Assoziation (Pflanzensoziologie)

Die Assoziation ist die Grundeinheit des pflanzensoziologischen Klassifikationssystems nach Josias Braun-Blanquet. Jede Assoziation besitzt eine ganz bestimmte Artenstruktur (eine sogenannte charakteristische Arten- oder Artengruppenkombination). Diese kommen nur unter ganz bestimmten Umweltbedingungen an charakteristischen Wuchsorten vor. Die Art, an der sich die betrachtete Pflanzengesellschaft von allen anderen unterscheidet, heißt Charakterart oder Kennart dieser Assoziation.

In der pflanzensoziologischen Taxonomie besteht der Name einer Assoziation aus ein oder zwei charakterischen Arten, die mit der Endung "-etum" versehen werden, wie z. B. Hordelymo-Fagetum (Haargersten-Buchenwald), mit den Charakterarten Waldgerste (Hordelymus europaeus) und Christophskraut (Actaea spicata). Um die Identifizierung bestimmter beschriebener und taxonomisch gefasster Assoziationen zu gewährleisten, wird dem Assoziationsnamen noch der Autor der Erstbeschreibung hinzugefügt wie z. B. Hordelymo-Fagetum sylvatici (Tx. 37) Kuhn 37 em. Jahn 72[1]. Analog den Regeln bei den Artnamen der Pflanzen wird in Fällen, bei denen eine Assoziation später im System anders eingeordnet wird, der Name des Erstautoren in Klammern gesetzt und der Name des neu einordnenden Autoren angefügt. Sonderregeln betreffen die Schreibweise oder die Fassung neuer Gesellschaften auf Grundlage des Materials anderer. Im konkreten Beispiel gilt etwa: Reinhold Tüxen (Tx.) hat den Waldgersten-Buchenwald (19)37 in Norddeutschland zuerst beschrieben. Wenig später beschrieb (Karl) Kuhn dieselbe Waldgesellschaft im Neckargebiet umfassender, so dass Tüxens Fassung hier eingegliedert wurde. Da die namengebende Waldgerste zwischenzeitlich in eine neue Gattung gestellt wurde, veränderte (Gisela) Jahn den Namen von "Elymo-Fagetum" zu "Hordelymo-Fagetum", ohne die Definition und Beschreibung zu verändern (em.: "emendavit", emendiert).

Wenn man nun davon ausgeht, dass die Charakterart dieser Assoziation nur eine sehr geringe Standortamplitude hat, so wird diese (bei sonst gleich bleibender Artenkombination), durch eine andere Art (oder auch mehrere) mit ebenfalls sehr enger Standortamplitude, abgelöst. Je mehr sich der Standort verändert, desto mehr wird sich auch die Artenkombination ändern, bis schließlich auch die Arten mit etwas weiterer Standortsamplitude verschwinden. Genau diese Arten haben die bisherigen Assoziationen (welche durch die verschiedenen Charakterarten charakterisiert waren) gemeinsam. Mittels dieser Art, oder auch Arten, lassen sich Assoziationen nun zu einer Gruppe ähnlicher Assoziationen, dem Verband, vereinen. Aus den Verbänden lässt sich wiederum eine Ordnung abstrahieren und diese dann zur Klasse.

Siehe auch

Literatur

  • Anton Fischer: Forstliche Vegetationskunde. Eine Einführung in die Geobotanik. Ulmer, Stuttgart 2003, ISBN 3-8252-8268-6.

Einzelnachweise

  1. Erich Oberdorfer: Süddeutsche Pflanzengesellschaften. Bd. IV. Jena 1992.

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