Nagelpilz


Nagelpilz
Klassifikation nach ICD-10
B35.1 Tinea unguium
ICD-10 online (WHO-Version 2011)
Onychomycosis due to Trychophyton rubrum, right and left great toe PHIL 579 lores.jpg

Nagelpilz, auch Nagelmykose, Onychomykose oder Tinea unguium ist eine Dermatophytose (Pilzinfektion) der Zehen- oder Fingernägel durch Dermatophyten, also Sprosspilze oder Fadenpilze. Prädisponiert sind Patienten mit Diabetes mellitus, Durchblutungsstörungen, Nagelekzemen und Nagelpsoriasis. Begünstigend ist ferner ein feucht-warmes Milieu, Zehennägel sind daher häufiger als Fingernägel betroffen.

Inhaltsverzeichnis

Erreger

Erreger sind überwiegend Dermatophyten der Gattung

Nagelpilzerkrankungen können auch durch Hefepilze (Candida-Spezies) oder Schimmelpilze ausgelöst werden, diese Erkrankungen zählen aber nicht zu den Dermatophytosen.

Ursachen und Folgen

Dermatophyten wachsen gut in der feuchten Wärme lang getragener Schuhe. Krankheiten wie Diabetes mellitus, Durchblutungsstörungen, Entzündungen der Nägel und besonders Immunschwäche, z. B. durch hohes Alter, eine Erkrankung wie AIDS oder eine Chemotherapie, schwächen die Körperabwehr.

Nagelpilz ist keine schwere, aber eine häufige Erkrankung. Fünf bis zwölf Prozent der Europäer tragen Dermatophyten in den Nägeln, die Häufigkeit steigt mit dem Alter.

Symptome

  • Glanzlosigkeit des Nagels
  • weiße oder gelbliche Verfärbungen am Nagelrand
  • weißliche, gelbe oder grau-braune Flecken im Nagel
  • Verdickungen der Nagelplatte

Diagnostik

Vom befallenen Nagel werden Hornteile abgeschabt und direkt mikroskopisch untersucht. Die Hyphen sind dort sichtbar und die Diagnose kann unmittelbar gestellt werden. Für eine genaue Identifizierung der Pilzart ist jedoch eine dreiwöchige Anzüchtung in Kultur nötig. Meist reicht jedoch die optische Diagnose aus, da die Symptome charakteristisch sind.

Therapie

Der befallene Nagel wird, je nach Schwere der Infektion, mit einem Keratolytikum, beispielsweise Harnstoffsalbe, aufgeweicht und abgelöst, was etwa ein bis drei Wochen dauert. Es ist praktikabel, bei schwerem Verlauf einer Onychomykose den befallenen Nagel mittels Lasertherapie aufzulösen. Hierbei wird der Nagel radikal von der Nagelmatrix durch den Erbium-Laser verdampft. Eine operative Entfernung durch Ziehen des befallenen Nagels wird nicht mehr empfohlen, da die zusätzliche Verletzung den Heilungsverlauf stört.

Anschließend erfolgt in der Regel eine örtliche Behandlung (Lokaltherapie) von Nagelbett und nachwachsendem Nagel mit antimykotischer Creme oder antimykotischem Nagellack auf der Basis von Bifonazol, Ciclopirox oder Amorolfin.

Bei ausgedehntem Befall und in Sonderfällen (mehr als drei Zehennägel sind infiziert) muss bisweilen auch eine systemische Therapie mit den oralen Antimykotika Griseofulvin, Itraconazol, Terbinafin oder Fluconazol durchgeführt werden. Wichtig ist die ausreichende Dauer der Behandlung, die insgesamt meist über drei bis sechs Monate geht; je nach Schwere der Infektion auch bis zu zwölf Monaten und länger (Intervalltherapie).

Die Behandlung ist nicht selten erfolglos und die Rückfallquote ist hoch,[1] nicht zuletzt weil immer mehr Pilzspezies gegen Antimykotika unempfindlich werden. Auch können bei vielen der genannten Medikamente schädliche Nebenwirkungen auftreten, etwa ein klinisch signifikanter Transaminasenanstieg.[2]

Allgemeinhygienische Maßnahmen wie Desinfizieren der Socken sind in der Regel notwendig.

Naturheilkundlich, also ohne Einsatz von Medikamenten, wird alternativ der befallene Teil des Nagels abgeschliffen und der Bereich über viele Wochen morgens und abends mit 5-25%igem Essig betupft. Der Pilz benötigt ein basisches Milieu und soll sich durch die Essigbehandlung langsam zurückbilden, während der Nagel nachwächst. Ein feuchtwarmes Klima im Schuh ist grundsätzlich zu vermeiden, und Haut und Nägel müssen mit einer Creme vor Versprödung geschützt werden. Möglichst offene und atmungsaktive Schuhe, die auch die Zehen nicht einengen, und Naturfasern für Strümpfe sind erforderlich.

Komplikationen

Onycholysis des Nagels (Ausfallen) und Zerstörung des Nagelbettes. Befall weiterer Nägel.

Einzelnachweise

  1. Pharmazeutische Zeitung -Archiv: Nagelpilz - Oft Begleiterscheinung anderer Erkrankungen
  2. Laborlexikon

Weblinks

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