Museumslandschaft Hessen Kassel


Museumslandschaft Hessen Kassel

Die Museumslandschaft Hessen Kassel (auch typographisch museumslandschaft hessen kassel, kurz mhk) ist eine Institution des Landes Hessen. Sie ist mit der Verwaltung von kunsthistorisch bedeutsamen Liegenschaften und Sammlungen des Landes in Kassel betraut.

Liegenschaften in Kassel:

außerhalb Kassels:

Die Museumslandschaft Hessen Kassel betreut diese Liegenschaften und Sammlungen auch in wissenschaftlicher Hinsicht und fungiert als Herausgeber von Publikationen. Seit August 2009 ist der Kunsthistoriker Bernd Küster Direktor der mhk.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Grundstücke, Gebäude und Sammlungen gehen auf die Landgrafen und späteren Kurfürsten von Hessen-Kassel zurück. Der jahrhundertealte, fürstliche Sammlungs-Kernbestand ist in seiner Vielfalt bis heute geschlossen erhalten. Eine derartige Geschlossenheit findet sich in Deutschland sonst nur in den Sammlungen von Dresden und München. So sammelten die Landgrafen und Kurfürsten im Bereich der Astronomie sowie einzelner Kunsthandwerke, holten bedeutende europäische Künstler, Mathematiker und Architekten an ihren Hof und beschäftigten sich mit Altertümern sowie mit zeitgenössischer Kunst. Die Sammlungen entstanden teils aus Staatsraison, teils aus persönlichem Interesse der Landgrafen und Kurfürsten. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts trugen auch bürgerliche Schenkungen und Leihgaben zur Vervollständigung des historischen Bestandes bei. Diese Art der Sammlungserweiterung wird bis heute beibehalten. 1866, nach der Annexion von Hessen-Kassel, überführte Preußen die damaligen fürstlichen Sammlungen erstmals in staatliche Verwaltung. 1924 wurden diese als Staatliche Kunstsammlungen Kassel zusammengefasst und mit einer gemeinsamen Verwaltung und wissenschaftlichen Leitung versehen. 1945, mit der Gründung des Landes Hessen, ging diese Institution in die Obhut und den Besitz des Landes Hessen über. 1992 wurde die Einrichtung in Staatliche Museen Kassel umbenannt. 2006 erfolgte eine Neustrukturierung: die Staatlichen Museen Kassel fusionierten mit den Kasseler Liegenschaften der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen. In diesem Zusammenhang erfolgte die Umbenennung in Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK). [1]

Liegenschaften und Sammlungen

Bergpark Wilhelmshöhe

Der Bergpark Wilhelmshöhe ist eine barocke Anlage mit dem Schloss Wilhelmshöhe, der Herkules-Statue und den 250 Meter langen Kaskaden, welche zu Beginn des 18. Jahrhunderts entstand. Später erfolgte die Weiterentwicklung hin zu einem Landschaftspark. Es entstand eine weitläufige, idealisierte Naturlandschaft mit Wasserfällen, Aquädukt und Fontäne. Der am Hang des Habichtswaldes gelegene Bergpark ist einer der größten Europas. Die gesamte Anlage vom Herkulesbauwerk über die Kaskaden zum Schloss, bis die sich hin zur Stadt erstreckenden Barockachse als Ausdruck der fürstlichen Machtrepräsentation ist weltweit einzigartig. Eine besondere Attraktionen sind die sommerlichen Wasserspiele.[2]

Herkules

Der Herkules mit dem Oktogon bildet den höchsten Punkt im Bergpark. Er wurde zwischen 1700 und 1717 von dem italienischen Architekten Giovanni Francesco Guerniero unter Landgraf Karl von Hessen-Kassel errichtet. Die Statue des Herkules ist 8,30m hoch und wurde von dem Augsburger Goldschmied Johann Jakob Anthoni nach dem Vorbild des antiken Hercules Farnese gefertigt.[3]

Museum Schloss Wilhelmshöhe

Schloss Wilhelmshöhe (Mitteltrakt von Westen)

Das Schloss Wilhelmshöhe entstand ab 1786 in mehreren Etappen.

Beim Weißensteinflügel handelt es sich um den Südflügel des Schlosses. Er entstand in den Jahren 1786-1790 und wurde als landgräflicher Wohn- und Repräsentationsraum genutzt. Heute können die historischen Schlossräume, wie z.B. Speisesaal, Bildnisgalerie, Schreibzimmer, Badezimmer usw. besichtigt werden. Es werden Möbeln und Ausstattungsstücken aus der Zeit des Empire sowie Bestände aus der kurfürstlichen Bibliothek und der Porzellansammlung präsentiert.[4]

Im Schloss Wilhelmshöhe findet sich auch eine historische Kapelle, die Verwaltung der Museumslandschaft Hessen Kassel und drei ihrer wichtigsten Sammlungen:

Sammlungen im Schloss Wilhelmshöhe
  • Die Dauerausstellung der Antikensammlung ist in die Bereiche Archäologie, Skulptur, Mythos, Griechen, Römer und Herkules unterteilt. Durch didaktische Angebote soll eine Verbindung zwischen den ausgestellten antiken Exponaten und der Gegenwart hergestellt werden.[5]
  • Die Gemäldegalerie Alte Meister beinhaltet europäische Gemälde der Spätgotik, der Renaissance, des Barock und des Klassizismus. Einen Schwerpunkt bildet die holländische und die flämische Malerei des 17. Jahrhunderts.[6]
  • Die Graphische Sammlung besteht aus über 60.000 Handzeichnungen, druckgraphischen Arbeiten, Plakaten und illustrierten Büchern vom Spätmittelalter bis zur zeitgenössischen Kunst. Regional reicht sie von Deutschland über die Niederlande und Frankreich bis nach Italien. Eine Besonderheit stellt die umfangreiche Sammlung an Architekturzeichnungen zu den Bauvorhaben der hessischen Landgrafen dar.[7]

Weitere Bauwerke im Bergpark Wilhelmshöhe

  • Die Löwenburg wurde zwischen 1793 und 1801 unter Landgraf Wilhelm IX. von Hessen-Kassel, dem späteren Kurfürst Wilhelm I. vom Hofbaumeister Heinrich Christoph Jussow erbaut. Im Innern befinden sich fürstliche Wohnräume mit historischer Ausstattung.[8]
  • Das Ballhaus steht neben dem Schloss Wilhelmshöhe. Außen schlicht gehalten, ist es im Inneren mit einem großen, prachtvoll ausgemalten Ballsaal ausgestattet. Das Ballhaus wurde in den Jahren 1808/1809 von Leo von Klenze im Auftrag des Bruders Napoleons, Jérôme Bonaparte, während dessen Regierungszeit in Kassel erbaut. Die Innenausstattung erhielt es erst 1828 durch den Kasseler Architekten Johann Conrad Bromeis.[9]
  • Das Große Gewächshaus befindet sich in der Nähe des Schlosses und wurde in den Jahren 1822/23 vom Hofarchitekten Johann Conrad Bromeis unter Kurfürst Wilhelm II. zur Kultivierung kostbarer exotischer Pflanzen errichtet. Der Innenraum kann in den Wintermonaten besichtigt werden.[10]

Park Karlsaue

Der Schlosspark Karlsaue wurde um 1700 als barocke Parkanlage erschaffen. Ende des 18. Jahrhunderts wurde er zu einem Landschaftspark umgestaltet und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Im Park befindet sich die Insel Siebenbergen, eine kleine Blumeninsel mit botanischer Vielfalt.[11]

Orangerie

Orangerie (2007, während der documenta 12)

Die Orangerie in der Karlsaue wurde zwischen 1701 und 1710 unter Landgraf Karl erbaut. Sie diente im Winter als Gewächshaus für zahlreiche Orangen- und Lorbeerbäume. Die beiden Eckpavillons waren die Sommerresidenz des Landgrafenpaares.[12]

Sammlungen und Institutionen in der Orangerie
  • Das Astronomisch-Physikalische Kabinett beinhaltet die Ausstellungsbereiche Astronomie, Uhren, Geodäsie, Physik und Mathematik/Informationstechnik. Die Entstehung der Sammlung ist der kontinuierlichen Förderung der Naturwissenschaften durch die hessischen Landgrafen, aber auch ihrer Sammelleidenschaft für Kuriositäten zu verdanken.[13]
  • Das Kasseler Planetarium hat einen Kuppeldurchmesser von zehn Metern und bietet Platz für 50 Personen. Das Programm wird vom Astronomischen Arbeitskreis Kassel gestaltet.[14]

Marmorbad

Das Marmorbad neben der Orangerie ist Deutschlands letzte bedeutende und erhaltene repräsentative Badeanlage aus der Zeit des Spätbarock. Es wurde 1722 bis 1728 unter Landgraf Karl von Hessen-Kassel erbaut. Die Innengestaltung, marmorne Skulpturen und Wandreliefs sowie Medaillons und Porträtbüsten, wurde vom römischen Bildhauer Pierre Etienne Monnot geschaffen.[15]


Hessisches Landesmuseum

Hessisches Landesmuseum, rechts die Torwache (2005)

Das Hessische Landesmuseum liegt am Brüder-Grimm-Platz, am Rande der Innenstadt und dem Beginn der Wilhelmshöher Allee. Entworfen vom Architekten Theodor Fischer wurde das Museum am 23. August 1913, zur Tausendjahrfeier des Stadt Kassel, eingeweiht. Seit 2008 und bis voraussichtlich 2013 ist das Museum wegen Sanierungsarbeiten geschlossen.

Sammlungen im Hessischen Landesmuseum

Bis 2008 waren im Hessischen Landesmuseum folgende Sammlungen untergebracht:

Torwache

Die Torwache befindet sich neben dem Hessischen Landesmuseum am Brüder-Grimm-Platz. Das Gebäude ist Teil einer unvollendeten Toranlage, die der Architekt Heinrich Christoph Jussow im Jahr 1805 entworfen hat. Dort wird Kunsthandwerk vom Historismus bis zum Design der Gegenwart ausgestellt.[16]


Neue Galerie

Die Neue Galerie liegt an der sogenannten „Schönen Aussicht“ zwischen Rathaus und Karlsaue. Sie wurde in den Jahren von 1871 bis 1877 nach Plänen des Architekten Heinrich von Dehn-Rotfelser im Stil der Neorenaissance errichtet. Der Bau beherbergte ursprünglich die Gemäldegalerie Alte Meister. Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde diese Sammlung in das Schloss Wilhelmshöhe verlagert. 1976 eröffnete die Neue Galerie mit neuem Konzept und unter ihrem heutigen Namen. Seitdem präsentiert sie Kunst vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Im November 2011 wird das Haus nach aufwendigen Sanierungsarbeiten wiedereröffnet.


Museum Schloss Friedrichstein

Schloss Friedrichstein, Innenhof (Nordflügel)

Das Museum Schloss Friedrichstein befindet sich im Norden von Bad Wildungen. Zunächst ein mittelalterlicher Bau, begann Josias II. von Waldeck um 1660 an gleicher Stelle ein Barockschloss nach französischem Vorbild zu bauen. Nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten durch das Land Hessen als Eigentümer steht das Schloss seit 1980 der Museumslandschaft Hessen Kassel (damals Staatlichen Museen Kassel) als Ausstellungsort zur Verfügung. Hier werden seitdem zwei Sammlungskomplexe präsentiert, die seit 1937 unausgestellt blieben: die ehemals im Hessischen Landesmuseum angesiedelten Sammlungen zur hessischen Militär- und Jagdgeschichte.[17]

Sammlungen im Schloss Friedrichstein

  • Die Sammlung zur hessischen Militärgeschichte umfasst historische Waffen, Uniformen, Orden sowie Gemälde vom Mittelalter bis zur Angliederung des Kurfürstentums an Preußen (1866). Ergänzt wird diese Sammlung um Militaria des Fürstentums Waldeck-Pyrmont, dessen Fürsten Schloss Friedrichstein erbauen ließen.
  • Der Sammlungskomplex Jagdgeräte und Jagdwaffen des 16. bis 19. Jahrhunderts stammt aus ehemals landgräflichem Besitz. Diese Objekte zeigen den Reichtum und die Vielgestaltigkeit einer fürstlichen Jagdkammer.[18]

Schloss und Park Wilhelmsthal

Schloss Wilhelmsthal, Gartenansicht

Das Schloss Wilhelmsthal, bei Calden in der Nähe von Kassel, gilt als eines der schönsten Rokoko-Schlösser Deutschlands. Es wurde unter Landgraf Wilhelm VIII. von Hessen-Kassel zwischen 1747 und 1761 nach den Entwürfen des Münchner Hofarchitekten François de Cuvilliés erbaut. Die Innenräume wurden von dem Bildhauer Johann August Nahl gestaltet. Die Schlossräume und ihre Einrichtung und Ausstattung können innerhalb einer Führung besichtigt werden.[19]

Weblinks

Webpräsenz der Museumslandschaft Hessen Kassel

Einzelnachweise

  1. Absatz nach Museumslandschaft Hessen Kassel. Zur Geschichte, 2010, online unter http://www.museum-kassel.de/index_navi.php?parent=1023, abgerufen am 29. August 2011
  2. Absatz nach Museumslandschaft Hessen Kassel. Standorte. Bergpark Wilhelmshöhe, 2010, online unter http://www.museum-kassel.de/index_navi.php?parent=1312, abgerufen am 29. August 2011
  3. Absatz nach Museumslandschaft Hessen Kassel. Standorte. Herkules und Oktogon, 2010, online unter http://www.museum-kassel.de/index_navi.php?parent=1316, aufgerufen am 30. August 2011
  4. Absatz nach Museumslandschaft Hessen Kassel. Standorte. Weißensteinflügel, 2010, online unter http://www.museum-kassel.de/index_navi.php?parent=1313
  5. Absatz nach Museumslandschaft Hessen Kassel. Sammlungen. Antikensammlung, 2010, online unter http://www.museum-kassel.de/index_navi.php?parent=1024
  6. Absatz nach Museumslandschaft Hessen Kassel. Sammlungen. Gemäldegalerie Alte Meister, 2010, online unter http://www.museum-kassel.de/index_navi.php?parent=1025
  7. Absatz nach Museumslandschaft Hessen Kassel. Sammlungen. Graphische Sammlung, 2010, online unter http://www.museum-kassel.de/index_navi.php?parent=1029
  8. Absatz nach Museumslandschaft Hessen Kassel. Standorte. Löwenburg, 2010, online unter http://www.museum-kassel.de/index_navi.php?parent=1315
  9. Absatz nach Museumslandschaft Hessen Kassel. Standorte. Ballhaus, 2010, online unter http://www.museum-kassel.de/index_navi.php?parent=1055, aufgerufen am 30. August 2011
  10. Absatz nach Museumslandschaft Hessen Kassel. Standorte. Großes Gewächshaus, 2010, online unter http://www.museum-kassel.de/index_navi.php?parent=1314, aufgerufen am 30. August 2011
  11. Absatz nach Museumslandschaft Hessen Kassel. Standorte. Park Karlsaue mit Insel Siebenbergen, 2010, online unter http://www.museum-kassel.de/index_navi.php?parent=1317, aufgerufen am 30. August 2011
  12. Absatz nach Museumslandschaft Hessen Kassel. Standorte. Orangerie, 2010, online unter http://www.museum-kassel.de/index_navi.php?parent=1060, aufgerufen am 30. August 2011
  13. Absatz nach Museumslandschaft Hessen Kassel. Sammlungen. Astronomisch-Physikalisches Kabinett, 2010, online unter http://www.museum-kassel.de/index_navi.php?parent=1035, aufgerufen am 30. August 2011
  14. Absatz nach Museumslandschaft Hessen Kassel. Standorte. Planetarium, 2010, online unter http://www.museum-kassel.de/index_navi.php?parent=1044, aufgerufen am 30. August 2011
  15. Absatz nach Museumslandschaft Hessen Kassel. Standorte. Marmorbad, 2010, online unter http://www.museum-kassel.de/index_navi.php?parent=1318, aufgerufen am 30. August 2011
  16. Absatz nach Museumslandschaft Hessen Kassel. Standorte. Torwache, 2010, online unter http://www.museum-kassel.de/index_navi.php?parent=1057, aufgerufen am 30. August 2011
  17. Absatz nach Museumslandschaft Hessen Kassel. Standorte. Museum Schloss Friedrichstein, 2010, online unter http://www.museum-kassel.de/index_navi.php?parent=1061, aufgerufen am 30. August 2011
  18. Absatz nach Museumslandschaft Hessen Kassel. Sammlungen. Jagdkammer und hessische Militärgeschichte, 2010, online unter http://www.museum-kassel.de/index_navi.php?parent=1036, aufgerufen am 30. August 2011
  19. Absatz nach Museumslandschaft Hessen Kassel. Standorte. Schloss und Park Wilhelmsthal, 2010, online unter http://www.museum-kassel.de/index_navi.php?parent=1319, aufgerufen am 8. September 2011

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