Münsterwalde


Münsterwalde
Gniew
Wappen von Gniew
Gniew (Polen)
DEC
Gniew
Gniew
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Pommern
Landkreis: Tczew
Fläche: 6,23 km²
Geographische Lage: 53° 50′ N, 18° 49′ O53.83333333333318.8166666666677Koordinaten: 53° 50′ 0″ N, 18° 49′ 0″ O
Höhe: 10 m n.p.m
Einwohner: 6.779 (30. Juni 2008[1])
Postleitzahl: 83-140
Telefonvorwahl: (+48) 58
Kfz-Kennzeichen: GTC
Wirtschaft und Verkehr
Straße: ŚwiecieDanzig
Nächster int. Flughafen: Danzig
Gemeinde
Gemeindeart: Stadt- und Landgemeinde
Fläche: 194,78 km²
Einwohner: 15.564 (30. Juni 2008[1])
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Bogdan Badziong
Adresse: pl. Grunwaldzki 1
83-140 Gniew
Webpräsenz: www.gniew.pl

Gniew (deutsch Mewe) ist eine polnische Kleinstadt im Powiat Tczewski der Woiwodschaft Pommern mit fast 7.000 Einwohnern.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Geografische Lage

Gniew liegt im Tal der Unteren Weichsel oberhalb der Mündung der Ferse (Wierzyca), rund 60 km südöstlich von Danzig und 35 km nördlich von Grudziądz.

Das Gemeindegebiet erstreckt sich links der Weichsel und wird von Nord nach Süd von der wichtigen Staatsstraße Droga krajowa 1 durchzogen.

Geschichte

Blick auf Gniew mit Stadtpfarrkirche und Deutschordensburg
Die Deutschordensburg

Auf exponierter Lage über der Weichsel und der Ferse – der Name Gniew ist slawischen Ursprungs und bedeutet Erhebung[2] – gab es wohl bereits im 7. Jahrhundert eine erste befestigte Siedlung, die im 11. Jahrhundert dem polnischen Staat bzw. dem Herrschaftsbereich pomerellischer Herzöge angeschlossen wurde. 1229 erhielt das Kloster Oliva das Mewer Land als Schenkung von Herzog Sambor II. und in diesem Zusammenhang wurde auch die Stadt erstmals erwähnt.

Jedoch besetzte Sambor während des Krieges mit seinem Bruder Swantopolk II. wieder das Mewer Land und vermachte es in seinem Testament dem Deutschen Orden. Nach seinem Tod konnte es der Orden 1276 in Besitz nehmen und dehnte seinen Machtbereich damit erstmals auch links der Weichsel aus. Aufgrund der strategisch wichtigen Lage Mewes wurde gleich darauf Dietrich von Speier als erster Komtur von Mewe eingesetzt und 1283 wurde mit dem Bau einer Burg (Kommende) in Mewe begonnen. Diese blieb bis 1309 der westlichste Außenposten des Ordenslandes.[3] 1297 erfolgte die Gründung der Stadt Mewe nach Kulmer Recht durch den Landmeister des Ordens Meinhardt von Querfurt.[4] Die neue Stadt an der Weichsel wurde von deutschen Kolonisten besiedelt und entwickelte sich rasch zu einem Umschlagsplatz für Bier, Holz und Weizen.[2] Mewe erhielt einen quadratischen Marktplatz und ein schachbrettartiges Straßennetz und wurde von einer Stadtmauer sowie der Ordensburg geschützt. Die gotische Stadtpfarrkirche St. Nikolai entstand gegen Anfang des 14. Jahrhunderts, zur Wende des 14. zum 15. Jahrhunderts wurde inmitten des Marktes das Rathaus erbaut.

Die Geschichte von Mewe war stets eng mit der Deutschordenburg verbunden. Diese wurde als wichtiger Komturssitz oft von den Hochmeistern aufgesucht. So zog sich nach seiner Abdankung als Hochmeister des Ordens 1422 Michael Küchmeister von Sternberg auf die Burg in Mewe zurück.[3]

Nach der Schlacht bei Tannenberg wurde Mewe samt Burg 1410 von polnischen Truppen besetzt. Infolge des Ersten Thorner Friedens wurde es 1411 aber wieder an den Orden zurückgegeben.[3] Die Auseinandersetzungen zwischen Deutschem Orden und Polen-Litauen dauerten aber weiter an. Während des Dreizehnjährigen Kriegs wurde Hermann Stargard, der Bürgermeister von Danzig, das als Mitglied des Preußischen Bundes im Krieg mit dem Deutschen Orden stand, in der Mewer Ordensburg bis zu seinem Tod 1461 gefangen gehalten.[4] Mewe war zwar sehr früh Mitglied des Preußischen Bundes geworden, stand aber kurz darauf wieder auf Seiten des Ordens, nachdem die Bürgerschaft die Ordensritter wieder in die Stadt gelassen hatte. 1464 endete die enge Verbundenheit der Stadt mit dem Deutschen Orden, als dieser nach sechsmonatiger Belagerung durch Polen die Burg aufgeben musste. Mit dem Friedensschluss von Thorn 1466 wurde Mewe Teil der Krone Polens. Anstelle eines Komturs residierte fortan bis 1772 ein Starost auf der Burg. Da Mewe bei Kriegsende nicht auf Seiten Polens gestanden hatte, wurde in der Folgezeit die Selbstbestimmung der Bürgerschaft eingedämmt, was auch an der Tatsache erkennbar ist, dass sich die Reformation in Mewe im Gegensatz zu anderen Städten in Preußen nicht behaupten konnte.[2]

Schwere Schäden fügte der Stadt der Zweite Schwedisch-Polnische Krieg zu, in dessen Verlauf es 1626 nahe der Stadt zu einer Schlacht kam, in der die polnischen Truppen unter Sigismund III. Wasa den Schweden unter Gustav II. Adolf unterlagen. Von 1667 bis 1696 war Johann Sobieski Starost von Gniew.[4] In seiner Regierungszeit wurde die Stadt wiederaufgebaut und er ließ auf dem Burgberg von 1670 bis 1674 ein Schlösschen (Pałac Marysieńki) für seine Frau Maria Kazimiera Sobieska errichten.

Mit der Ersten Teilung Polens 1772 wurde Mewe preußisch. 1887 wurde Mewe Teil des Landkreises Dirschau. Nach Ende des Ersten Weltkriegs trat an die Stelle der deutschen Verwaltung eine polnische Bürgerwehr, die die Republik Gniew ausrief. Dieser winzige Stadtstaat bestand bis 1920, als Gniew wieder Teil Polens wurde.[2] Aus ungeklärter Ursache brach 1921 ein Brand in der Burg aus, der das Wahrzeichen Gniews schwer beschädigte. Von 1924 bis 1933 war Gniew Kreisstadt des Powiat Gniewski. Die von 1905 bis 1909 erbaute über 1000 m lange stählerne Weichselbrücke bei Münsterwalde, auf polnisch Most w Opaleniu bezeichnet, wurde von 1927 bis 1929 demontiert, da Polen keine Verwendung für eine Brücke hinüber zum ostpreußischen Marienwerder hatte. Teile der Brücke wurden 1934 weichselaufwärts bei Torun für die Pilsudski-Brücke verwendet.[5]

1939 wurde Gniew infolge des Polenfeldzugs Hitlerdeutschlands Teil des Reichsgaus Danzig-Westpreußen. In der Stadt, nun wieder in Mewe umbenannt, wurde ein Umsiedlungslager für Polen aus dem Raum Dirschau eingerichtet. Nach langen Kämpfen wurde Mewe am 7. März 1945 von der Wehrmacht aufgegeben und wurde mit Kriegsende wieder polnisch.

In der Folgezeit wurden die Kriegsschäden behoben und heute erfreut sich Gniew dank seiner gut erhaltenen historischen Altstadt und der Ordensburg großer Beliebtheit bei Touristen.

Einwohnerentwicklung

Die Einwohnerzahlen der Stadt Gniew:[6]

Jahr Einwohner
1875 4.587
1880 4.715
1885 4.499
1890 4.080
1910 3.821
1980 6.200
1995 7.211
2000 6.966
2005 6.809

Politik

Wappen

Blasonierung: In Blau auf goldenem Berge stehend, eine auffliegende silberne Möwe, die einen goldenen Fisch im Schnabel hält.

Städtepartnerschaften

Gniew unterhält mit folgenden Orten Partnerschaften:

Sehenswürdigkeiten

Bürgerhaus am Marktplatz
Der Pałac Marysieńki
  • Wichtigste Sehenswürdigkeit der Stadt ist die Deutschordensburg (Zamek krzyżacki), die größte Burg des Ordens westlich der Weichsel. Ab 1283 wurde an diesem quadratischem Backsteinbauwerk mit Innenhof und einer Seitenlänge von rund 47 Metern gebaut, das die Stadt von der Weichsel abschirmt. Flankiert wird der Kubus von drei schlanken Türmen – anstelle eines solchen Nordturms wurde ein Bergfried mit einem Durchmesser von 12,5 Metern erbaut.[3] In der leer stehenden Burg wurde ab 1772 eine Kaserne angelegt. Später richtete man hier Speicher ein, wobei als Umbaumaßnahmen die Bogenfenster zugemauert und die meisten gotischen Gewölbe abgerissen wurden. Der bauliche Zustand der Burg verschlechterte sich zusehends. Ein Wandel setzte zur Mitte des 19. Jahrhunderts ein, als in der Burg ein Gefängnis eingerichtet wurde und man die mittelalterliche Burg im Zeitgeist der Romantik wiederherstellte und die begangenen Bausünden entfernte. Damals wurde auch der Bergfried bis zur halben Höhe abgerissen und durch einen, den übrigen drei Türmen gleichenden Aufsatz ergänzt. Zerstörungen brachte neben dem Brand von 1921 auch der Zweite Weltkrieg. Vorerst wurde das Bauwerk notdürftig gesichert. 1967 wurde vom örtlichen Betrieb Zakłady Mechanizmów Okrętowych FAMA der Wiederaufbau initiiert, der mit einer zweiten, von der Gemeinde getragenen Aufbau-Phase nach 1992 beendet wurde. Seitdem ist die Burg Veranstaltungsort von historischen Festen, Spektakeln und Ritterturnieren und ein beliebtes touristisches Ziel.[7]
  • Die Stadtpfarrkirche St. Nikolai (kościół Św. Mikołaja) stammt aus dem 14. Jahrhundert. Als ältester Teil dieser dreischiffigen gotischen Backstein-Hallenkirche wurde 1348 der Chor fertiggestellt. Turm und Langhaus werden von Staffelgiebeln bekrönt. In der Folgezeit wurde der Bau mehrfach umgebaut: Im 16. Jahrhundert kamen die Kapellen hinzu und im 19. Jahrhundert wurde die Kirche im Geiste der Gotik renoviert und der Turm aufgestockt. Aus dieser Zeit stammt auch die größtenteils neugotische Innenausstattung. Erhalten konnte sich dagegen das Renaissance-Chorgestühl. Die Sonnenmonstranz aus dem 17. Jahrhundert des Danziger Goldschmieds Christian Schubert II. ist eine der bedeutendsten Polens.
  • Vor allem auf dem Marktplatz (Plac Grunwaldzki) finden sich im Kern gotische Bürgerhäuser, die ab dem 17. Jahrhundert umgebaut wurden. Bei zahlreichen konnten sich aber noch gotische Laubengänge erhalten. Inmitten des Marktes steht das Rathaus im Rundbogenstil, dessen Bau auch aus der Gotik stammt. Die vom Marktplatz abzweigenden Gassen werden von niedriger, kleinteiliger Bebauung aus dem 19. Jahrhundert gesäumt.
  • Vom Barockschloss Pałac Marysieńki, das Johann III. Sobieski von 1670 bis 1674 für seine Frau Maria Kazimiera Sobieska auf dem Burgberg errichten ließ, bietet sich ein schöner Blick auf das Tal der Weichsel und der Ferse.
  • Darüber hinaus konnten sich noch Reste der Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert erhalten.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

  • Hedwig Prohl (* 30. Juni 1823) – Jugendschriftstellerin
  • Iwan Knorr (* 3. Januar 1853) – Komponist und Musikpädagoge
  • Christa Lörcher (* 24. Juni 1941) – deutsche Politikerin und MdB (SPD)

Gemeinde

Die Stadt- und Landgemeinde Gniew zählt auf einer Fläche von 194,78 km² rund 15.000 Einwohner und gliedert sich neben dem gleichnamigen Hauptort in folgende Ortsteile:

  • Brody Pomorskie (Deutsch Brodden)
  • Ciepłe (Warmhof)
  • Gogolewo
  • Jaźwiska (Jesewitz)
  • Jeleń (Jellen)
  • Kolonia Ostrowicka
  • Kuchnia (Küche)
  • Kursztyn (Kurstein)
  • Nicponia (Nichtsfelde)
  • Opalenie (Münsterwalde)
  • Piaseczno (Pehsken)
  • Pieniążkowo (Pienonskowo)
  • Polskie Gronowo (Polnisch Grünhof)
  • Półwieś (Halbdorf)
  • Rakowiec (Rakowitz)
  • Szprudowo (Sprauden)
  • Tymawa (Thymau)
  • Widlice (Fiedlitz)
  • Wielkie Walichnowy (Groß Falkenau)

Verweise

Weblinks

Fußnoten

  1. a b Główny Urząd Statystyczny, „LUDNOŚĆ - STAN I STRUKTURA W PRZEKROJU TERYTORIALNYM“, Stand vom 30. Juni 2008
  2. a b c d Vgl. http://www.gniew.friko.pl/druga.php?co=informacje
  3. a b c d Vgl. http://www.webarchiv-server.de/pin/archiv06/4420061104paz33.htm
  4. a b c Vgl. Danzig & Ostpommern. Vis a Vis, Dorling Kindersley 2000
  5. http://www.brueckenweb.de/datenbank/bruecken/brueckenblatt.php?bas=43535
  6. Quellen der Einwohnerzahlen:
    1885: [1] – 1875, 1880, 1890: [2] – 1910: [3] – 1980: Encyklopedia Powszechna PWN – 1995, 2000, 2005: [4]
  7. Vgl. http://www.zamek-gniew.pl/index.php?mod=more&idsel=53

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