Baarle
Lage des Ortes Baarle
Grenzziehung in der Gemeinde Baarle.

Baarle ist ein Ort an der Grenze zwischen den Niederlanden und Belgien mit mehr als 9.000 Einwohnern. Er liegt etwa 15 km südlich von Tilburg in der niederländischen Provinz Nordbrabant und besteht aus der niederländischen Gemeinde Baarle-Nassau und der zur belgischen Provinz Antwerpen gehörenden Gemeinde Baarle-Hertog. Baarle ist durch den komplizierten Grenzverlauf zwischen den Niederlanden und Belgien bekannt geworden. Ein Großteil der belgischen Gemeinde Baarle-Hertog liegt nämlich als Exklave von niederländischem Gebiet umgeben in direktem Zusammenhang mit der niederländischen Gemeinde Baarle-Nassau und bildet mit dieser zusammen den Ort Baarle. Baarle-Hertog stellt wiederum auch keine zusammenhängende Exklave dar: Die Gemeinde besteht aus 22 Stücken, von denen 16 im Ort Baarle selbst und sechs in der näheren Umgebung von Baarle liegen. In zwei der zu Baarle-Hertog gehörenden Exklaven liegen wiederum insgesamt sieben niederländische Exklaven von Baarle-Nassau.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Grenzverlauf an einem Café.

Der Ursprung dieser komplizierten Verhältnisse ist in der Geschichte der Gemeinde begründet. Die Entwicklung begann im 12. Jahrhundert, als zwischen Herzog Heinrich I. von Brabant und Graf Dietrich VII. von Holland ein Streit um das Land um Baarle entbrannte. Godfried II. van Schoten, der Herr von Breda, hatte die Ländereien von seinem Vater geerbt und bislang als Allodium (= lehnsfreies Eigentum) angesehen; der Herzog von Brabant jedoch bestand darauf, dass sie immer seiner Souveränität unterlegen hätten, und wünschte, die Besitzverhältnisse in einer schriftlichen Übereinkunft schwarz auf weiß zu verewigen, um Dietrich VII. von Holland schwächen zu können.

So wurde 1198 in einer Übereinkunft festgestellt, dass der Herzog von Brabant das Land von Breda in seinem Eigentum hielt, Godfried van Schoten das Lehen zurückzugeben und an Dietrich VII. zu übergeben habe. Zusätzlich erhielt Dietrich VII. – der natürlich lieber Eigentümer anstatt Lehnsnehmer geworden wäre – zur Besänftigung unbesiedelte und unerschlossene Gebiete um das Land von Breda herum, woraufhin er von weiteren Ansprüchen absah. Godfried van Schoten wiederum erhielt andere Ländereien als Lehen, wozu auch Teile des heutigen Baarle-Nassau gehörten. Die Gebiete, die Godfried van Schoten vorher selbst als Lehnsherr seinen Vasallen überlassen hatte, wurden von dieser Übereinkunft aber nicht erfasst. Hier liegt die Grundlage der späteren Aufteilung des Gebietes in Baarle-Hertog und Baarle-Nassau.

Dieses Haus steht zum Teil in Belgien und zum Teil in den Niederlanden. Der Grenzverlauf ist durch die weißen Pflastersteine gekennzeichnet.

Später nämlich verlor der Herzog trotz der Urkunde seine Rechte an Teilen des Gebietes wieder und musste sie an den Grafen von Nassau abgeben. Seit 1403 waren die Grafen von Nassau gleichzeitig auch die Herren von Breda. Deshalb hießen die Besitztümer des Herzogs künftig Baarle-Hertog (Hertog = „Herzog“) und die der Herren von Breda Baarle-Nassau.

Im Frieden von Münster 1648 erhielt schließlich der spanische König als Rechtsnachfolger der Herzöge von Brabant Baarle-Hertog, während Baarle-Nassau der Republik der Sieben Vereinigten Niederlande zufiel, da der Prinz von Oranien Rechtsnachfolger der Grafen von Nassau wurde. Seither ist die Eigentumssituation der Gebiete weitgehend unverändert geblieben.

Obwohl im Laufe der Jahrhunderte immer wieder Diskussionen über die Situation der Enklaven aufflammten, konnte weder die Besetzung durch Frankreich 1810 noch die Gründung des Königreichs der Niederlande 1815 noch die Unabhängigkeit Belgiens 1830 an den Verhältnissen etwas ändern. Die beinahe grundstücksweise Aufteilung der Stadt überlebte die Geschichte und führte dazu, dass die Häuser in Baarle in völlig ungeordneter Weise teils zu den Niederlanden und teils zu Belgien gehören.

Beispiele für den Grenzverlauf

Niederländische Hausnummer
Belgische Hausnummer

Die staatliche Zugehörigkeit innerhalb der Gemeinde ist an der Hausnummer erkennbar: Die Hausnummern auf belgischem Gebiet tragen links oben eine kleine belgische Fahne, die niederländischen Hausnummern tragen an der linken und rechten Seite rote und blaue Streifen, die die Nationalfarben symbolisieren.

Der Kirchplatz gehört zu Baarle-Hertog, die Häuserfront an dessen nördlichem Rand jedoch bildet die Grenze zu den Niederlanden. Dort, wo die Grenze die Häuserfront verlässt, ist sie mit einem Metallstreifen markiert, auf der anderen Straßenseite sind zusätzlich die Wappen der Regionen aufgetragen. Westlich vom Kirchplatz verläuft die Grenze auf der Straßenmitte. Die rechte Straßenseite gehört zu Belgien, die linke zu den Niederlanden. Erkennbar ist dies an den jeweiligen Nationalflaggen. Geht man jedoch durch eine kleine Gasse, die rechts vom Kirchplatz wegführt, befindet man sich wieder in den Niederlanden.

Weil seit der Grenzziehung auch ehemalige kleinere enklavierte Ackerflächen längst bebaut sind, verläuft die Grenze auch mitten durch Häuser. In solchen Fällen bestimmt die Lage der Haustür die Nationalität. Die südlichste niederländische Unterenklave innerhalb der belgischen Enklave besteht nur aus einigen wenigen Häusern – deren südliche Grenze geht aber mitten durch einen Getränkeladen, der eine niederländische und eine belgische Telefonnummer sowie zwei unterschiedliche Anschriften hat.

Baarle heute

Grenzpfahl

Baarle-Hertog ist die kleinste selbständige Gemeinde der belgischen Provinz Antwerpen und besteht aus 22 belgischen Exklaven, umringt von der niederländischen Gemeinde Baarle-Nassau, und dem Dorf Zondereigen, das keine Exklave ist, sondern hinter der durchgehenden Grenze im belgischen Mutterland liegt. Das Zentrum von Baarle-Hertog liegt ca. 6 km nördlich der durchgehenden Grenzlinie zwischen Belgien und den Niederlanden. Baarle-Nassau gehört zur niederländischen Provinz Nordbrabant; zur Gemeinde gehören sieben niederländische Unterexklaven in den belgischen Enklaven sowie eine niederländische Exklave in Belgien51.4122034.871342[1].

In Baarle gibt es vieles zweimal: Zwei Nationalitäten, zwei Gemeindehäuser, zwei Bürgermeister, zwei Gemeinderäte, zwei Kirchen, zwei Postämter, zwei Polizeiwachen, zwei Feuerwehren, zwei Elektrizitätsnetze, zwei Telefonnetze, zwei Fußballclubs, zwei Tennisclubs und so weiter.

Die Einwohner von Baarle verstanden es stets, aus dieser politischen Sonderstellung und dem speziellen Ambiente ihres Ortes Profit zu schlagen. Baarle wurde insbesondere durch Touristen und Tagesausflügler zu einer blühenden Gemeinde, die von den kulturellen Besonderheiten beider Länder lebt.

Bis zur Liberalisierung der niederländischen Ladenöffnungszeiten wurde auf belgischem Gebiet auch bevorzugt abends und an den Wochenenden eingekauft, als niederländische Geschäfte längst geschlossen hatten. Seither ist im niederländischen Teil von Baarle jede Woche koopzondag (verkaufsoffener Sonntag), was viele Kaufwillige lockt. Kosmetika, Parfums und andere Drogerieartikel sind zum Beispiel auf belgischem Gebiet, aufgrund der landesspezifischen Steuergesetze, deutlich günstiger.

Weblinks

 Commons: Baarle – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Belege

  1. Kein Titel. Google Maps, abgerufen am 16.9.
51.4436111111114.93

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