahrt).

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Anfänge (1900-1945)

Die ersten Motorradrennen wurden nach 1900 auf Straßen ausgetragen. In England wurden die ersten Geländefahrten veranstaltet. Dabei versuchten alle Fahrer einen Berg oder Hügel mit ihren Motorrädern zu erklimmen, wer am weitesten kam, hatte gewonnen. Das sogenannte "Hillclimb" war nur bei einer kleinen Gruppe von Fahrern populär, was daran lag, dass bei Straßenrennen höhere Geschwindigkeiten erreicht wurden und damit für Zuschauer zu jener Zeit attraktiver war. Um das Geländefahren populärer zu machen, wurde im Frühling 1908 auf einem Militärgelände das erste Geländerennen veranstaltet. Es wurde in Form einer Fuchsjagd ausgetragen. 13 Motorradfahrer und 16 Reiter bildeten je eine Gruppe die im Gelände gegeneinander antraten. Die Reiter gewannen, da nur zwei Motorradfahrer ins Ziel kamen. Es folgten noch mehrere solcher Rennen, die trotz höherer Geschwindigkeit nur wenige Zuschauer anlockte. 1919 wurde die erste internationale Sechstagesausfahrt ausgetragen. Das Rennen war im freien Gelände und ähnelte einer sechstägigen Rallye mit Motorrädern. Diese Ausfahrt wurde bis zu Beginn des Zweiten Weltkrieges jedes Jahr wiederholt. Die Entwicklung der Motorräder für den Geländeeinsatz wurde jedoch verstärkt, da man für den Kriegseinsatz solche Motorräder mit starkem Rahmen, großen Motoren und vergrößerten Tank benötigte.

Motocross of Nations und Europameisterschaft (1947-1955)

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden die ersten Clubs und ähnlich wie beim Straßenrennen wurde beschlossen, eine Rundstrecke von 1,5 bis 3 km in mit mehreren Runden zu fahren. Außerdem starteten nun Teams aus verschiedenen Ländern zum sogenannten „Motocross of Nations“, das erstmals 1947 ausgefahren wurde. Jedes Land hatte ein Team aus drei bis zwölf Fahrern. Gewinner war das Land mit den besten Ergebnisse aller Fahrer deines Teams. Für das Motocross of Nations wurden in den darauf folgenden Jahren auch die ersten Veränderungen an den Motorrädern vorgenommen. Hauptsächlich wurden die Serienmotoren höher verdichtet. Dies geschah durch verkleinern des Brennraumes im Zylinderkopf. Auch andere Änderungen wie mehr Bodenfreiheit und das Höhersetzen der Schutzbleche waren zu sehen. Anfang der 1950er Jahre wurden Motocross-Rennen vor allem in England und Belgien gefahren. Als erste einheitliche Meisterschaft für Motocross wurde 1955 die erste Motocross-Europameisterschaft ausgetragen.

Diese und die meisten anderen Motocrossrennen der 1950er Jahre wurden in der 500-cm³-Hubraumklasse ausgetragen, es gab aber auch schon 250 cm³ und sehr selten sogar 1000 cm³. Die Europameisterschaft galt, neben dem Motocross of Nations, als wichtigste Meisterschaft dieser Zeit. Die erste Saison hatte schon sechs verschiedene Austragungsländer. Das erste der Saison war der Große Preis der Schweiz, darauf folgten Frankreich, Italien, England und Schweden. Das letzte Rennen wurde in den Niederlanden ausgetragen. Am 4. September 1955 wurde John Draper auf einem Motorrad der Marke Birmingham Small Arms Company (BSA) erster Europameister im Motocross.

Motocross Weltmeisterschaft (1957)

1957 wurde zum ersten mal eine Motocross-Weltmeisterschaft veranstaltet. Es durften Maschinen bis 500cm³ um den Titel fahren. Es gab auch eine 250-cm³-Klasse, die aber nicht annähernd die Popularität der 500-cm³-Klasse hatte. Die 500-cm³-Weltmeisterschaft bestand aus neun Rennen :

  1. Großer Preis der Schweiz am 5. Mai 1957
  2. Großer Preis von Frankreich am 19. Mai 1957
  3. Großer Preis von Schweden am 2. Juni 1957
  4. Großer Preis von Italien am 9. Juni 1957
  5. Großer Preis von Großbritannien am 7. Juli 1957
  6. Großer Preis von Holland am 28. Juli 1957
  7. Großer Preis von Belgien am 4. August 1957
  8. Großer Preis von Luxemburg am 11. August 1957
  9. Großer Preis von Dänemark am 25. August 1957

Nach den ersten beiden Rennen wurden genauere Vorschriften für die einzelnen Rennen vereinbart, da die Länge und Beschaffenheit der Rennstrecken zu unterschiedlich war. Die Fédération Internationale de Motocyclisme (FIM) legte fest, dass die Strecken der Europa- und Weltmeisterschaft, sowie dem Motocross of Nations eine Gesamtlänge von 20 km (alle Runden) haben müssen und die Strecken nur so schwierig sein dürfen, dass alle Fahrer sie in 1 Stunde und 40 Minuten absolvieren können. Die Qualifikationsläufe fanden immer am Vortag des Rennens statt. Hier sind die Fahrer 2x 30 Minuten auf der Strecke und nur die schnellste Runde jedes Fahrers wird gewertet. Am Renntag konnte sich nun der schnellste Fahrer als erstes seinen Platz am Start suchen, nach ihm dann der zweite und so weiter. Das Rennen selbst bestand aus zwei Läufen, die je 35 Minuten plus 2 Runden dauerten. Im ersten und zweiten Lauf bekam jeweils der Sieger 25 Punkte, der Zweite 20, Dritte 18, Vierte 16, und so weiter. Ende 1957 stand mit Bill Nilsson aus Schweden auf einer A.J.S. der erste Motocross Weltmeister fest. Der Endstand der WM lautete:

  1. Bill Nilsson, Schweden
  2. René Baeten, Belgien
  3. Sten Lundin, Schweden

Bis zur Weltmeisterschaft 1957 wurden meist noch mit serienmäßigen Rahmen, Hinterradschwingen und anderen Kleinteile gefahren. Da es in der Weltmeisterschaft 57 viele Ausfälle wegen technischer Defekte gab, lag das Hauptaugenmerk nicht mehr auf der Leistungssteigerung, sondern auf der Zuverlässigkeit der Motorräder.

Viertakter (1958 bis 1960)

1958 wurden bei sämtlichen neuen Motocross Motorrädern die Serienrahmen durch robustere Spezialrahmen ersetzt. Außerdem wurden die Hinterradschwingen weiter verstärkt und bessere Kugellager in die Rahmen eingebaut. Bei den damals üblichen Teleskopgabeln wurden die Federwege verlängert und die Gabelbrücken (die Verbindung zwischen Gabel und Rahmen) verstärkt. Eine weitere Neuerung war die Kettenführung, mit festen mechanischen Spannern. Diese Kettenführung erwies sich als einfacher und zuverlässiger als die früher benutzten gefederten Spanner, bei denen beim Bremsen Störungen auftraten. Die stabileren neuen Motorräder waren auch schwerer und so wogen die Motocross Motorräder 1960 durchschnittlich über 150 kg.

Zweitakt-Motor (1960 bis 1969)

1960 fuhr die DDR zum ersten Mal die Europameisterschaft und war gleichzeitig Gastgeber eines EM Laufes im Ort Merkers (12. Juni 1960). Europameister wurde in diesem Jahr die Tschechoslowakei. Die Motorräder aus dem Osten hatten zwar nicht die höchste Leistung, doch sie waren die leichtesten der damaligen Zeit. Das lag daran, dass CZ (Česká zbrojovka, eine Motorradmarke aus der damaligen CSSR) die ersten Zweitakt Motocross Motorräder gebaut hatte. Die Zweitakt Motoren waren um ein Vielfaches leichter, da es keine Ventile und andere Kleinteile gibt, die das Gewicht erhöhen. In den Folgejahren stiegen immer mehr Hersteller auf Zweitakter um. Zuerst nur in der 250-cm³-Klasse, da das Gewicht in dieser Klasse eine noch wichtigere Rolle spielt.

Ab 1965 dominierten die Zweitakter auch in der 500-cm³-Klasse. Durch diese Entwicklung wurden die Rennen der 250-cm³-Klasse spannender, da der neue Zweitakter fast das Doppelte an Leistung hatte. In den Jahren von 1966 bis 1970 ging die Entwicklung schnell voran, man brauchte bald auch eine leistungsstärkere Bremsanlage. Bis in die 1960er Jahre wurden noch Trommelbremsen gefahren, die für die Viertakter ausreichten, aber die neuen Zweitakter brauchten eine bessere Bremsleistung, denn ein Zweitakter hat im Gegensatz zum Viertakter keine Motorbremswirkung. Der tschechische Motorradhersteller Jawa verwendete als erstes Scheibenbremsen im Motocross-Sport. Dieser Vorteil in der Bremsleistung zeigte sich in der Saison 1969, in der die Jawa überragend gewann.

Japanische Hersteller (1970 bis 1972)

Anfang der 1970er Jahre gingen viele WM und EM Fahrer aufgrund höherer Preisgelder in die USA, um dort in der neu gegründeten AMA (der Amerikanischen Meisterschaft) zu fahren. So entwickelte sich die AMA zur eigentlichen Motocross-Meisterschaft. Trotz des Ausstiegs vieler guter Fahrer blieb die WM auf einem hohen Niveau. In der Saison 1970 stieg auch der erste japanische Motorradhersteller in die WM ein. Suzuki war im Straßenrennsport schon erfolgreich gewesen und wollte nun ins Motocross-Geschehen einsteigen. Suzuki hatte bereits Erfahrungen mit Zweitaktern und konnte viele Entwicklungen aus dem Straßenrennsport in ihr erstes Motocross-Motorrad einbringen. Die europäischen Hersteller wie z.B. Maico, Jawa und CZ konzentrierten sich hauptsächlich auf die großen 500-cm³-Maschinen. Aus diesem Grund konnte Suzuki in der 250-cm³-Klasse Fuß fassen. Gleich die erste Saison 1970 gewann Suzuki mit dem belgischen Fahrer Sylvain Geboers.

  1. Gebboers, Suzuki, 85 Punkte
  2. Robert Halm, CZ, 60 Punkte
  3. Robert, Suzuki, 57 Punkte

1971 fuhr Suzuki auch in der 500-cm³-Klasse und Yamaha stieg ebenfalls in beide Klassen ein, die Suzuki gewann. 1972 wurden die bis 250cm³ in MX 2 und die bis 500 cm³ in MX 1 umbenannt. Außerdem wurde noch eine dritte Klasse bis 125 cm³ eingeführt, die MX-3-Klasse.

Supercross USA (1972 und 1973)

Da die American Motorcyclist Association (AMA) immer mehr Zuschauer anlockte, wurde im Sommer 1972 beschlossen, im Winter auch Rennen in den USA zu fahren. Diese Rennen sollten eine eigene Meisterschaft bilden, die in Football oder Baseball Stadien gefahren stattfinden sollten. Außerdem waren die Sprünge durch den Platzmangel sehr kurz aufeinander folgend, was sehr anstrengend für die Fahrer und attraktiv für die Zuschauer ist. Aus diesem Grund wurde die Renndistanz um die Hälfte verkürzt. Im Winter 1972/1973 wurde die erste Supercross-Meisterschaft ausgefahren, mit etwa 10.000 Zuschauer pro Lauf. In den darauf folgenden Wintern stiegen immer mehr europäische Fahrer in die Meisterschaft ein. Das lag vor allem daran, dass die Meisterschaft im Winter stattfand, so konnten die Fahrer Supercross und WM fahren.

Motocross of Nations in Deutschland (1978)

In den Jahren von 1973 bis 1975 stiegen der damals noch jungen Hersteller KTM Motor-Fahrzeugbau (KTM) und die etablierten japanischen Marken Honda und Kawasaki in die WM ein. Aus diesem Grund gingen viele europäische Hersteller in die USA oder verlegten einen Teil der Produktion nach Nordamerika. Die japanischen Hersteller dominierten die WM und EM. 1978 war zum ersten Mal das Motocross of Nations auf der Deutschen WM-Strecke in Gaildorf in der Nähe von Stuttgart. Das Motocross of Nations hatte sich in den Vorjahren zum größten Motocross-Einzelevent entwickelt. In den darauf folgenden Jahren verdoppelte sich die Zuschauerzahl am Deutschland GP in Gaildorf.

Entwicklung 1980er Jahre (1979 bis 1989)

1979 stiegen die japanischen Hersteller, nach ihrem großen Erfolg in der WM fast gleichzeitig in die AMA und auch der Supercross Veranstaltungen in den USA ein. Yamaha gewann in der ersten Saison 1979 gleich die AMA und wurde auch 250 cm³-Weltmeister. Damit war Yamaha auf Platz eins der Hersteller .Die 1980er Jahre war die Blütezeit der japanischen Marken, lediglich KTM (eine österreichische Marke) konnte noch seltene Siege einfahren. Yamaha, Honda und Suzuki hatten viel Geld durch den Straßenrennsport in ihre Firmen gebracht und konnten somit Zeit und Geld in die Entwicklung der Motocross-Motorräder stecken. Durch längere Federwege wurden höhere Sprünge möglich. Bessere Reifen wurden entwickelt mit haltbarem Profil und somit mehr Vortrieb. Auch die Geometrie wurde verbessert und man steigerte auch die Leistung der Zweitakter. Die Leistung der 500-cm³-Zweitakter war aber durch die immer weiter verbesserten Motoren 1985 schon so hoch, dass nicht alle Fahrer mit diesen Maschinen zurecht kamen. In den Jahren von 1983 bis 1985 starben in der WM und der AMA alleine in der 500-cm³-Klasse vier Fahrer. In den Jahren 1980 bis 1985 interessierten sich immer mehr Sponsoren für die Motocross-Teams. Die Geldgeber brachten Kapital in den Sport. Aus diesem Grund wurden die Veranstaltungen immer größer und die Preisgelder höher. 1989 wurde KTM zum ersten mal Weltmeister in der 500-cm³-Klasse.

Motocross wächst in Europa (1990 bis 1995)

Nach der Deutschen Einheit gab es einen Motocross-Boom in Deutschland, da viele deutsche Motocross mit USA in Verbindung brachten und die USA sehr modern für die deutsche Bevölkerung war. In den Jahren von 1990 bis 1995 verdoppelten sich die Motocross Clubs in Deutschland und in anderen europäischen Ländern wie Italien oder Frankreich, was dazu führte, dass immer mehr Geld mit den Zuschauern verdient wurde und somit auch das Budget der Teams in der WM höher wurde. 1995 waren die Veranstaltungen der Saison mit einem Budget von 1,2 Millionen Euro angesetzt.

Everts: Rekordweltmeister (1991 bis 2006)

1991 stieg Motocross Fahrer Stefan Everts in die 125-cm³-Weltmeisterschaft ein und gewann die erste Saison mit fünf GP-Siegen. 1993 stieg er in die 250-cm³-WM-Klasse auf und gewann in dieser Klasse den WM-Titel zwei Jahre später. Im darauf folgenden Jahr verteidigte er seinen WM-Titel mit fünf GP-Siegen erfolgreich. 1997 gewann er die 250-cm³-Klasse zum dritten Mal und stieg in die 500-cm³-Klasse auf. In der zweiten Saison 1999 erlitt Everts einen schweren Unfall und musste das restliche Jahr im Krankenhaus verbringen. 2001 ging er wieder genesen an den Start, gewann das erste WM-Rennen und sechs weitere in der Saison. Somit gewann er seinen ersten 500-cm³-Weltmeistertitel 2001. Im darauf folgenden Jahr verteidigte er seinen Titel erfolgreich. 2003 wurden die 500-cm³-Zweitakter-Klasse zur MX1 450 cm³ mit ausschließlich Viertaktern gefahren. Everts gewann auch das erste Jahr der Viertakt Serie.

Von da an gewann er jede WM-Saison bis zu seinem Rückzug aus dem Rennsport im Jahre 2006. 2006 schaffte er zum Abschluss 12 GP-Siege. Stefan Everts ist der erfolgreichste Motocross-Fahrer der Geschichte mit insgesamt zehn Weltmeisterschaftstitel. Seit 2006 arbeitet er für die den Motorradhersteller KTM in der Entwicklungsabteilung. Seine Startnummer 72 (sein Geburtsjahr) wird nach seinem großen Erfolg nicht mehr vergeben.

Viertakter (1997 bis 2009)

Ende der 1990er Jahre stiegen die ersten Teams der Straßenmotorrad-WM auf Viertakter um, da diese umweltfreundlicher sind und die Hersteller Interesse hatten, die Rennmaschinen näher an die Serienmaschinen zu rücken. In dieser Zeit waren die Zweitakt-Motocross-Maschinen schon so leistungsstark, dass Yamaha als erster Hersteller eine Viertakt-Motocross-Maschine baute, um die Belastung für den Fahrer zu reduzieren. Die immer strengeren Umweltauflagen zwangen auch andere Hersteller auf Viertakt-Motorräder umzusteigen. Yamaha gewann die WM mit einem Viertakter gegen die vermeintlich überlegenen Zweitakter, da sich ein Viertakter einfacher fahren lässt als ein 500-cm³-Zweitakter. Bis 2003 waren dann schon fast alle Teams der 500-cm³-Klasse mit Viertakt-Motoren unterwegs. Deshalb wurde die 500-cm³-Klasse 2003 abgeschafft und in MX1-Klasse umbenannt. In der MX1-Klasse sind Viertakt-Motocrosser bis 450 cm³ und Zweitakter bis 250 cm³ erlaubt. Seit 2005 fährt aber kein Team mehr mit Zweitakt-Motoren. In der 250-cm³-Klasse dauerte es etwas länger, bis auch hier auf Viertakter umgestiegen wurde. Die 250-cm³-Klasse wurde zwar auch 2003 in MX2 umbenannt (Viertakt bis 250-cm³-Zweitakt bis 125 cm³). Viele Hersteller nutzten weiter die Zweitakter, da der Leistungsunterschied in kleineren Hubraum-Klassen noch größer ist. Seit 2007 ist auch hier kein Team mehr mit einem Zweitakter an den Start gegangen. Einige Hersteller bauen noch bis heute 250-cm³-Zweitakt-Motorräder. In der 125-cm³-Klasse gibt es keine WM mehr, denn sie dürfen in der MX2 mitfahren. Aber die Europameisterschaft wird noch in einer 125-cm³-Zweitakt-Klasse ausgefahren. Bis heute gibt es keine 125-cm³-Viertakter und 85-cm³-Viertakter. Da ein Viertakter bei einem so kleinen Hubraum zu schwer wäre und auch nicht die spezifische Leistung bei so kleinen Hubräumen erreicht.

Entwicklung (ab 2010)

2009 brachte KTM das erste 350-cm³-Viertakt Motocross Motorrad auf den Markt. KTM will damit in der MX1-Weltmeisterschaft und in der AMA Nationals 450 cm³ fahren. Das Konzept der 350-cm³-Maschine verbindet die Wendigkeit einer 250er und die Leistung einer 450er-Maschine. In der MX1-Saison 2010 fuhr der Weltmeister von 2009, Antonio Cairoli mit der 350 cm³ KTM gegen die 450-cm³-Konkurrenz und gewann den WM-Titel.

Unterscheidung Motocross – Supercross

Sprung
Seitenwagen Motocross

Motocross (MX, Moto-X)

Die klassische Art des Motocross ist das Befahren von Strecken im freien Gelände. Die Länge der Strecken variiert zwischen 1000 m und 4000 m. Die sogenannten „Outdoor“-Strecken sind technisch nicht so anspruchsvoll wie die Supercross-Strecken. Sie sind meistens breiter und länger, sodass die Sprünge nicht so kurz aufeinander folgen, wodurch höhere Geschwindigkeiten zu erreichen sind. Da dieser Sport im Freien ausgetragen wird, kommt es vor, dass die Strecke durch verschiedene Witterungsverhältnisse ihren Zustand und ihre Beschaffenheit ändert. So kann es an heißen Tagen sein, dass mangels Feuchtigkeit die Sicht eingeschränkt ist, weil Staub vom Boden aufgewirbelt wird, oder im anderen Extrem, dass der Boden durchnässt ist und die Fahrer auf einer schlammigen und rutschigen Strecke zurechtkommen müssen. Die Beschaffenheit des jeweiligen Untergrundes variiert von Strecke zu Strecke, teilweise sogar von Streckenabschnitt zu Streckenabschnitt. Die Strecken können aus Sand, Lehm oder Erde bestehen. Strecken aus Lehm sind meistens eher hart, stellenweise ähnlich wie Asphalt, Strecken aus Sand oder Erde mittelweich bis weich. Hier ist es wie in allen anderen Rennsportarten, dass für jede Beschaffenheit das Sportgerät angepasst werden muss, d. h., das Fahrwerk sowie die Reifen und viele weitere Einstellungen müssen auf die Verhältnissen abgestimmt werden.

Die Rennen werden in zwei Läufe unterteilt. Es dürfen maximal 40 Fahrer an einem Rennen teilnehmen. In einem Qualifikationstraining wird die Reihenfolge festgelegt, in der die Fahrer ihren Startplatz am Startgatter wählen können. 30 Fahrer haben in der ersten Reihe Platz, der Rest ordnet sich dahinter ein. In der Motocross-Weltmeisterschaft ist ein Lauf nach 35 Minuten und zwei Runden beendet. Nach der Addition der Punkte beider Läufe (wobei der zweite Lauf bei Punktgleichheit stärker gewichtet wird) steht der Gewinner fest. Die Weltmeisterschaft 2008 wird in 15 Läufen in 13 verschiedenen Ländern ausgetragen.

Motocross ist kein ganz so starker Publikumsmagnet wie Supercross, da es im Freien ausgetragen wird und auch die Zuschauer der Witterung ausgesetzt sind. Außerdem ist es bei den meisten Strecken für einen Zuschauer nicht möglich, die ganze Strecke zu überblicken. Deshalb sind die Zuschauerzahlen hier meistens etwas geringer und oft auch vom Wetter abhängig.

Im Jahr 2007 wurde vom DMV erstmals die Deutsche Klassik- und TwinShock-Motocross Meisterschaft ausgeschrieben. Die Veranstaltungen sollen insbesondere ältere und ehemalige Motocross-Fahrer ansprechen. In Hessen findet schon seit Jahren der sogenannte HessenCup statt, auch hier können Rennen mit Klassik- und TwinShock-Motorrädern gefahren werden. TwinShock-Motorräder verfügen im Gegensatz zu den heute modernen Motorrädern mit Zentralfederbein noch über zwei konventionell gefederte Stoßdämpfer hinten.

Supercross (SX)

Die Rennen finden vorwiegend in Hallen oder Stadien statt, die speziell für die jeweiligen Veranstaltungen präpariert, d. h. mit Erde oder Lehm aufgefüllt werden. Der Boden im Supercross ist gewöhnlich hart. Da in einer Halle nur begrenzter Raum zur Verfügung steht, ist das Streckenlayout technisch anspruchsvoll und spektakulär. Es gibt verhältnismäßig viele Sprünge, sodass dem Fahrer kaum Zeit bleibt, „zur Ruhe“ zu kommen. Deshalb werden Supercross-Rennen über eine kurze Distanz (etwa 15 Minuten pro Rennen) ausgetragen. Pro Veranstaltung sind viele Läufe zu sehen, da nur wenige Fahrer gleichzeitig fahren können. Es wird über Qualifikationsläufe sowie später Achtel-, Viertel- und Halbfinale selektiert, wer schließlich im „Main-Event“, dem sogenannten Finale und gleichzeitig Höhepunkt der Veranstaltung, antreten darf. Supercross-Veranstaltungen zeichnen sich nicht bloß durch die Rennen, sondern auch durch ein großes Rahmenprogramm mit Musik und Freestyle-Shows aus. In Deutschland finden die Veranstaltungen meist in Hallen mit bis zu 10.000 Zuschauern statt. In den Vereinigten Staaten werden die Rennen dagegen in großen, häufig überdachten Football-Stadien ausgetragen, die bis zu 75.000 Zuschauer fassen. Der Vorteil für den Zuschauer ist hierbei die Möglichkeit, die gesamte Strecke zu überblicken. Die bisher erfolgreichsten Supercrosser sind Ricky Carmichael und Jeremy McGrath.

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Freestyle Motocross (FMX)

Hauptartikel: Freestyle Motocross

Freestyle Motocross oder kurz FMX hat sich aus dem Motocross entwickelt. Ursprünglich wurden bei Motocross-Wettbewerben neben den eigentlichen Rennen zur Unterhaltung der Zuschauer Wettbewerbe abgehalten, in denen es darum ging,welcher der Fahrer mit seiner Maschine den besten bzw. schönsten Trick während des Sprunges schaffte. Bald begannen sich Fahrer nur auf diesen Wettbewerb zu konzentrieren, wodurch FMX allmählich zur eigenständigen Disziplin des Sports wurde.

Bekannte Fahrer

Weblinks

 Commons: Motocross – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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