Mulgrew Miller


Mulgrew Miller
Mulgrew Miller (2004)

Mulgrew Miller (* 13. August 1955 in Greenwood, Mississippi) ist ein US-amerikanischer Jazz-Pianist und Komponist.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Mulgrew Miller war in seiner Jugend früh von vielfältiger Musik umgeben. Er spielte Gospelmusik in der Kirche in Memphis und Rhythm & Blues auf Tanzveranstaltungen. Jazzplatten seines Bruders erweckten sein Interesse für Jazz und er bewegte sich als Schüler auf der High School mit einer eigenen Band, die auf Cocktailparties spielte, in Richtung Jazz[1], sein entscheidendes Hörerlebnis war ein Fernsehauftritt von Oscar Peterson, den er mit 14 Jahren sah und in ihm den Entschluss reifen ließ, Jazzpianist zu werden. Er besuchte die Memphis State University, wo er sich mit seinen Mitstudenten, den Jazzpianisten James Williams (dessen Kompositionen er nach dessen Tod 2004 ein eigenes Album widmete[2]) und Donald Brown, anfreundete. Zusammen hörten sie häufiger Auftritte von Phineas Newborn im Gemini, der neben Peterson ein prägender Einfluss auf Miller war. Mit Brown und Williams spielte er dessen Musik in den 1990er Jahren im Contemporary Piano Ensemble. 1977 wurde er, nachdem er nach Los Angeles gezogen war, Pianist in der von Mercer Ellington geführten Ellington-Ghostband, bei denen er drei Jahre blieb und 1977 in Europa tourte. Zuvor war er als Student für deren Pianisten eingesprungen. Im Jahr 1980 begleitete er (auf Empfehlung von Cedar Walton) acht Monate lang Betty Carter und kam bei dieser Gelegenheit in die New Yorker Jazzszene. Nach kurzer Zeit mit Johnny Griffin war er 1981 bis 1983 Mitglied des Quintetts von Woody Shaw, mit dem er auch 1982 seine erste Aufnahme machte (auf Lotus flower). Von 1983 bis 1986 war er Mitglied von Art Blakeys Jazz Messengers. Dann spielte er sieben Jahre (1986 bis 1994) in Tony Williams' Quintett, der ihn anfangs für eine Blue-Note-Session holte und mit dem er Mitte der 1980er Jahre u.a. in Köln gastierte. Gleichzeitig begann er als Leader Aufnahmen zu machen, zuerst 1985 bei Landmark (Keys to the City). Als Leader spielte er sowohl im Trio als auch im Quintett. Sein Trio bestand lange Jahre aus Richie Goode am Bass und Kareem Riggins am Schlagzeug, später mit Riggins und Derrick Hodge am Bass (bei den Aufnahmen Live at Yoshi´s 2004, 2005). Weitere Mitglieder seiner Rhythmusgruppen waren der Bassist Ira Coleman und der Schlagzeuger Marvin "Smitty" Smith (z.B. auf seinem Debütalbum), sowie der Bassist Charnett Moffett und die Schlagzeugerin Terri Lyne Carrington (z.B. auf ihrem zweiten Album Work) und der aus Memphis stammende Schlagzeuger Tony Reedus, mit dem er schon bei Woody Shaw spielte. Ein weiteres langjähriges Projekt war sein Quintett Wingspan mit (in der ursprünglichen Besetzung) zusätzlich zu Goode und Riggins Steve Wilson am Altsaxophon und Steve Nelson am Vibraphon, mit denen er zuerst 1987 aufnahm (Wingspan, gefolgt von The Sequel 2002). Miller tritt als Komponist hervor - beispielsweise auf seinem Album Hand in Hand (u.a. mit Kenny Garrett und Joe Henderson) von 1992 spielt er Eigenkompositionen.

Miller begleitete die Sänger Dianne Reeves und Cassandra Wilson und spielte u.a. mit Donald Byrd, Terell Stafford, Toots Thielemans, Wallace Roney, Gary Bartz (im Quintett 1987), Gary Thomas, Bobby Hutcherson, Joe Lovano.

Anlässlich der Feiern zu Duke Ellington´s 100.Geburtstag 1999 spielte Mulgrew Miller mit dem Bassisten Niels-Henning Ørsted Pedersen im Duo (nach dem Vorbild Jimmy Blanton - Duke Ellington) und tourten in Deutschland. Danach war er mit Steve Turré zusammen auf Festivals zu hören. Sie spielten Musik von Rahsaan Roland Kirk und knüpften an ihre frühere Zusammenarbeit an. 2006 trat er auf dem JazzBaltica-Festival in Salzau 2006 mit seinem Trio auf.

Miller ist an der William Paterson University Leiter des Jazzstudienprogramms, als Nachfolger des verstorbenen James Williams.

Stílistische Einordnung

Joachim-Ernst Berendt und Günter Huesmanns Jazzbuch ordnet Mulgrew Miller in den Neo-Hardbop ein, beeinflusst u.a. von der Coltrane- McCoy Tyner Tradition. "Miller emotionalisiert das klassizistische Jazz-Piano mit vitaler attacca und einem wogenden Sinn für musikalische Höhepunkte: eindrucksvolle spritzige, agile Linien und pralle Akkorde voll unerwarteter Wendungen."[3] Brian Priestley betrachtet Miller als "brillanten Techniker, der wesentliche Einflüsse des Jazzpianos der 60er und 70er Jahre verarbeitet hat".[4] Nach Richard Cook und Brian Morton ist der Hardbop Millers "natürliches Metier".[5]

Ein prinzipielles Beispiel für Mulgrew Millers Stimmführung in einer VI – II – V – I Akkordverbindung (in G-Dur).

Durch die tiefe Quinte im A-7 ergeben sich beim Übergang zu D7 wichtige Stimmkreuzungen, wobei sich die zweite und fünfte Stimme abwechselnd in Terzen und Sekunden bewegen. Die Verdoppelungen der wichtigen Töne Terz und Septime oder nur der Septime sind auffallend. Es gibt Pianisten, die einen ähnlichen Klang haben, weil sie eine ähnliche Stimmführung verwenden: Horace Silver, Walter Davis Jr., Sam Dockery oder Ray Charles.

Diskografische Hinweise

Alben unter eigenem Namen

  • Live At the Kennedy Center, Vol. 1,2, 2007, Max Jazz Records
  • Live At Yoshi’s Vol. 2, 2005, Max Jazz Records
  • Live At Yoshi’s Vol. 1, 2004, Max Jazz Records
  • The Sequel, 2002, Max Jazz Records
  • Duets. (Bang & Olufsen) mit N.-H. Ørsted Pedersen, 1998
  • Getting To Know You, 1995, Novus
  • With Our Own Eyes, 1994
  • Hand In Hand, 1993, Novus
  • Time And Again, 1992
  • Landmarks 1985–87, 1991, Landmark
  • From Day To Day, 1990, Landmark
  • The Countdown, 1989, Landmark
  • Wingspan, 1987 , 32Jazz
  • Work!, 1986, Landmark [6]
  • Keys To The City, 1985, Landmark

Woody Shaw

  • Lotus Flower, 1982, Enja

Mit Tony Reedus

  • The Far Side, 1988, Jazz City (mit Bill Evans am Sopransaxophon)

Mit Art Blakey und den Jazz Messengers

  • Live at Kimball’s, 1986, Concord
  • The New York Scene, 1984 , Concord

Mit Dianne Reeves

  • That Day, 1997, Blue Note.

Mit Tony Williams

  • Young at Heart, 1996, Columbia

Literatur

Weblinks

Anmerkungen

  1. Interview, All About Jazz, 2002
  2. Live at Yoshi´s, Volume 2
  3. vgl. Berendt/Huesmann S. 377
  4. Brian Priestleys Biographie über Miller im Jazz - Rough Guide, S. 440.
  5. vgl. Cook/Mortons Artikel zum Album Milestones.
  6. Die Landmark-Alben Work!, Wingspan und Time and Time Again wurden unter dem Titel Milestones auf dem britischen RCA-Camden Label als CD wiederveröffentlicht. Die Alben Work und Keys to the City wurden 1998 als Chapters 1 & 2 wieder veröffentlicht.

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Mulgrew Miller — Datos generales Nacimiento 13 de agosto de 1955 (56 años) …   Wikipedia Español

  • Mulgrew Miller — Photographer: Bob Travis Background information Born August 13, 1955 Origin Greenwood, Mississi …   Wikipedia

  • Mulgrew — is a surname and given name, and may refer to: Charlie Mulgrew, Scottish footballer Kate Mulgrew, American actress Mulgrew Miller, American jazz pianist born in 1955 in Greenwood, Mississippi See also All pages with titles containing Mulgrew ,… …   Wikipedia

  • Mulgrew — ist der Name folgender Personen: Charlie Mulgrew (* 1986), schottischer Fußballspieler Kate Mulgrew (* 1955), US amerikanische Schauspielerin Mulgrew Miller (* 1955), US amerikanischer Jazz Pianist und Komponist Diese Sei …   Deutsch Wikipedia

  • Miller (Familienname) — Miller ist ein Familienname, der im englischsprachigen Raum selten auch als Vorname vorkommt. Herkunft und Bedeutung Miller ist die englische Variante des deutschen Familiennamens „Müller“ oder „Müllner“ und eine häufige regionale (bayrischer und …   Deutsch Wikipedia

  • Landmark Records — was an American record label founded in 1985 by Orrin Keepnews as a successor to Milestone Records. Landmark Records published albums recorded by the Kronos Quartet of music by Bill Evans and Thelonious Monk, as well as straight jazz albums. For… …   Wikipedia

  • Betty Bebop — Betty Carter Betty Carter (* 16. Mai 1930 in Flint/Michigan; † 26. September 1998 in New York City) war eine US amerikanische Jazz Sängerin. Carter, die Tochter eines Chorleiters, wurde als Lillie Mae Jones in Flint geboren, kam aber mit ihrer… …   Deutsch Wikipedia

  • Golson — Benny Golson (* 25. Januar 1929 in Philadelphia, Pennsylvania) ist ein US amerikanischer Tenorsaxophonist, Komponist und Arrangeur des Hardbop. Benny Golson; 2006 …   Deutsch Wikipedia

  • Lillie Mae Jones — Betty Carter Betty Carter (* 16. Mai 1930 in Flint/Michigan; † 26. September 1998 in New York City) war eine US amerikanische Jazz Sängerin. Carter, die Tochter eines Chorleiters, wurde als Lillie Mae Jones in Flint geboren, kam aber mit ihrer… …   Deutsch Wikipedia

  • Art Blakey & The Jazz Messengers — Jazz Messengers im Konzert (1985), (v. l. n. r.) Jean Touissant (Tenorsaxophon),Terence Blanchard (Trompete), wahrscheinlich Donald Harrison (Sopransaxophon), Lonnie Plaxico (Bass) Die Jazz Messengers (1955 1990) hieß eine Jazzband, die vom… …   Deutsch Wikipedia