Schleppe

Schleppe
Schleppenkleid und -mantel im Codex Manesse

Die Schleppe (von „schleppen“ im Sinne von „hinter sich her ziehen“) bezeichnet denjenigen Teil eines Kleidungsstücks, der hinter dem Träger bzw. der Trägerin über den Boden schleift. Röcke, Kleider und Mäntel können so gestaltet werden, dass sie hinten mehr oder minder deutlich länger als bodenlang sind. Eine Sonderform stellt die Courschleppe die vom napoleonischen Kaiserreich bis zum Ersten Weltkrieg zur höfischen Zeremonialkleidung der Damen gehörte.

Während Schleppen heute fast ausschließlich Braut- und Abendkleidern vorbehalten sind, waren sie im Lauf der Kostümgeschichte mehrfach allgemein in Mode, so z. B. im 13. Jahrhundert, Ende des 17. sowie Ende des 18. Jahrhunderts und zuletzt um 1875–1880.

Schleppe eines Brautkleides

Wegen des hohen, objektiv nicht notwendigen Stoffverbrauchs und weil die Schleppe beim Schleifen über den Boden verschmutzt und beschädigt (d. h. wertvoller Stoff vernichtet) wurde, eignete sich eine Schleppe zur Zurschaustellung von Reichtum und wurde somit zum Statussymbol. In manchen höfischen Kleidungsreglements wurde ihre Länge je nach Status der Trägerin begrenzt: Je höher der Adelsrang, desto länger durfte die Schleppe sein.

Bei höfischer Zeremonialkleidung, z. B. bei Krönungsmänteln, findet man noch heute Schleppen von extremer Länge, die Schleppenträger nötig machen.

Die Schleppe kommt auch in Goethes Faust vor, wo es im zweiten Teil vom Hofnarren heißt: Gleich hinter Eurer Mantelschleppe, / Stürzt er zusammen auf der Treppe. / Man trug hinfort das Fettgewicht, / Tot oder trunken, weiß man nicht.


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Schleppe — Schleppe, 1) eine Verlängerung hinten an Mänteln u. Frauenzimmerkleidern, welche ein ziemliches Stück auf die Erde reicht u. im Gehen auf der Erde hingezogen wird; daher ein mit einer S. versehenes Kleid ein Schleppkleid. Doch hat man auch S n,… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Schleppe [1] — Schleppe, die gegen die Mitte des 14. Jahrh. in Frankreich und bald nachher auch in andern Ländern zur Mode gewordene Verlängerung der Damenkleider, die bald bis zu Ellenlänge heranwuchs und unter der prachtliebenden Isabella von Bayern, Gemahlin …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Schleppe [2] — Schleppe, im Schiffswesen, s. Schlippe …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Schleppe — Sf std. (17. Jh.) Stammwort. Übernommen aus mndd. slepe, das von schleppen rückgebildet ist. Vorher sprach man vom Schweif oder Schwanz von Kleidern. deutsch s. schleppen …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Schleppe — Schlẹp|pe 〈f. 19〉 1. langer, am Boden nachschleifender Teil des Kleides 2. 〈Jägerspr.〉 2.1 an einer Leine nachgeschlepptes Gescheide von Hasen o. Ä., um Raubwild an eine bestimmte Stelle zu locken 2.2 Fährte der Wildente u. a. Wasservögel durchs …   Universal-Lexikon

  • Schleppe — die Schleppe, n (Oberstufe) Teil eines Kleidungsstücks, der hinter dem Träger bzw. der Trägerin über den Boden schleift Beispiel: Die Prinzessin trug bei ihrer Hochzeit ein wunderschönes Kleid mit langer Schleppe …   Extremes Deutsch

  • Schleppe — Schlẹp·pe die; , n; der lange, hintere Teil eines festlichen Kleides, den eine Frau beim Gehen auf dem Boden nach sich zieht: die Schleppe eines Brautkleides || K : Schleppenträger || K: Brautschleppe, Samtschleppe, Seidenschleppe …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • Schleppe — schleppen: Mhd. (mitteld.) slepen ist im 13. Jh. aus mnd. slēpen, das dem hochd. 2↑ schleifen entspricht, übernommen worden. In dessen Bedeutung »am Boden hinziehen« gilt es im Nhd. nur begrenzt (z. B. »ein Schiff oder Netze schleppen«). Die… …   Das Herkunftswörterbuch

  • Schleppe — * Ich will keine Schleppe tragen. Holl.: Ik mag zulk een sleep achter mij niet hebben. (Harrebomée, II, 273b.) …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Schleppe — Schleppef 1.Gefolge;GesamtheitvonPressefotografen,dieeinerbestimmtenPersönlichkeitdesöffentlichenLebensaufSchrittundTrittfolgen.SieähnelndemaufdemFußbodennachschleifendenTeileinesKleids.Vgl⇨Schlepp1.1930ff.… …   Wörterbuch der deutschen Umgangssprache


Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.