Loyola

Loyola

Loyola (spr. lojōla), Ignaz von, eigentlich Inigo Lopez de Recalde, der Stifter des Ordens der Jesuiten, geb. 1491 auf dem Schloß L. in der baskischen Provinz Guipuzcoa, gest. 31. Juli 1556, verlebte seine Jugend als Page am Hofe Ferdinands des Katholischen und wurde bei der Verteidigung von Pamplona gegen die Franzosen (1521) am rechten Bein schwer verwundet. Während der Heilung durch Lesen von Heiligenlegenden zum religiösen Schwärmer geworden, verteilte er nach seiner Herstellung seine Güter unter die Armen, pilgerte nach dem Kloster Montserrat, weihte hier dem wundertätigen Marienbild seine Waffen, erklärte sich zum Ritter der heiligen Jungfrau, lebte in einer Grotte in der Nähe von Manresa ganz der Selbstpeinigung und Kontemplation und schaute in zahlreichen Visionen die Geheimnisse der Dreieinigkeit, Weltschöpfung, Menschwerdung und des Teufels. 1523 pilgerte er nach Palästina, um sich der Bekehrung der Mohammedaner zu weihen, kehrte jedoch 1524 über Venedig nach Barcelona zurück und begann hier das Studium der lateinischen Grammatik. Zwei Jahre später bezog er die Universitäten Complutum (Alcala) und Salamanca, an beiden Orten durch die übernommene Seelenleitung von Männern und Frauen die Blicke der Inquisition auf sich ziehend, die in ihm ein Glied der mystischen Sekte der Alumbrados (s. d.) witterte und ihn mehrfach einsperrte; 1528 begab er sich nach Paris und gründete hier mit Laynez, Salmeron, Bobadilla, Rodriguez, Pierre Lefèvre und Franz Xaver 1534 eine fromme Verbindung; sie gelobten, in Jerusalem Krankenpflege und Mission zu üben. Da indes einige ihre Studien noch nicht beendet hatten, kehrte L. bis zu diesem Zeitpunkt nach Spanien zurück. 1537 trafen sie aufs neue in Venedig zusammen, wo L. den neuen Orden der Theatiner (s. d.) kennen lernte, der ihn in der Überzeugung stärkte, daß die innere Mission in der Kirche zunächst wichtiger sei als die äußere. So bildete er seine Gesellschaft zu einer Priestergesellschaft um mit dem Zweck, sich nicht nur dem eignen Seelenheil, sondern auch dem der Mitmenschen zu widmen, und beschloß gleichzeitig, dies »Fähnlein Jesu« (»Compañia Jesu«) unter den Oberbefehl des Papstes zu stellen (s. das Nährere im Art. »Jesuiten«). In Rom, wohin sich L. 1538 begab, wurde die Reinheit seiner Lehre und Pläne anfangs stark in Zweifel gezogen. Endlich erteilte Papst Paul III. dem neuen Orden 27. Sept. 1540 die vorläufige und 1543 die unbedingte Bestätigung. L. wurde zum ersten Ordensgeneral erwählt (1541), verrichtete aber auch als solcher in der Kirche seines Ordenshauses in Rom die niedrigsten Dienste, widmete sich dem Unterricht von Kindern, sammelte Almosen zur Bekehrung der Juden und Freudenmädchen. 1550 gründete er das Collegium Romanum, 1552 das Collegium Germanicum (s. Collegia nationalia oder pontificia). War er früher Ekstatiker und Schwärmer im Exzeß gewesen, so entfaltete er in seiner Stellung als Ordensgeneral jene seine Weltkenntnis und gefährliche Politik, die seither Erbteil seines Ordens geblieben sind. 1622 wurde er von Gregor XV. heilig gesprochen. Sein Tag ist der 31. Juli. Man besitzt von L. zwei Werke in spanischer Sprache: die »Ordenskonstitutionen« (lateinisch, gedruckt zuerst Rom 1583) und »Geistliche Übungen« (beste Ausgabe von Martin, Bilbao 1887; deutsch von Handmann, Regensb. 1904). Seine Briefe wurden u. d. T.: »Cartas de San Ignacio de Loyola« (Madr. 1874–90, 6 Bde.) herausgegeben. Sein Leben beschrieben D. Bartoli (Rom 1565; vervollständigte franz. Ausg. von Michel, Lille 1893, 2 Bde.), Ribadeneira (Neapel 1572), Maffei (Rom 1585), Bouhours (Par. 1679), Brühl (Würzb. 1846), Genelli (Innsbr. 1848; neubearbeitet von V. Kolb, Wien 1894), Daurignac (Par. 1859; deutsch, Frankf. 1865), Denis (Brüssel 1885, 2 Bde.), Nieuwenhoff (Amsterd. 1892–93, 2 Bde.; deutsch, Regensb. 1901, 2 Bde.) u.a. Vgl. außer der beim Artikel »Jesuiten« angegebenen Literatur Spuller, Ignace de L. et la compagnie de Jésus (Par. 1877); Druffel, Ignatius von L. an der römischen Kurie (Münch. 1879); Gothein, Ignatius von L. und die Gegenreformation (Halle 1895; kürzere Bearbeitung unter den Schriften des Vereins für Reformationsgeschichte, das. 1886); H. Müller, Les origines de la compagnie de Jésus. Ignace et Lainez (Par. 1898); Böhmer, Die Bekenntnisse des Ignatius von L. (Leipz. 1902); Holl, Die geistlichen Übungen des Ignatius von L. (Tübingen 1905).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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