300 (Comic)

300 (Comic)
Comic
Titel 300
Land Vereinigte Staaten
Autor Frank Miller
Zeichner Frank Miller
Verlag Dark Horse Comics
Erstpublikation Mai 1998 – September 1998
Ausgaben 5

300 ist eine Graphic-Novel-Miniserie, gezeichnet und geschrieben von Frank Miller, coloriert von seiner damaligen Frau Lynn Varley. Sie ist bei Dark Horse Comics erschienen.

Die Serie behandelt die Schlacht bei den Thermopylen, in der laut der Historien des antiken Chronisten Herodot der Spartanerkönig Leonidas mit dreihundert weiteren Spartiaten und fast 4000 weiteren Griechen eine gewaltige Übermacht der Perser zwei Tage aufhalten konnte.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

480 v. Chr. marschiert ein kleines Heer von Spartiaten durch das Kallidromos-Gebirge in Richtung der Thermopylen; in jenem Engpass wollen sie die zehntausende zählende Armee der Perser aufhalten, die gekommen ist, Griechenland zu erobern. Beim abendlichen Feldlager erzählt der Barde Dilios die Geschichte eines jungen Spartaners, der in einer kalten Winternacht auf einen riesigen Wolf traf und diesen trotz seiner Schwäche und Unterlegenheit mit einem Trick und viel Mut töten konnte. Dieser Junge war König Leonidas I., der nun seine Männer voller Kampfeslust anführt.

Der König erinnert sich: Ein Jahr zuvor war ein Abgesandter des persischen Gottkönigs Xerxes nach Sparta gekommen, um die Unterwerfung der stolzen Stadt zu fordern. Leonidas lehnte dies nicht nur ab, sondern tötete auch den Abgesandten und seine gesamte Leibwache. Monate später besuchte er die Ephoren, die abgeschottete Beamtenkaste Spartas, um sie um Unterstützung für einen Angriff gegen die Perser zu bitten. Die korrupten Priester lehnten jedoch ab, da ein anderer persischer Abgesandter sie bestochen hatte. Also blieb dem König nichts übrig, als mit einer dreihundertköpfigen Leibgarde loszuziehen. Seine geliebte Frau, die genau wusste, dass sie ihn nicht lebend wiedersehen würde, ließ er ohne ein Wort der Zärtlichkeit zurück, denn in Sparta ist kein Platz für Gefühle und Schwäche.

Nachdem sie sich mit einem viel größeren, aber nicht annähernd so gut ausgebildeten Heer der Arkadier vereint haben, ziehen die Spartiaten weiter. Erneut stellt sich ihnen ein Abgesandter der Perser in den Weg, der diese Begegnung jedoch mit dem Verlust eines Armes bezahlt. Anschließend tritt Ephialtes auf den Plan, ein verkrüppelter und verstoßener Sohn Spartas, der Leonidas bittet, im Austausch für wichtige Informationen über einen Seitenpass im Gebirge in den Reihen der Spartiaten kämpfen zu dürfen. Leonidas erkennt seinen Mut an, erklärt ihm jedoch, dass er wegen seiner Missbildung nie seinen Schild hoch genug heben könnte, um Teil einer spartanischen Phalanx zu sein. Verbittert stürzt sich Ephialtes daraufhin mit seinem Schild von einer Klippe.

Kurz darauf beginnt der erste Großangriff der Perser, den die Spartiaten mit Mut und überlegener Kampfkunst gewinnen können. Leonidas wird im Anschluss zu einer Audienz bei König Xerxes gebeten, der versucht, ihn mit Argumenten der Vernunft dazu zu bewegen, den Kampf aufzugeben. Leonidas lehnt ab und kann auch die nächste Angriffswelle, diesmal von Xerxes’ Leibwache, zurückschlagen. Eine persische Angriffswelle nach der anderen wird von den Spartiaten zerschlagen. Ephialtes führt, vom Hass zerfressen, die Perser über den versteckten Gebirgskamm, um den spartanischen Abwehrriegel zu umgehen. Leonidas, von allen Seiten eingeschlossen, schickt seinen Barden Dilios aus, um allen Griechen zu berichten, was an diesem Tag geschah. Er selbst bleibt mit seinen Männern zurück, die ihrem König in einen blutigen Opfertod folgen.

Ein Jahr später berichtet Dilios, mittlerweile Hauptmann einer Armee von 40.000 Griechen, von der Schlacht in den Thermopylen und wie Xerxes’ Flotte wenig später vor Salamis vernichtet wurde. Nun zieht Griechenland vereint in den Kampf, getrieben und ermutigt von der Erinnerung an Leonidas und seine Dreihundert.

Hintergrund und Rezension

Leonidas, der Protagonist von 300, ist einer der düstersten, markantesten und fatalistischsten Charaktere aus der Feder von Frank Miller. Auf den Krieg, in den Leonidas seine Getreuen führt, hat der kriegerische König seit seiner Geburt gewartet. Furcht oder Zögern sind ihm fremd. Sein Leben ist eine Idee, eine gerade Linie, die von äußeren Einflüssen unabhängig ist.

Eine Idee im Sinne einer bestimmten Vorstellung war es auch, die Miller von Leonidas, Sparta und den Thermopylen hatte. Die Symbolik, die in 300 den Kämpfen der Spartaner gegen die Perser zugrunde liegt, ist jedoch nicht so geradlinig wie Leonidas Handeln. Während die Soldaten Spartas im Comic einer menschenverachtenden Kultur voller Zwänge und Strenge entspringen und sich bedingungslos einer Autorität unterordnen, die sie ohne mit der Wimper zu zucken in den Tod schickt, führt Leonidas seine Soldaten, wie er sagt, in einen Kampf für Freiheit und Vernunft. Dieser offensichtliche Widerspruch erschließt sich dem Leser jedoch nicht durch einen neutralen Erzähler.

Während Frank Miller seine Spartaner als barbarisch und abstoßend charakterisiert und seine Distanz zu ihrer martialischen Kultur betont [1], wählte er für die Geschichte des Comics die Perspektive eines in die Dynamik der Spartaner eingebundenen Erzählers (Dilios), der das Vorgehen und den Glauben seiner Waffenbrüder bedingungslos teilt. Diese Perspektive weckt auf der einen Seite eine, wie Zack Snyder es nennt, grenzverschiebende Schaulust und eine düster-faszinierende, ambivalente Anziehungskraft. Diese Perspektive ist aber vor allem ein hervorragender Boden für Millers Hang zur visuellen Doppelbödigkeit. Die ausgeprägten Licht-und-Schatten-Spiele und die zahlreichen Metaphern zeugen von dem Zwiespalt, der Tragik und der Diabolik der spartanischen Ideologie.

Miller ist zwar durchaus davon überzeugt, dass die historischen Spartaner in einer Welt voller Aberglaube und Chaos auf eine gewisse Weise für Vernunft und Freiheit stritten[2], worüber sich trefflich streiten lässt. Zweifel am Spartanismus sind im Comic jedoch allgegenwärtig. Deutlich wird dies vor allem am Protagonisten Leonidas und seiner offenbaren Todessehnsucht und Skrupellosigkeit. Ist sein Werk das Bewahren, das Schaffen oder nur das Zerstören? Diese widersprüchlichen Motive, die Ziele und Abgründe, die Leonidas ohne sie preiszugeben in sich vereint, geben dem Charakter Tiefe und Undurchsichtigkeit.

Die Kontroversen, die die bewusst unreflektierte Darstellung der spartanischen Kultur und der geschichtlichen Vorgänge an den Thermopylen entfacht hat, können nicht mit Sicherheit als Teil von Millers Intentionen gewertet werden, die er verfolgte, als er 300 zeichnete. Gelungen ist Miller aber ganz zweifellos ein weiteres Mal, zu demonstrieren, wie sehr konsequent in Szene gesetzte Antihelden faszinieren und gleichzeitig abschrecken können.

Weitere Fakten

Autor Frank Miller führt seine Begeisterung für das Thema auf den 1962 erschienenen Spielfilm „Der Löwe von Sparta[3] zurück, den er als Kind im Kino sah, der ihn „nachhaltig beeindruckte“ und zu einer „lebenslangen Faszination für das antike Griechenland“ führte.[2]

In Kapitel 5 von The Big Fat Kill, dem dritten Band des preisgekrönten und 2005 verfilmten Comics Sin City, baute Miller Teile der 300-Thematik ein, um „sicherzugehen, dass sich kein anderer des Themas annimmt“. Die Planungen für 300 liefen damals bereits auf Hochtouren.[1]

Die Miniserie erschien 1998 bei Dark Horse Comics (USA), im deutschsprachigen Raum erschien die Serie 1999 zunächst im Verlag Schreiber & Leser und wurde im Juni 2006 vom Cross-Cult-Verlag neu aufgelegt.

Auszeichnungen

Die Geschichte erhielt verschiedene Preise, darunter 1999 den Will Eisner Award für „Beste Mini-Serie“, „Bester Zeichner“, „Bester Texter“ und „Beste Colorierung“. Auch erhielt die Serie den Harvey Award für „Beste Miniserie“ und „Beste Colorierung“.

Verfilmung

Hauptartikel: 300 (Film)

Der Comic wurde von Warner Bros. unter der Regie von Zack Snyder verfilmt. König Leonidas wird in der Verfilmung von Gerard Butler verkörpert. Um die Stimmung, die Miller in seinem Comic erzeugt, originalgetreu wiederzugeben, wurden alle Aufnahmen im Studio gedreht, die Kulisse wurde ausschließlich digital erzeugt eingefügt. Der Kinostart in Deutschland fand am 5. April 2007 statt.

Ausgaben

  • Frank Miller: 300. Übersetzung: Paul Scholz und Matthias Wieland. Amigo Grafik, Asperg 2006, ISBN 3-936480-30-3.

Belege

  1. a b http://www.ugo.com/ugo/html/article/?id=16424&sectionId=106 (Link nicht mehr abrufbar)
  2. a b http://www.darkhorse.com/news/interviews.php?id=623
  3. http://www.imdb.com/title/tt0055719/

Weblinks


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