München-Augsburger Abendzeitung


München-Augsburger Abendzeitung

Die München-Augsburger Abendzeitung war eine konservative, protestantische Zeitung, welche unter variierenden Bezeichnungen und Namen von 1609 bis zum 31. Mai 1932 veröffentlicht wurde.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Avisa Relatio oder Zeitung

1609 und 1610 wurde in Augsburg die Avisa Relatio oder Zeitung verlegt, welche eine Weiterentwicklung, der bis 1604 geschriebenen, Fuggerzeitung war. Als Drucker der Avisa gilt der Augsburger Bürger Hans Schultes (auch Schulthaiß). Dieser hatte schon 1577 eine neue Zeitung über einen Kometenstern und über eine Erscheinung am 6. März 1582 am Himmel von Augsburg eine wahrhaftige und erschröckliche neue Zeitung druckte. 1627 druckte der Sohn von Hans Schultes, Lucas Schultes in Oettingen in Bayern eine Continuation der Augspurger Zeitung und eine Continuation der Nürnberger Zeitung. Im Dreißigjährigen Krieg, 1634 und 1635 druckte Lucas Schultes die Continuation der Augspurger Zeitung in Nördlingen, wo er 1634 oder 1635 starb. Seine Witwe heiratete den Buchdrucker Heinrich Thorhammer, welcher die Continuation der Augspurger Zeitung weiter druckte. Heinrich Thorhammer starb am 18. August 1648 im Kuhkrieg. Sein Stiefsohn Friedrich Schultes führte die Zeitung fort. Von 1646 bis 1696 wurden keine Zeitungen gefunden weshalb angenommen wird, dass die Verheerungen des dreißigjährigen Krieges zu einer Unterbrechung des Zeitungswesens geführt haben.

Wochentlich-Ordinari-Postzeitung

Die Wochentlich-Ordinari-Postzeitung wurde von Jakob Koppmair in Augsburg gedruckt, welcher der Schwiegersohn des Johann Kaspar Schultes war, welcher der Sohn des Friedrich Schultes war. Dem Jakob Koppmair folgte 1703 sein Schwiegersohn Andreas Maschenbauer (1660-1772) und diesem der Augsburger Verleger, Zeitungsherausgeber, Meteorologe und Astronom Kupferstecher Johann Andreas Erdmann Maschenbauer (1719-1773). Da Johann Andreas Erdmann Maschenbauers Zeitungen als überkonfessionelle offiziöse Anzeigenblätter vom Magistrat der Stadt Augsburg [1] genutzt wurden, verstand er die Augsburger Zensurbehörde zu seinem nicht, zuletzt wirtschaftlichen, Schutz: 1748 erfindet er, anonym, en passant, in seiner Ode an den Zensor, die Heuschrecke :

Zwischen den in unsern tagen so fürchterlichen und schädlichen heuschrecken, die gantze länder verderbe, und zwischen den vielen unverschämten buchhändlern, besonders ausländern, welche sich nicht scheuen, die gefährlichsten und gottlosesten bücher öffentlich in die welt zu schicken, ist gar füglich und ohne mercklichen zwang eine vergleichung anzustellen. Die heuschrecken fressen an den orten, wo ihr schwarm hinfällt, alles laub und gras ab. Die gewinnsüchtigen buchhändler, welche schriften verlegen, die durch frechheit und geilheit reitzen, verzehren dadurch in den hertzten junger menschen die ohnedem meistens zu aussweiffungen geneigt sind, auch sogar den letzten rest der tugend und machen selbige gleichsam zu leeren und wüsten feldern. Die heuschrecken hinterlassen, wenn sie wegziehen, eine menge von eyern, dergestalt, daß durch ihre brut- und nachkommenschaft die armen menschen noch gequält und in schaden gesetztet werden; von unbedeutsamen und frevelhaften buchhändlern bleibt, wenn sie einmal aus der welt wandern müssen,ihr verdammlicher verlag übrig, der viele menschen noch in späten jahren ins verderben stürtzt. Nur ein wichtiger unterschied findet sich zwischen den heuschrecken und solchen buchhändlern, die wir jetzto abmahlen, daß nemlich die erstere böses ohne bösen willen thun; da hingegen die letztern aus der niederträchtigsten absicht unglück stifften. [2]

Am 1. Januar 1802 erwarb Johann Georg Fetzer die Zeitung von den Maschenbauerschen Erben. Der von dem ersten Bayrischen König, Maximilian Joseph gewährte Privilegienbrief hat folgenden Wortlaut:

Wir Maximilian Joseph von Gottes Gnaden König von Bayern etc, etc, urkunden und fügen andurch zu wissen: Nachdem uns der bürgerliche Handelsmann Johann Georg Fetzer in Augsburg um Verleihung eines Privilegiums zum Verlag der so betitelten Augsburgischen Ordinari Zeitung der neuesten historischen, politischen und gelehrten Nachrichten und merkwürdigen Begebenheiten allerunterthänigst gebeten und Wir Uns auch bewogen gefunden, dieser Bitte zu willfahren, so erteilen Wir ihm hiemit allergnädigst die Freyheit die erwähnte Zeitung, so lange bis wir es anders zu verfügen für gut finden werden, alleine, ohne fremden Eingriff in offenen Druck lege, feilhaben, verkaufen u. versenden zu dürfen. Diesem gemäß gebieten Wir sämmtlichen Unterthanen Unserer Königlichen Staaten, namentlich allen u. jeden darin angesessenen Buchdruckern u. Buchhändlern, sich während dem Bestande des Privilegiums, wider Wissen und Willen des Privilegierten, unter keinerlei Forme und auf keinerlei Weise, weder mittel- noch unmittelbar eines Nachdrucks oder Debits der ermeldeten Zeitung anzumassen, Alles bey Vermeidung Unserer Allerhöchsten Ungnade, Hinwegnahme der unbefugt gemachten oder beigeschafften Auflage u. Verwirkung einer zur Hälfte Unserer Staatskassen, zur Hälfte dem Verleger zufallenden Strafe von Hundert Dukaten. Jedoch soll derselbe bei unmittelbarem Verluste des Privilegiums schuldig u. gehalten sein die von Unserer Landesstelle in Schwaben anzuordnende Zensur seiner Zeitung in seinem Fall zu umgehen und von jedem erscheinenden Blatte sechs Exemplarien an die gedachte Landesstelle u. zwölf an Unser geheimes Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten posttäglich einzusenden. Zur Urkunde dessen haben Wir gegenwärtigen Brief allerhöchst eigenhändig vollzogen und mit Unserem größeren königlichen Sekret Insiegel befestigt. Gegeben in Unserer Haupt- und Residenzstadt München am zwanzigsten Tag des Monats März im Ein Tausend acht-Hundert u. siebentem Jahre, Unseres Reiches im zweiten Auf königlichen Allerhöchsten Befehl von Flad. Freiherr von Montgelas.

Fetzer und dessen Erben Daniel und Lydia Credé geborene Fetzer blieben bis 1827 Eigentümer der Zeitung, welche sie ab 1818 an August Bäumer verpachtet hatten. 1827 erwarb J.C. Wirth den Verlag.

Augsburger neuste Nachrichten

Ab dem 1. April 1862 firmierte die Maschenbauersche Zeitung unter dem Namen Augsburger neuste Nachrichten.

München-Augsburger Abendzeitung

1904 erwarb die F. Bruckmann A.G. München, Zweigniederlassung Augsburg den Zeitungsverlag. Am 2. September 1912 gingen die Augsburger neuste Nachrichten in der München-Augsburger Abendzeitung auf und der Betrieb wurde nach München in die Paul-Heyse-Straße 9 verlegt. Die Architekten des Gebäudes waren Baugeschäft Liebergesell & Lehmann in München. Im Gebäude ist heute die Redaktion des Münchner Merkurs. 1914 wurde die tägliche Auflage mit »49.000 (auch Sonntags). An 4343 Postorten gleichmäßig über das ganze Königreich Bayern und die angrenzenden Bezirke einschließlich der Bayrischen Rheinpfalz verbreitete in den kaufkräftigen guten und besten Bevölkerungskreisen« angegeben. 1914 veröffentlichte der 16jährige Bertolt Brecht in seiner Heimatstadt auch in der München-Augsburger Abendzeitung [3]. Im ersten Weltkrieg veröffentlicht Oskar Maria Graf Kurzgeschichten und Rezensionen in der München-Augsburger Abendzeitung.

1917 hatte Alfred Hugenberg die VERA, Verlagsanstalt GmbH, Geschäftssitz Berlin, gegründet. Sie ist eine Fachberatungsstelle für Großindustrielle, welche Eigentümer von Zeitungen werden. [4] Das Public Relations Angebot Hugenbergs wurde von der Schwerindustrie genutzt. Die vom Hugenberg-Konzern erworbenen Massenmedien wurden in der Weimarer Republik nicht wirtschaftlich saniert, sie wurden, bis sie 1933 an die NSDAP verkauft wurden in prekären Verhältnissen gehalten, so konnte effektiv die Meinung der Herrschenden, zur herrschenden Meinung gemacht werden. Am 28. September 1917 verteidigte Ludwig Thoma die Ziele der Deutschen Vaterlandspartei, gegen SPD und Liberale. [5]

Chefredakteur bei der MAA war Dr. Friedrich Karl Möhl (*1875), war im Juli 1932 Theaterkritiker bei der Bayrischen Staatszeitung und schreibt schließlich 1937 ein Buch zu 100 Jahre Krauss-Maffei. 1920 hatte der Hugenberg-Konzern die Mehrheitsanteile der München-Augsburger Abendzeitung erworben, sie wurde das Parteiblatt der DNVP. [6] 1920 wird die München-Augsburger Abendzeitung von VERA "unterstützt", was aber ihre finanzielle Schwierigkeiten nicht löst. :1920 wird die München-Augsburger Abendzeitung als der rechter Flügel der Münchner Presse beschrieben, welcher früher rechtsliberal ist nun deutschnational. Seit dem Kapp-Putsch 1920 tauchten weitere rechtsgerichtete Autoren aus Norddeutschland auf, welche teilweise auch mit bayrisch separatistischen Tendenzen gegen Berlin kokettieren [7].

Auch der evangelische Pastor Gottfried Traub, Chefredakteur der MAA von 1921 bis 1925 kam in Folge des gescheiterten Kapp Putsches ins antidemokratische Reservat Bayern. 1928 wurde Alfred Hugenberg zum Parteivorsitzenden der DNVP gewählt. 1928 war die Münchner Redaktion der München-Augsburger Abendzeitung, in der Paul-Heyse-Str. 9 (I), im Parterre war das Münchener Druck- und Verlagshaus, der zweite Stock war die Adresse des Deutschen Volksverlages mit seiner antijüdischen Zeitung Der Weltkampf und eine c/o Adresse von Alfred Rosenberg im dritten Stock war die Münchner Hauptgeschäftsstelle der DNVP. [8] Der spätere Reichspressechef Otto Dietrich aus Essen war von 1926 bis 1928 Redakteur der Essener Allgemeinen Zeitung. Julius Friedrich Lehmann wollte als Gesellschafter bei der München-Augsburger Abendzeitung (MAA) größeren Einfluss gewinnen. 1928 wechselte Otto Dietrich von der Essener Allgemeinen Zeitung kurzzeitig zur München-Augsburger Abendzeitung, wo er den Handelsteil leitete. 1929 trat Dietrich der NSDAP (Mitglieds-Nr. 126.727) bei. Die Redaktion der München-Augsburger Abendzeitung demonstrierte spätestens seit den Septemberwahlen von 1930 offene Sympathie für die NSDAP.

Literatur

  • Johann Andreas Erdmann Maschenbauer, sein Augsburger Intelligenz-Zettel und der Buchmarkt in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. In: Pressewesen der Aufklärung. Periodische Schriften im Alten Reich. Hg. von Sabine Doering-Manteuffel, Josef Manal und Wolfgang Wüst. Berlin 2001

Anmerkungen

  1. Obrigkeitliche Verordnung in deß Heil. Reichs Stadt Augspurg, die Aufhebung deß fremden, und hiesigen Kirchen- Häuser- und Gassen-Bettels betreffend. Augsburg, Maschenbauer 1711. Verbot der privaten Almosengaben, Unterhalt einer Armenanstalt, Abschiebung fremder Bettler
  2. Augsburger Intelligenzzettel (AIZ) 31/1748 Artikel 15; Wolfgang Wüst: Aufklärung und Herrschaft. in Jahresbericht Heimatverein Landkreis Augsburg 1987/88 (1990). S. 164-191, hier S. 176f.
  3. http://www.club.it/culture/poesie-politica/helmut.gier/indice-i.html
  4. http://www.polunbi.de/pers/hugenberg-01.html
  5. Ludwig Thoma, Deutschland wach auf:, in München-Augsburger Abendzeitung Nr. 511 vom 28. September 1917.
  6. http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_44572
  7. http://www.bundesarchiv.de/aktenreichskanzlei/1919-1933/1020/feh/feh1p/kap1_2/para2_139.html
  8. http://www.tnp.ee/download/Alfred%20Rosenberg_649-819.pdf

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