Tonsur
Martin Luther mit römischer Tonsur

Die Tonsur (lat. tonsura „Scheren“, von tondere „scheren“) ist die vollständige oder teilweise Entfernung des Kopfhaares aus religiösen Gründen bzw. die daraus entstandene Frisur. Sie ist aus verschiedenen Religionen wie Christentum, Buddhismus oder Hinduismus bekannt. Auch in der altägyptischen Religion gab es Priester mit Tonsur. Bei katholischen Klerikern war es üblich, eine größere oder kleinere Fläche der Kopfhaut so zu rasieren, dass ein Haarkranz übrigblieb. [1]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die ursprüngliche Bedeutung der Tonsur ist nicht völlig geklärt. Büßende ließen sich schon früh das Haupt ganz kahl scheren. Insofern lässt sich die Tonsur als Zeichen der gänzlichen Hinwendung zu Gott im geweihten Leben deuten. Eine entgegengesetzte Position lässt sich im orthodoxen Judentum erkennen, das Angehörigen der Priesterschaft Aarons jegliche Kopfhaarentfernung verbietet.

Eine mögliche religiöse Erklärung geht in Richtung einer symbolischen Öffnung des Schädels (Trepanation). Dadurch könnten z. B. eingedrungene Dämonen besser entweichen oder positive Geistwesen von den betroffenen Personen besser Besitz ergreifen.

Nach Peter Berresford Ellis wurde die christliche Tonsur zu Zeiten der Missionierung Galliens und Britanniens von den keltischen Druiden übernommen, die diese Form der Haartracht traditionell trugen und sie als airbacc giunnae bezeichneten. Die keltisch-christlichen Mönche trugen die Tonsur unter nun abgewandeltem Namen (berrad mog oder tonsura civilis)

Von den Büßern und Eremiten übernahmen die ersten Mönche diese Sitte, und von diesen ging sie im 6. Jahrhundert auf alle christlichen Geistlichen über, denen sie 633 auf der vierten Synode zu Toledo gesetzlich vorgeschrieben wurde.

Formen

Man unterschied ein kahlgeschorenes Vorderhaupt, als sogenannte „Tonsur des Apostels Paulus“ von der kreisförmigen Platte auf dem Scheitel, der sogenannten „Tonsur des Apostels Petrus“. Erstere war in der griechischen Kirche sowie in etwas anderer Form als sogenannte „Tonsur des Apostels Jakobus“ bei den Briten und Iren üblich, die zweite bei Priestern und Mönchen der abendländischen Kirche.

Die eben erst in den geistlichen Stand Eingetretenen trugen sie im Umfang einer kleineren Münze, die Priester im Umfang einer Hostie, die Bischöfe noch größer, und beim Papst blieb nur ein schmaler Kreis von Haaren über der Stirn stehen. Das Abscheren ging der Weihe voran und wurde wöchentlich oder vor jedem hohen Fest wiederholt.

Gegenwart

Mit Wirkung zum 1. Januar 1973 wurde im Bereich der katholischen Kirche die Tonsur von Papst Paul VI. abgeschafft.

In der Orthodoxie ist die Tonsur weiterhin Aufnahmeritus in den ersten sowie jeden weiteren Grad des Mönchtums.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Tonsur. In: Heinrich August Pierer, Julius Löbe (Hrsg.): Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit. 4. Auflage. Bd. 17, Altenburg 1863, S. 681 (Online bei zeno.org).

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  • Tonsur — Sf kahlgeschorene, runde Fläche des Kopfes von Geistlichen per. Wortschatz fach. (17. Jh.) Entlehnung. Entlehnt aus ml. tonsura, eigentlich Scheren, Beschneiden , zu l. tondēre (tōnsum) scheren .    Ebenso nndl. tonsuur, ne. tonsure, nfrz.… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Tonsur — (v. lat.), 1) das Abschneiden der Haare in einer bestimmten Form, so die Theseussche T., s.u. Griechenland S. 593; bes. 2) die geschorene Stelle auf dem Scheitel der katholischen Geistlichen u. Mönche. War es in den ersten Jahrhunderten beim… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Tonsūr — (lat.), die geschorne Stelle auf dem Scheitel als Standeszeichen des katholischen Klerus und Sinnbild der Loslösung von der Welt und der Hingabe an Gott und seinen besondern Dienst. Büßende ließen sich schon früh das Haupt ganz kahl scheren; von… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Tonsur — (lat., das »Scheren«), die geschorene Platte der kath. Geistlichen, ursprünglich eine Büßer , dann Mönchssitte, die seit dem 5. Jahrh. der Klerus annahm …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Tonsur — Tonsur, die, kam zuerst bei den Mönchen zu Karthago als Zeichen der Buße auf und bestand im Anfange in einem gänzlichen Abscheeren der Haare. Im 6. Jahrhunderte wurde die Sitte, sich eine Platte scheeren zu lassen, in Benedictinerorden eingeführt …   Damen Conversations Lexikon

  • Tonsur — Ton|sur 〈f. 20〉 kreisrund geschorene Stelle auf dem Scheitel kath. Mönche [<lat. tonsura „das Scheren, Schur“; zu tondere „scheren, den Bart scheren“] * * * Ton|sur, die; , en [mlat. tonsura < lat. tonsura = das ↑ 2Scheren; Schur, zu:… …   Universal-Lexikon

  • Tonsur — Glatze, Glatzkopf, Kahlkopf; (ugs.): Platte; (ugs. scherzh.): Kahlschlag. * * * Tonsur,die:⇨Glatze …   Das Wörterbuch der Synonyme

  • Tonsur — Kronragning …   Danske encyklopædi

  • Tonsur — Ton·su̲r die; , en; eine Stelle am Kopf, an der (bei Mönchen) die Haare weggeschnitten sind …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • Tonsur — Ton|sur 〈f.; Gen.: , Pl.: en〉 kreisrund geschorene Stelle auf dem Scheitel kath. Mönche [Etym.: <lat. tonsura »das Scheren, Schur«; zu tondere »scheren, den Bart scheren«] …   Lexikalische Deutsches Wörterbuch

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