Aufstand der Admirale

Der Aufstand der Admirale war eine Zeit in den späten 1940er Jahren, als mehrere hochrangige Offiziere der US-Marine öffentlich Position gegen die militärische Planung der US-Regierung bezogen.

Inhaltsverzeichnis

Hintergrund

Die zum „Aufstand“ führende Debatte wurde bereits seit einigen Jahren geführt, erreichte aber 1949 einen Höhepunkt, als mehrere Offiziere, darunter der Chef der Marineoperationen Louis E. Denfeld und der Marineminister John L. Sullivan, entweder entlassen oder zum Rücktritt gezwungen wurden.

Im November 1943 forderte General George C. Marshall eine Vereinigung des Kriegsministeriums und des Marineministeriums nach Kriegsende. Dies führte zu den „Vereinigungsdebatten“ und schließlich zur Verabschiedung des National Security Act von 1947. Mit diesem Gesetz wurden u. a. ein Nationaler Sicherheitsrat, die Central Intelligence Agency (CIA) und eine unabhängige Luftwaffe (United States Air Force) geschaffen.

Die Generale der neuformierten Air Force vertraten die Doktrin, dass durch Strategische Bombardierung, insbesondere mit Nuklearwaffen, jeder zukünftige Krieg zu gewinnen sei. Dazu wäre freilich eine große Flotte von schweren Langstreckenbombern notwendig. Deshalb forderten sie umfangreiche Finanzmittel an, um als erstes den Bau des Bombers B-36 Peacemaker in Angriff nehmen zu können.

Die Admirale der Navy widersprachen der Air Force. Sie verwiesen auf die überwältigende Dominanz der Flugzeugträger im Pazifikkrieg und wollten den Kongress dazu bringen, beginnend mit der USS United States (CVA-58) eine große Flotte von Supercarriern und den zugehörigen Unterstützungsgruppen zu autorisieren. Allein durch strategische Bombardierung könne kein Krieg gewonnen werden, so die Navy. Abgesehen davon sei die Entscheidung, zukünftige Kriege nur mit Nuklearwaffen auszufechten, unmoralisch.

Abbruch des Projekts USS United States

Der erste US-Verteidigungsminister, James V. Forrestal, selbst ehemaliger Marineflieger und vormaliger Marineminister, unterstützte die Position der Navy und gab die USS United States in Auftrag. Am 28. März 1949 musste er jedoch aus Gesundheitsgründen zurücktreten. Er wurde durch Louis A. Johnson ersetzt, der der Air Force nahestand. Weniger als einen Monat nach seinem Amtsantritt veranlasste Johnson den Abbruch aller Aktivitäten in Sachen USS United States. Aus Protest dagegen trat Marineminister Sullivan zurück. Einige Tage später gab Johnson bekannt, dass die Luftfahrzeuge der Marineinfanterie (United States Marine Corps) der Luftwaffe unterstellt würden. Dieser Plan wurde still und leise begraben, nachdem sich dagegen Widerstand im Kongress regte. Die Air Force missgönnte der Navy ihre Flugzeugträger, da es sich um Luftfahrtanlagen handelte, die sie nicht kontrollieren konnte. Minister Johnson, der ein Befürworter der neuen Air Force war, versuchte daher die Beschaffung dieser Schiffe soweit wie möglich zu unterbinden.

Eine von Captain Arleigh Burke geleitete Forschungsgruppe mit dem Namen Op-23 begann mit der Sammlung von Material, das sich kritisch über die Leistung und Fähigkeiten der Convair B-36 ausließ. Schon bald tauchte ein anonymes Dokument auf, in dem die B-36 als „Milliarden Dollar teurer Fehler“ bezeichnet wurde und Minister Johnson verdächtigt wurde, mit dem Bau der B-36 persönliche Interessen zu verfolgen. Johnson hatte im Vorstand der Consolidated Vultee Aircraft Corporation (Convair) gesessen, bevor er Minister wurde.

Ergebnisse der Kongressanhörungen

In seinem Abschlussbericht schrieb das House Armed Services Committee, dass sich keine Beweise für die Anschuldigungen gegen Johnson in Sachen Flugzeugbeschaffung finden ließen. Die Evaluierung der B-36 sei Sache der Weapons Systems Evaluation Group, und die Teilstreitkräfte sollten sich keine Urteile über die Waffen anderer Teilstreitkräfte erlauben. Aus diesem Grund wurde der Abbruch des Projekts USS United States scharf kritisiert, da Johnson sich von den Generalstabschefs der Army und Air Force hatte bestätigen lassen, dass das Schiff für die Navy unbrauchbar sei. Das Komitee war mit Johnsons Entscheidungsfindung im Schnellverfahren unter Umgehung der zuständigen Kongress-Komitees unzufrieden und schrieb „Die nationale Sicherheit ist nicht allein eine Angelegenheit auf Exekutivebene; dazu gehört nicht nur der Kongress, sondern das ganze amerikanische Volk, vertreten durch seinen Kongress. Das Komitee kann die gezeigte Art der Entscheidung öffentlicher Fragen nicht dulden“.

Als Autor des anonymen Dokuments stellte sich Cedric R. Worth heraus, ein ziviler Assistent des Untersekretärs der Navy. Ein Untersuchungsausschuss empfahl, den Mann zu feuern. Nach einer gerichtlichen Befragung wurde Worth entlassen.

Das Komitee brachte seine feste Unterstützung zur weiteren Vereinigung der militärischen Führung zum Ausdruck, schrieb aber, dass wohl „nach zuviel Vereinigung in zu kurzer Zeit gestrebt würde“ und die Navy sich bei der Verheiratung der Teilstreitkräfte zurückhalten würde, die Army zu eifrig dabei und die Air Force nicht zu bändigen sei. Im Pentagon finde das Komitee möglicherweise keine Vereinigungs-Puritaner, so der Bericht.

Schließlich verurteilte das Komitee die Entlassung von Admiral Denfeld. Hierbei habe es sich um einen Racheakt wegen seiner Äußerungen gehandelt.

Der Heeres-General Omar N. Bradley, Vorsitzender des Vereinigten Generalstabs, sprach von den Admiralen als „fancy dans’ who won’t hit the line with all they have on every play unless they can call the signals„, (etwa: "launische Primadonnen, die sich nicht eher für eine Sache ins Zeug legen, solange sie nicht selbst den Ton angeben"), die sich in „offener Rebellion gegen die zivile Kontrolle“ befanden. Die inoffizielle Position von Heer und Luftwaffe war aber noch extremer. Beide Teilstreitkräfte fanden, dass Marine und Marineinfanterie komplett abgeschafft werden sollten. Hauptsächlich spielten dabei finanzielle Überlegungen eine Rolle. Die Streitkräfte befanden sich mitten in der Truppenreduktion nach dem Zweiten Weltkrieg. Heer und Luftwaffe dachten, dass ihr Leben davon abhinge, sich so viele Missionen wie möglich zu sichern.

Andauernde Effekte

Der „Aufstand der Admirale“ eröffnete die bis heute andauernde Diskussion in Militärkreisen über die Rolle nuklearer Waffen, strategischer Bombardierung und die Vereinigung des militärischen Kommandos. Der erste Test der nationalen Doktrin kam am 25. Juni 1950, als der Koreakrieg ausbrach. Es wurde entschieden, dass Nordkorea nicht durch strategische Bombardierung in die Knie gezwungen werden sollte, sondern eine Invasion durch Bodentruppen, unterstützt von Schiffsgeschützfeuer und amphibischen Angriffen, zum Erfolg führen sollte. Von den Befürwortern der Air-Force-Doktrin wurde dieser begrenzte Krieg noch als Anomalie gesehen. Aber auch der Vietnamkrieg und verschiedene kleinere Konflikte wurden danach ohne strategische Bombardierung ausgefochten. Die Idee, einen Feind nur mit wenigen oder keinen eigenen Verlusten zu besiegen, ist weiterhin verführerisch, allerdings sind mit Beginn des 21. Jahrhunderts nicht mehr die hochfliegenden Bomber, sondern Cruise Missiles und unbemannte Drohnen das Mittel der Wahl. Der Koreakrieg zeigte nochmals deutlich, dass die Flugzeugträger das wichtigste Mittel zur Durchsetzung der amerikanischen Außenpolitik waren. Kurz nach Beginn der nordkoreanischen Attacke sah dies auch Verteidigungsminister Johnson ein und versprach der Navy, dass sie neue Flugzeugträger bekommen würde, sobald sie danach verlange.

Literatur

  • Jeffrey G. Barlow, Revolt of the Admirals, the Fight for Naval Aviation (1945–1950)

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