Arnold Veimer

Arnold Veimer (* 7. Junijul./ 20. Juni 1903greg. in Tallinn; † 3. März 1977 ebenda) war ein kommunistischer estnischer Politiker und Wirtschaftswissenschaftler.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Arnold Veimer (russisch Арнольд Тынувич Веймер) besuchte die Schule in Vahastu (heute Gemeinde Kaiu, Kreis Rapla). Bereits 1922 trat er der Kommunistischen Partei Estlands bei. Im November 1924 wurde Veimer im sogenannten Prozess der 149 wegen illegaler kommunistischer Aktivitäten zu lebenslanger Zwangsarbeit verurteilt. Erst 1938 kam er im Zuge einer Amnestie der Regierung Päts aus dem Gefängnis frei.

Mit der sowjetischen Besetzung Estlands im Sommer 1940 wurde Veimer einer der führenden kommunistischen Politiker Estlands. Von 1940 bis 1942 war er Volkskommissar für Leichtindustrie der Estnischen Sozialistischen Sowjetrepublik. Von 1942 bis 1944 war er stellvertretender Vorsitzender des Ministerrats der Estnischen SSR.[1] Von 1944 bis 1951 war Veimer dessen Vorsitzender und damit Chef der stalinistischen Marionettenregierung in Estland. Er ließ während seiner Amtszeit die sogenannten "Märzdeportationen" durchführen. Dabei wurden am 25. März 1949 etwa 20.000 angeblich regimekritische Esten nach Sibirien deportiert, die Mehrheit davon Frauen und Kinder.

1951 wurde Veimer als Regierungschef durch Aleksei Müürisepp abgelöst. 1951/52 war Veimer Direktor des Wirtschaftsinstituts der Estnischen Akademie der Wissenschaften. Ende 1952 wurde er vom stalinistischen Machtapparat inhaftiert, als man ihm "bürgerlichen Nationalismus" vorwarf. Anschließend kam er aber wieder frei.[2] Von 1955 bis 1968 war er stellvertretender Vorsitzender des Ministerrats der Estnischen SSR. Von 1957 bis 1965 war er gleichzeitig Vorsitzender des Volkswirtschaftsrats (Sownarchos) Estlands. Von 1968 bis 1973 bekleidete Veimer das Amt des Präsidenten der Estnischen Akademie der Wissenschaften. 1970 erhielt er den Titel "Verdienter Wissenschaftler der Estnischen SSR" und 1973 die Auszeichnung "Held der sozialistischen Arbeit".

Arnold Veimer war von 1940 bis 1955 und von 1967 bis zu seinem Tod 1977 Mitglied des Obersten Sowjets der Estnischen SSR.

Forschungsschiff

1984 wurde das Forschungsschiff des thermo- und elektrophysikalischen Instituts nach Arnold Veimer benannt. Mit der Wiedererlangung der estnischen Unabhängigkeit wurde das Schiff in Livonia umbenannt und später an die schwedische Marine verkauft.

Weblinks

Anmerkungen

  1. Bis 1946 "Rat der Volkskommissare der Estnischen SSR" (Eesti NSV Rahvakomissaride Nõukogu)
  2. http://et.wikipedia.org/wiki/Arutelu:Arnold_Veimer

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