Multi-Core


Multi-Core


Ein Multicore ist ein in der Tontechnik genutzter Kabelbaum. Die einzelnen Signalleitungen im Multicore werden als „Kanäle“ oder „Wege“ bezeichnet.

Funktion und Verwendung

Multicores dienen dazu,

Multicores können, etwa bei Open-Air-Konzerten, bis zu mehrere hundert Meter lang sein. Die Signalführung in einem Multicore ist in der Regel wegen der langen Übertragungswege symmetrisch ausgelegt. Die signalführenden Leiter in Multicores sind durch metallene Ummantelungen gegen Störeinflüsse durch elektromagnetische Felder abgeschirmt. Bei hochwertigen Multicores ist die Abschirmung in der Regel doppelt ausgeführt; es existieren neben dem Gesamtschirm, der den gesamten Kabelbaum umgibt, Einzelschirme für jedes signalführende Adernpaar. Man spricht hier auch von Multicores mit „Einzelmasse“, da die auf Massepotential des jeweiligen Kanals liegenden Einzelschirme nicht elektrisch verbunden sind. Durch die unabhängigen Massepotentiale ist es möglich, Brummschleifen durch das Setzen von sogenannten Ground-Lifts an einzelnen Kanälen zu beheben.

Multicores sind meistens robust ausgeführt, um der oftmals „rauen“ Behandlung im Bühnenalltag standzuhalten. Meistens sind sie an beiden Enden mit vielpoligen, sogenannten Multipin-Steckverbindern konfektioniert. An diese Steckverbinder wird auf der Bühnenseite ein stabiler Metallkasten, die sogenannte Stagebox angeschlossen, an der die einzelnen Kanäle über XLR- oder (selten) Klinkensteckerverbinder herausgeführt werden. Oft existieren an der Stagebox Ground-Lift-Schalter für einzelne Kanäle, sowie weitere Multipin-Steckverbinder zum Durchschleifen der Signale. Selten gibt es auch Stageboxen mit eingebauten Übertragern.

Das andere Ende des Multicores wird in der Regel mit einer sogenannten Pultauflösung, auch „Peitsche“ genannt, in seine einzelnen Kanäle aufgespleißt, die dann als XLR- oder Klinkensteckverbinder mit dem Mischpult verbunden werden. Eine solche Pultauflösung kann auch verwendet werden, um über einen zweiten Multipin-Steckverbinder an der Stagebox die Signale für einen separaten Monitormix abzugreifen.

Gelegentlich trifft man auf Multicores, bei denen Stagebox, Pultauflösung oder gar beides fest verbunden sind. Diese Ausführung ist in Herstellung und Anschaffung kostengünstiger, da auf teure Multipinsteckverbinder und deren zeitraubende Montage verzichtet wird. Sie ist jedoch mit folgenden Nachteilen verbunden:

  • Das Multicore ist schwieriger zu verlegen, da man stets die sperrige Auflösung oder gar die Stagebox mit sich herumtragen muss,
  • hierdurch werden die fest am Kabel angebrachten Teile mechanisch stärker beansprucht und gehen dadurch eher kaputt,
  • des Weiteren sind bei Beschädigung einer Komponente alle fest verbundenen Komponenten mit betroffen und können nicht einzeln repariert oder ausgetauscht werden.

Häufig verwendete Multipinsteckverbinder bei Multicores sind z. B. (die rechteckigen) Harting- und (die runden) Socapex-Steckverbinder. Hauptsächlich bei Rundfunkanstalten sind auch noch Messerleisten anzutreffen. Einen verlässlichen Standard bei Auswahl und Belegung der Steckverbinder gibt es leider nicht. Hier unterscheiden sich die Gepflogenheiten meistens schon von Firma zu Firma.

Besondere Bautypen

Es existieren folgende Sonderformen von Multicores, die sich z. T. von der zuvor beschriebenen Form unterscheiden:

  • Als Submulticore (Auch „Subcore“, „Subsnake“, „Bühnenunterverteilung“) bezeichnet man kleinere Multicores mit geringer Länge (meistens nicht mehr als zehn Meter) und nur wenigen (üblicherweise acht bis zehn) Kanälen. Submulticores werden eingesetzt, um mehrere Signale auf größeren Bühnen zur Stagebox zu transportieren, ohne dass viele Einzelleitungen gelegt werden müssen. Bei Submulticores ist es aufgrund ihrer geringen Größe üblich, dass „Peitsche“ und „Stagebox“ (hier oft als „Plugbox“ bezeichnet) fest mit dem Kabel verbunden sind.
  • Ein Insertmulticore (oft auch als „Insertpeitsche“) bezeichnet ist ein kurzes Multicore, das mehrere Insertkabel zusammenfasst. Es findet Verwendung, um das Mischpult mit signalverarbeitenden Geräten im Siderack zu verbinden.
  • Früher gab es Multicores auch für Steuersignale in der Lichttechnik. Vom Lichtpult zum Dimmer wurden darin analoge Steuersignale, meistens in 0 bis 10-V-Technik, übertragen. Heutzutage wurde diese Methode fast vollständig von der digitalen DMX-Übertragung verdrängt.
  • Nach wie vor im Einsatz sind Lastmulticores für die Lichttechnik. Hierbei handelt es sich um vielpolige Lastkabel, die als Stromleitungen Dimmer und Leuchten verbinden. Lastmulticores sind in der Regel mit schweren Industriesteckverbindern („Hartings“) konfektioniert und werden auf der Verbraucherseite über sogenannte Plugboxen in ihre Einzelkanäle aufgelöst. Lastmulticores mit einer Kanalzahl von drei, sechs, acht und zwölf sind verbreitet.
  • Digitale Multicores lösen allmählich die sehr teuren, schweren und fehleranfälligen analogen Multicores in der Tontechnik ab. Obgleich sich hier noch kein Standard durchsetzen konnte, existieren mittlerweile zahlreiche brauchbare Konzepte, die meistens auf Firewire, Ethernet- oder Glasfaserleitungen („Optocore“) aufbauen. Anders als in der Computertechnik kommen hierfür widerstandsfähige Leitungen zum Einsatz, die dem Bühnenalltag mechanisch gewachsen sind. Digitale Multicores bergen wie alle digitalen Komponenten in der Tontechnik Probleme mit Latenzzeiten, die es zu minimieren gilt. Zudem müssen hier die Signale bereits am Entstehungsort (Bühne) digitalisiert werden. Dies ist bei kleineren Veranstaltungen nicht praktikabel, da hier häufig kein Techniker auf der Bühne anwesend ist, der z. B. die notwendige Pegelanpassung vor dem A/D-Wandler vornehmen und überwachen müsste.
  • Streng genommen lassen sich auch mehrkanalige Lautsprecherleitungen (z. B. Speakon) als Multicore bezeichnen.
  • Es existieren im Bereich der Ton-, Licht- und Videotechnik zahlreiche weitere Spezialkabel, die mehrere Einzelleitungen, beispielsweise Strom- und Datenleitungen, zusammenfassen. Diese Kabel werden oft als Hybridkabel bezeichnet.

Literatur

  • R. Beckmann: Handbuch der PA-Technik, Grundlagen-Komponenten-Praxis. 2. Auflage, Elektor-Verlag, Aachen, 1990, ISBN 3-921608-66-X
  • Roland Enders: Das Homerecording Handbuch. 3. Auflage, Carstensen Verlag, München, 2003, ISBN 3-910098-25-8
  • Michael Ebner: Lichttechnik für Bühne und Disco. 1. Auflage, Elektor-Verlag, Aachen, 2001, ISBN 3-89576-108-7

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