August Lederer

August Lederer (* 3. Mai 1857 in Böhmisch Leipa; † 30. April 1936 in Wien) war ein österreichischer Industrieller, Sammler und Kunstmäzen, der in besonderem Maße die Künstler der Wiener Sezession, und speziell Gustav Klimt förderte.

Leben

Lederer kam zu Reichtum, indem er die defizitäre staatliche Spiritusfabrik in Raab aufkaufte und in ein gewinnträchtiges Unternehmen verwandelte. Lederer erwarb auch ein ähnlich gelagertes Unternehmen, die Jungbunzlauer Spiritusfabriken. 1892 heiratete er Serena Pulitzer (1867-1943). Das Bildnis Serena Lederers (wahrscheinlich aus 1899) gehört zu den bekanntesten Porträts Gustav Klimts. Das Paar residierte in Wien Bartensteingasse Nr. 8, wo es auch die meisten seiner Kunstschätze aufbewahrte, weitere Wohnsitze befanden sich in Raab, sowie als „Sommerresidenz“ in Wien Weidlingau das Ledererschlössel.

Mit enormem Geldaufwand erwarb das Ehepaar Lederer die bedeutendste Klimt-Sammlung seiner Zeit. Unter anderem besaß es die „Fakultätsbilder“ Jurisprudenz und Philosophie, sowie (seit 1915) den so genannten Beethovenfries. Der Kontakt mit Klimt war überaus freundschaftlich und so familiär, dass die 1894 geborene Tochter Elisabeth Franziska während der NS-Zeit ihre außereheliche Herkunft von Gustav Klimt behaupten konnte und 1940 einen entsprechenden „Abstammungsbescheid“ erhielt, nach dem sie nur als „Halbjüdin“ gelten sollte, während ihre beiden Brüder Erich und Fritz als „Volljuden“ angesehen wurden.

Die Sammlung Lederer wurde 1938 zwangsenteignet, großteils im Schloss Immendorf in Niederösterreich gelagert und soll dort Anfang 1945 unter nicht näher geklärten Umständen zum größten Teil verbrannt sein. Dagegen spricht jedoch, dass einzelne Gemälde nach dem Krieg auftauchten und restituiert wurden.

Literatur

  • Christian M. Nebehay: Gustav Klimt, Egon Schiele und die Familie Lederer, Wien 1979
  • Tobias G. Natter und Gerbert Frodl(Hsg): Klimt und die Frauen, (Katalogbuch)Köln-Wien 2000

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