Azur (Satellit)
Azur (Modell mit entfernten Seitenteilen)

Azur, auch GRS A (German Research Satellite) genannt, war der erste deutsche Satellit. Er diente als Einstieg in die Weltraumforschung und kostete die Bundesrepublik Deutschland rund 80 Millionen DM.

Das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung ging hierfür eine Kooperation mit der US-Raumfahrtbehörde NASA ein. Aus der Vielzahl der eingereichten Vorschläge konnten nur wenige Experimente, die zur Erforschung der kosmischen Strahlung und ihrer Reaktion in Erdnähe dienen sollten, berücksichtigt werden, da die Nutzlast nur 71 kg betrug.

Azur wurde am 8. November 1969 um 1:52 UTC mit einer vierstufigen Scout-B-Trägerrakete von der Vandenberg Air Force Base in den USA gestartet. Die Umlaufbahn lag zwischen 380 km und 3150 km und war um 103° gegen den Äquator geneigt. Der Satellit stellte nach nur sieben Monaten am 29. Juni 1970 seine Funktion ein, obwohl die spezifizierte Lebensdauer ein Jahr betrug. Neun Jahre später verglühte Azur in der Erdatmosphäre.

Den Kontrollbetrieb für den Satelliten übernahm am 15. November 1969 das Deutsche Raumfahrtkontrollzentrum in Oberpfaffenhofen, das zur Deutschen Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt (heute Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt), gehört.

Neben dem technischen Neuland wurden auch die in der amerikanischen Raumfahrt üblichen „system engineering“ und Management-Methoden seitens des Auftraggebers, der Gesellschaft für Weltraumforschung mbH (GfW), Bonn-Bad Godesberg und dem Hauptauftragnehmer MBB eingeführt. Projektleiter bei der GfW war Ants Kutzer, Verantwortlicher für die Nutzlast war Dr. Erhard Keppler vom Institut für Stratosphärenphysik am Max-Planck-Institut für Aeronomie (MPAE) in Katlenburg-Lindau.

Siehe auch

  • Dial, der zweite deutsche Forschungssatellit

Literatur

  • Niklas Reinke: Geschichte der deutschen Raumfahrtpolitik. Konzepte, Einflussfaktoren und Interdependenzen: 1923-2002, München 2004, ISBN 3-486-56842-6

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