Tudhalija I.

Tudhalija I.

Tudhalija I. (korrekt Tudhalijaš) war ein hethitischer Großkönig, der zwischen 1460 und 1420 v. Chr. vermutlich als Nachfolger von Muwatalli I. den Thron bestieg.

Inhaltsverzeichnis

Quellen

Schriftzeugnisse über die Regierungszeit von Tudhalija sind spärlich und nicht immer gleichzeitig mit den Ereignissen, die sie beschreiben. Auch „Urkunden“ wie Staats- und Vasallenverträge liegen oft nicht im „Original“ vor, sondern in späteren Abschriften, die den politischen Erfordernissen ihrer jeweiligen Entstehungszeit angepasst wurden.

Die Rekonstruktion seiner Regierung und seiner Politik hängt davon ab, wie die spärlichen Urkunden aus der Zeit zwischen ca. 1450 und 1400 interpretiert werden. Insbesondere ist umstritten, wie viele hethitische Herrscher es gab, die den Namen Tudhalija trugen, und wie sie miteinander verwandt waren. Sicher unterschieden können lediglich ein Herrscher des Namens zu Beginn, und einer am Ende der (sog.) hethitischen Großreichszeit.

Ein Schwert mit einer Weiheinschrift des Tudhalija wurde 1991 bei Straßenbauarbeiten in Bogazköy gefunden. Die Klinge ist 79 cm lang und trägt eine einzeilige akkadische Inschrift: „Als Tudhalija, der große König, das Land Assuwa vernichtete, hat er diese Schwerter dem Teššub, seinem Herrn, geweiht." Da die Schlacht gegen Assuwa auch aus den Annalen bekannt ist, kann das Schwert Tudhalija I. zugewiesen werden[1].

Datierung

Tudhalija I. gilt als der hethitische König, der das sogenannte „Neue Reich“ begründete. Seine Regierungsdaten werden als 1460-1440 (lange), 1450-1420 (mittlere) oder 1420-1400 (kurze Chronologie) angegeben.

Die Datierung von Tudhalija (I.-III.) hängt weitgehend von Synchronismen mit den ägyptischen Pharaonen ab. Die absolute Datierung deren Regierungszeiten ist aber ebenfalls nicht immer völlig gesichert. Die Synchromismen selbst beruhen auf einer Reihe von Vorannahmen, die zum Teil in der Ideengeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts begründet liegen, in der Diskussion aber nicht immer klar hervortreten. Insbesondere geht es hier um die Rolle „semitischer“ „indoeuropäischer“ und „indoarischer“ Völker in der Geschichte des Vorderen Orients und die Bedeutung des Vorderen Orients in einer allgemeinen Weltgeschichte. Sprache, politische Gliederung und ethnische Zuordnung werden dabei oft kritiklos gleichgesetzt.

Abstammung

Tudhalijas Abstammung ist umstritten. Viele Forscher sehen Huzzija II. oder Zidanza als seinen Vater oder Großvater. S. de Martino macht ihn gar zum Vater der Königsmörder Himuilu und Kantuzili (also zum zweiten Ehemann von Summiri?).

In dem Aleppovertrag (CTH 75) benutzt Tudhalija die Formel, „als ich auf den Thron erhoben wurde“, nicht, wie üblich, „als ich auf den Thron meines Vaters erhoben wurde“. Das spricht dafür, dass er kein Nachkomme von Huzzija II. oder Muwatalli I. war.

Vorgeschichte

Der letzte (legitime) König des mittleren Reiches war nach den hethitischen Quellen Huzzija II., verheiratet mit der Großkönigin Summiri. Sein Nachfolger Muwatalli I., „ein Usurpator“ wurde von Himuilu und Kantuzili, den „Kindern der Königin“ ermordet. Die meisten Forscher sind sich einig, dass es sich dabei um Söhne von Summiri, der Gattin von Huzzija II., handelt. Ein Mord an einem Verwandten schloss sie nach dem Gesetz des Telipinu aber von der Thronfolge aus. Der Kommandeur der königlichen Leibwache, Muwaš (...u-u-wa-aš), rächte den Tod des Königs und tötete die Königin (KUB XXXIV, 40, 12). Muwaš, zusammen mit den treuen Anhängern des Muwatalliš I. scheint sich danach mit den Hurritern verbündet zu haben.

Der Vater von Tudhalija dagegen nahm den Kampf gegen die Hurriter und deren Verbündete auf (KUB XXIII 16).

Nach KBo XVI 24+25 war dagegen Tuthalyaš selbst der Mörder von Huzzija II.

Tudhalija I.-III.

Da der Vertrag zwischen Tudhalija und Kizzuwatna seiner sprachlichen Form nach kaum aus einer Hand ist, hat G. Wilhelm einen zweiten Tudhalija erschlossen, einen Enkel des ersten. Somit wäre Tudhalija I. gleichzeitig mit dem König Sunassura I. von Kizzuwatna, Šauštatar von Mitanni und Niqmepa von Alalach, Tudhalija II. dagegen mit Sunassura II. und Barattama II. von Mitanni. G. Kestemont nimmt sogar drei Könige von Kizzuwatna mit dem Namen Sunassura an, was die Situation noch mehr komplizieren würde. Es gibt mit Sicherheit einen Tudhalija, dessen Großvater ebenfalls Tudhalija hieß. Dieser kann damit entweder der Enkel von Tudhalija I. oder des hypothetischen Tudhalija II. gewesen sein, was ihn zu Tudhalija III. machen würde. Nach den meisten Forschern, z. B. J. Klinger und S. De Martino gab es aber nur einen Sunassura von Kizzuwatna, der damit ein Zeitgenosse von Šauštatar, Niqmepal und Tudhalija I. und II. gewesen wäre.

Verwandtschaft

Tudhalijas Gattin, „die junge Königin“ stammte wohl von der alten Dynastie ab. Auch ihre Identität ist aber umstritten. Otten identifiziert sie mit Nikalmati, die J. Freu für die Tochter von Alluwamna und Harapseki hält. Nikalmati wird aber auch als Tochter von Tuthalijaš (I. oder II.) oder von Arnuwanda I. identifiziert. Nach KBo XVI 24+25 war Ašmunikal, die aus einer Gegend stammte, in der Hurriter und Luwier zusammenlebten, also vielleicht Kizzuwatna, die Gemahlin von Tuthalijaš. Ašmunikal war die Tochter von Nikalmati.

Ziplantawiya war eine Schwester der hethitischen Königs Tudhalija und „Königin von Kizzuwatna und ganz Hatti“. Ob es sich dabei um Tudhalija I., II. oder III. handelt, ist unklar.

Großkönig Großkönigin Regierungszeit nach Freu 2001
Zidanzaš - 1500-1475
Huzzijaš II. II Summiri 1485-1470
Muwatalliš I - 1470-1465
NN., Vater von Tuthaljiaš Nikalmati oder Harapseki -
Tuthalijaš I. Ashmunikal 1465-1440
Hattusiliš II. - 1440-1425

Regierung

Thutmosis III. hatte um 1440 weite Teile der Levante, darunter auch Jamchad erobert. Um 1436 war es dort zu einer Rebellion gegen die Ägypter gekommen, und die Stadt stellte sich unter die Kontrolle von Hanigalbat. Tudhalija erneuerte die Vasallenverträge mit Kizzuwatna und wandte sich dann nach Syrien. Er konnte einen wichtigen Sieg über Hanigalbat erringen und brachte anscheinend auch Aleppo wieder unter hethitische Kontrolle. Nach Macqueen waren die Hethiter hier vor allem an der Kontrolle der Handelswege nach Süden interessiert.

Im Nordosten führte Tudhalija Feldzüge gegen Isuwa jenseits des Euphrats (wohl bei Elazığ), Azzi und Hayasa sowie nach Nordwesten gegen Assuwa, das noch nicht zufriedenstellend lokalisiert ist. Im Norden machten sich zunehmend die Kaskäer bemerkbar, ein Bergvolk in der Gegend des späteren Paphlagoniens, gegen die seit der Zeit Tudhalijas fast durchgehend Feldzüge unternommen wurden, ohne die Gegend dauerhaft befrieden zu können. Die Anlage zahlreicher Befestigungen in diesem Gebiet scheint aber in die späte Großreichszeit zu fallen. Manche Forscher nahmen an, dass die Kaskäer unter Tudhalija einwanderten, es gibt aber wenig Zeichen für Veränderungen des Siedlungsbildes zu dieser Zeit. Vielleicht kam es unter zunehmenden hethitischen Druck zu einem Zusammenschluss der vorher eher verstreuten Bergstämme.

Weitere Feldzüge führten den Großkönig an den Fluss Seha, gegen Achijawa und dessen König Attarsiyas, der hethitische Vasallen angegriffen hatte, und Arzawa.

Hurritisierung

Tudhalija war mit der Hurriterin Nikalmati verheiratet, und viele Forscher sehen seine Regierungszeit als den Beginn einer tiefgreifenden Hurritisierung, die besonders die Religion betraf. Sie wurde durch Puduhepa, die hurritische Frau von Hattusili III. fortgesetzt. Ob Tuthalijaš selber hurritische Vorfahren hatte, ist umstritten. Seit dem Beginn seiner Dynastie führten die Könige von Hatti jedoch oft einen hattischen Eigennamen und einen hurritschen Thronnamen.

Nachfolger

Tudhalijas Nachfolger war Arnuwanda I. (um 1400), der sich weder der Kaskäer noch der Isuwier erwehren konnte. Hattuša wurde niedergebrannt, und die syrischen Gebiete scheinen größtenteils an Hanilgabat gefallen zu sein.

Zeitgenossen

Zeitgenossen von Tudhalijaš I. (1430-1400)
Ägypten Assyrien Hanigalbat
Thutmosis III. (1445–1413) Enlil-nasir II. (1432 –1426) Sauštatar (1440-1410)
Amenophis II. (1413–1388) Aššur-nirari II. (1426– 1419) Artatama I. (1410 -1400)
  Aššur-bel-nišešu (1419– 1411)  
  Aššur-rim-nišešu (1411– 1401)  
  Aššur-nadin-ahhe II. (1401-1391.)  

Literatur

  • J. G. Macqueen: The Hittites. London 1996

Einzelnachweise

  1. Karen Radner und Stephan Kroll, Ein Bronzedolch des Simbar-Šipak von Babylon (1025–1008). Überlegungen zu Waffenweihungen im Vorderen Orient


Vorgänger Amt Nachfolger
Muwatalli I. Hethitischer Großkönig
1430-1400 v. Chr.
Arnuwanda I.

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