Vehmgerichte

Vehmgerichte. Die Entstehung dieser heimlichen oder Stillgerichte fällt aller Wahrscheinlichkeit nach in das Jahr 1182, wo nach Heinrich's des Löwen Sturze Westphalen an Köln fiel. Der Sage nach war Engelbert, Erzbischof zu Köln (1216–25), der erste Freigraf. Diese V. wurden, bis auf wenige Ausnahmen, alle in Westphalen gehalten (gehegt), besonders zu Dortmund und Arnsberg. Die gewöhnlichen Mitglieder hießen die Wissenden; aus diesen wurden zum Richteramt die Freischöppen gewählt; der Vorsitzende hieß der Freigraf, das Gericht desselben Freiding, der Ort, wo es gehalten, Freistuhl und der Sprengel der Gerichtsbarkeit Freigrafschaft. Ueber mehreren Freigrafen stand der Stuhlherr, gewöhnlich der Landesherr des Gerichtsgebietes; und über allen als oberster Stuhlherr der Kaiser oder im Falle dieser nicht zu den Wissenden gehörte, der Erzbischof von Köln, als Herzog von Westphalen. Die Gerichte waren theils öffentlich (offene Freigerichte), theils heimlich. Letzteres, oder das eigentliche heimliche Gericht, die heimliche Acht, wurde des Nachts an abgelegenen Orten gehalten und urtheilte über Todverbrechen. Düstere Majestät lag dann ausgebreitet über die Gerichtsbänke (Gerichtsspannen), und todtenstill saßen die Richter tief in schwarze Mäntel vermummt und harrten des Vorgeladenen und seiner Eidschwüre. Die Vorladungsschrift wurde an die Thür des Beklagten angeheftet; an diese that der Ueberbringer drei Schläge und hieb von ihr, zum Zeichen, daß er da gewesen, drei Späne ab. In bestimmten Nächten warteten Wissende auf bestimmten Kreuzwegen der Geladenen und führten sie vor Gericht, wo sie freigesprochen oder verurtheilt (verfehmt) wurden. Im letzteren Falle wurden sie 'an einen Baum geknüpft oder ermordet, und das eigens bezeichnete Mordwerkzeug daneben gelegt, damit Jedermann wisse, daß die Vehme das Urtheil vollzogen. Das letzte V. wurde 1568 bei Zelle gehalten.

B.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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  • Vehmgerichte — Vehmgerichte, s. Femgerichte …   Herders Conversations-Lexikon

  • Vehmgerichte — Vehmgericht Vehm ge*richt, n.; pl. {Vehmgerichte}. [G. vefm, fehm criminal tribunal + gerichte court, judgment. Cf. {Vehmic}.] A vehmic court. [Webster 1913 Suppl.] …   The Collaborative International Dictionary of English

  • VEHMGERICHTE —    or FEHMGERICHT    a tribunal in Germany during the Middle Ages, of which there were several, all powerful, in connection with a secret organisation under sanction of the emperor for the enforcement of justice and punishment of crime at a… …   The Nuttall Encyclopaedia

  • Feme — Ein Fem(e)gericht (zwölf Schöffen und der Freigraf). Miniatur im Herforder Rechtsbuch (um 1375) Der Begriff Feme (auch Veme) wird vor allem für die Gerichtsbarkeit der Femegerichte und die von diesen verhängte Strafe verwendet. Oft wurde ein… …   Deutsch Wikipedia

  • Gespickter Hase — Verwendung des Folterinstruments Gespickter Hase (hier als mobiles Martergerät). Der Gespickte Hase, gelegentlich auch als Stachelrolle bezeichnet, ist ein spätmittelalterlich frühneuzeitliches Folterinstrument. Das Martergerät wurde in… …   Deutsch Wikipedia

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  • League of the Holy Court — The League of the Holy Court, Vehmgericht, or just the Vehm was a secret tribunal of Westphalia during the Middle Ages, the principal seat of which was in Dortmund. Traditionally founded in the year 772 CE by Charlemagne [pg. 178 Magical… …   Wikipedia

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