Tausch

Tausch
Ein Tausch von Brennholz gegen Kartoffelschalen, 1947

Tausch ist eine rechtswirksame gegenseitige Übertragung von Waren, Dienstleistungen und/oder Werten zwischen natürlichen und/oder juristischen Personen. Ein Tausch wird abgegrenzt von der Gabe und von der Schenkung durch das jeweils einseitige aktive Handeln aus eigenen Motiven.

Inhaltsverzeichnis

Etymologie

Das Substantiv Tausch ist aus dem Verb tauschen im Wege der Rückbildung entstanden. Das neuhochdeutsche Verb tauschen geht zurück auf das mittelhochdeutsche tuschen in der Bedeutung von unwahr reden, lügnerisch versichern, anführen. Die heute allein übliche Bedeutung Waren oder dergleichen auswechseln, gegen etwas anderes geben hat sich im 15. Jahrhundert hieraus entwickelt.[1] Das Hauptwort Tausch hat dann Zusammensetzungen erst möglich gemacht, wie zum Beispiel:

Ökonomischer Tausch

Recht

Der Tausch beruht auf den gesellschaftlichen Institutionen des Eigentums- und des Vertragsrechtes. Das BGB verweist im § 480 direkt auf den Kauf und behandelt den Tausch lediglich mit einem Satz:

Auf den Tausch finden die Vorschriften über den Kauf entsprechende Anwendung.

Eine Voraussetzung für die rechtliche Wirksamkeit eines Tausches ist in jedem Fall die Verfügung über die Tauschobjekte, sei es in Form einer rein faktischen Verfügungsgewalt oder in Form von Eigentum. Tausch auf Grund eines Besitztitels ist nur selten zulässig – eine Ausnahme macht allerdings die Bodmerei. Weiterhin erfordert die Wirksamkeit eine, meist freiwillige Einigung der Tauschparteien über die Objekte und über die jeweiligen Modalitäten der Eigentumsübertragung. Auch die üblichen Kategorien von Angebot und Annahme können beim Tausch zum Zuge kommen und ebenso die Formvorschriften. So erfordert der Vertrag über einen Grundstückstausch die notarielle Beurkundung.

Wert

Beim ökonomischen Tausch spielen die Vorstellungen vom Wert der Objekte eine zentrale Rolle. Die Tauschparteien werden dem Tauschgegenstand jeweils einen unterschiedlichen Wert beimessen, der auch standpunktabhängig sein kann (je nachdem ob jemand Anbieter oder Nachfrager ist). Ein vereinbarter Tauschpreis liegt oft zwischen Angebotspreis und zunächst gebotenem Preis; er ist oft ein Kompromiss (siehe auch Feilschen).

Der ökonomische Tausch ist zugleich ein Geschäft unter dem Aspekt der Reziprozität: Der Wert von Gütern und Dienstleistungen wird anhand eines objektiven ökonomischen Tauschwertes und weniger von sozialen Bindungen oder Verpflichtungen ermittelt. Eine Ausnahme bildet der Tausch von Kunstobjekten, für die eigene Gesetzmäßigkeiten der Wertermittlung gelten. Aber auch hier kann der Wert, dem eine Partei dem Tauschobjekt zumisst (Limit), für die jeweils andere Tauschpartei eher unbekannt sein. Ein Beispiel:

Anton besitzt eine Havanna-Zigarre, die für ihn als Nichtraucher 2 € wert ist. A würde also unterhalb eines Wertes von 2 € nicht tauschen wollen. Bruno ist Raucher und weiß deshalb, dass Antons Zigarre im Laden 7 € kostet. B würde also bis maximal 7 € dafür bieten. Da er jedoch nicht weiß, wie viel die Zigarre für Anton wert ist, bietet er dem Leser Anton ein Taschenbuch im Wert von 5 € an. Wenn Anton dem Handel ohne weiteres Feilschen zustimmt, dann resultiert daraus ein Tauschvorteil von 2 € für Bruno und ein Tauschvorteil von 3 € für Anton.

Weil beim ökonomischen Tausch beide Vertragspartner einen Tauschvorteil haben, besteht meist keine Bereitschaft zur Rückübereignung. Im Gegensatz zum Äquivalenztausch gibt es beim ökonomischen Tausch keine feststehenden Preise, sondern Preisintervalle, die die Grenzen der Tauschbereitschaft (Limits) von Anbieter und Nachfrager markieren. Überschreitet das Limit des einen das des anderen, wird folglich kein Tausch zustande kommen: p : tatsächlicher Preis; LA : Limit des Anbieters; LN : Limit des Nachfragers

Preisintervall :  L_A \le p \le L_N

Das Preisintervall ist beiden Tauschpartnern unbekannt. Zur Preisbildung kommt es durch Feilschen. Dabei versuchen die beiden Tauschparteien jeweils das größere Stück des unbekannten Tauschvorteils tv zu bekommen.

gesamter Tauschvorteil: tv = LNLA

Tauschvorteil des Anbieters: tvA = pLA

Tauschvorteil des Nachfragers: tvN = LNp

Der tatsächliche Preis kann von keiner der beiden Tauschparteien eingeschätzt werden. Die bestmögliche Schätzung (Erwartungswert) ist das arithmetische Mittel der Limits.

Erwartungswert:  ew=\frac{1}{2}*\left(L_N+L_A\right)

Der ökonomische Tausch wird heute in großem Stil an den Börsen praktiziert. Käufer und Verkäufer gehen mit festen Limits an den Markt (Ausnahmen: Billgst = "kaufe zu jedem Preis", Bestens = "verkaufe für jeden Preis"). Die Stelle, an der der größte Umsatz zustande kommt, ist der Kurs eines Papiers (Näheres siehe Börsenkurs).

Natura

Wenn Tauschobjekte in natura getauscht werden, dann spricht man von Naturaltausch. Geld erleichtert durch seine allgemeine Anerkennung als Zahlungsmittel und durch seine beliebige Teilbarkeit das Tauschen erheblich. Beim Naturaltausch der Objekte müssen immer zwei passende Tauschparteien zusammenfinden. Beispiel:

Anbieter Anton will eine Menge Naturalien, z.B. Holz, abgeben, die Nachfrager Bruno für seinen Kamin dringend braucht. Sein Gegenangebot besteht aus Obst und Gemüse, was Anton als Vegetarier haben möchte. Anton und Bruno müssen sich vor allem über die äquivalenten Mengen einig werden, was viel Zeit in Anspruch nehmen kann.

Dem Naturaltausch haftet also im Vergleich zum Tausch Ware gegen Geld eine niedrige Umsatzgeschwindigkeit an. Gleichwohl gibt es immer wieder Episoden in der Wirtschaftsgeschichte, in denen eine Naturalwirtschaft eine nicht mögliche Geldwirtschaft verdrängt. Das gilt vor allem für Notzeiten, so zum Beispiel für die ersten Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, in denen der Schwarzmarkt blühte.

Optimum

Der freie Tausch ist das Grundmuster einer Marktwirtschaft im Vergleich zur Zentralverwaltungswirtschaft. In einer Marktwirtschaft können die einzelnen Wirtschaftssubjekte ihre eigenen Interessen formulieren und verfolgen. Eine Finanzierung erfolgt aus Lohn, Rente oder Zinsertrag. Dabei ist das Ziel eines individuellen Vorteils ein wirksames Motiv zur Leistung.

Durch den Tausch werden beide Tauschparteien subjektiv besser gestellt, als sie es ohne den Tausch gewesen wären: Jeder bekommt, was er gewollt hat, und niemandem wird etwas gegen seinen Willen genommen. Insofern ist der Tausch ein Verfahren zur Optimierung der Verteilung an Güter und Dienstleistungen. Eine Verbesserung der Tauschmöglichkeiten in einer Gesellschaft - z. B. durch bessere Produktinformation und tauschbereite Wirtschaftssubjekte (Internet) - kann eine Steigerung des Umsatzes bewirken.

Allerdings kann das Besser-gestellt-sein auch bedeuten, dass Person X - anstatt zu verhungern – nun gegen einen Niedriglohn für U arbeiten muß. Optimierung im Sinne eines Gleichgewichts hat wenig mit Gerechtigkeit zu tun. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Verteilung ungleich ist, und wenn eine Person oder Personengruppe als einzige über Güter verfügt, die die andere für ihre Existenz benötigen (Monopol).

Weiterhin setzt Optimierung voraus, dass durch den Tausch zwischen X und U nicht Dritte negativ betroffen sind. So könnte X durch sein Handeln (Arbeit gegen Niedriglohn) anderen Arbeitern die Preise verderben (Dumping).

Tauschende Personen sind in moralischer Hinsicht frei, wenn von normativen Voraussetzungen für einen Tausch (Freiwilligkeit, Vertragstreue, Qualitätsstandards etc.) abgesehen wird. Jede Tauschpartei hat das Recht, frei und in seiner Absicht optimal über sein Eigentum zu verfügen, wozu auch dessen Veräußerung gehört.

Literatur

Siehe auch

Weblink

Einzelnachweise

  1. Duden: Das Herkunftswörterbuch. Lemma tauschen. 4. Aufl. 2007.
  2. 1454 in Grimms Weistümer. Zitiert nach Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch. 20. Aufl. 1975.
 Wikiquote: Tausch – Zitate

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