Peruzzi

Peruzzi

Peruzzi, 1) Baldassare, ital. Maler und Architekt, geb. 7. März 1481 in Occajano bei Siena, gest. 6. Jan. 1536 in Rom, kam 1503 nach Rom, wo er sich in der Malerei nach Raffael, in der Baukunst nach Bramante und den antiken Denkmälern bildete. Nachdem er seine Laufbahn als Freskomaler begonnen (Sibyllen in San Pietro in Montorio und Malereien im Chor von San Onofrio), erbaute er 1509 bis 1511 die Villa Farnesina (s. d.), in der er auch die dekorativen Malereien ausführte, von denen die Deckenmalerei ein Meisterwerk in der architektonischen Einteilung, der Perspektive und der Farbenharmonie ist. Mit der Farbe verband er gewöhnlich plastische Wirkungen durch Anwendung von Stuck. Dann führte er eine Reihe von Fresken aus der altrömischen Geschichte im Konservatorenpalast aus, und 1516 malte er in einer Kapelle in Santa Maria della Pace eine Madonna mit Heiligen und Stifter, der später eine Darstellung der Maria im Tempel in derselben Kirche folgte. Nach Raffaels Tode wurde P. zum Baumeister der Peterskirche ernannt, ohne daß er jedoch einen entscheidenden Einfluß auf den Bau ausüben konnte. Nach der Plünderung Roms (1527) ging er nach Siena, wo er eine Zeitlang als Baumeister der Republik und Architekt des Domes tätig war. Auch hat er dort ein Fresko (Kaiser Augustus und die Sibylle von Tibur) in der Kirche Fontegiusta und ein Paris-Urteil in der Villa Belcaro gemalt. Auch in Montepulciano, Bologna und Carpi hat er gebaut. Als Architekt zeichnete er sich durch edle Formen und reizende Perspektivwirkung aus. Sein letztes architektonisches Werk in Rom war der Palazzo Massimi alle Colonne (s. Massimi), den er selbst nicht mehr vollenden konnte. Er wurde im Pantheon neben Raffael beigesetzt. Vgl. Weese, B. Peruzzis Anteil an dem malerischen Schmuck der Villa Farnesina (Leipz. 1894). – Auch sein Sohn Giovanni Sallustio P. hat sich als Architekt bekannt gemacht.

2) Ubaldino, ital. Staatsmann, aus altem Florentiner Geschlecht, geb. 2. April 1822 in Florenz, gest. 9. Sept. 1891, studierte in Siena die Rechte, besuchte die École des mines in Paris und die Bergakademie in Freiberg und machte sodann während mehrerer Jahre Reisen. 1848 ernannte ihn das Ministerium Guerrazzi-Montanelli zum Bürgermeister (Gonfaloniere) von Florenz. Als Anhänger der konstitutionellen Partei 1850 von der Regierung abgesetzt, zählte er seitdem zu den gefeiertsten Führern der liberalen Patrioten. 1859 war er Mitglied der Ende April gebildeten provisorischen Regierung, dann Vizepräsident der Konsulta von Toskana und wurde nach der Annexion Toskanas 1860 Vertreter von Florenz im italienischen Parlament. 1861 berief ihn Cavour als Minister der öffentlichen Arbeiten in das Kabinett, und diesen Posten behielt P. auch unter Ricasoli bis Anfang März 1862. Ende d. J. übernahm er das Ministerium des Innern. Die Septemberkonvention 1864, die den Sturz des Ministeriums zur Folge hatte, erregte besonders gegen P. Entrüstung in Turin, weil man ihm vor allen die Verlegung des Sitzes der Regierung nach Florenz zuschrieb. Seitdem war er in der Kammer Führer der »Toscaner« oder »Liberisten«, deren Abfall von der ministeriellen Majorität 1876 der Consorteria die Herrschaft entriß. Das Amt eines Bürgermeisters von Florenz, zu dem er wieder gewählt worden war, legte er 1878, als Florenz seine Zahlungen einstellen mußte, nieder. 1890 wurde er zum Senator des Königreichs ernannt. Vgl. Piccini (Jarro), Vita di Ubaldini P. (3. Aufl., Flor. 1897).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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