Bauernbad

Unter Bauernbad versteht man historisch einerseits ein Mineral- oder Schwefelbad mit Beherbergungseinrichtung, andererseits auch die Bauernschwitzstube (Bauernsauna).

Inhaltsverzeichnis

Entstehung der Bauernbäder

Im vorindustriellen Europa ist Salz ein Wirtschaftsfaktor. Daher wird intensiv danach gesucht. Neben Salzvorkommen findet man zusätzliche Mineralquellen, die sich zu den heute bekannten Heilbädern weiterentwickeln. Besonders im 18. Jahrhundert erfahren diese Bäder einen starken Aufschwung, da sie von der feinen Gesellschaft (Großbürgertum und Adel) positiv aufgenommen werden. Die zu dieser Zeit bestehenden Standesunterschiede verhindern den Zugang der einfachen Bevölkerung zu diesen Bädern. Auch sind weitere Reisen damals mit hohen Kosten verbunden, die die einfache Bevölkerung nicht aufbringen kann. Nach den damaligen Maßstäben sind die vornehmen Heilbäder für die einfachen Leute schlicht zu mondän. Es entstehen im 18. Jahrhundert die sogenannten Bauernbäder, vor allem rund um das Wiehengebirge im heutigen Ostwestfalen (Nordrhein-Westfalen), aber auch in Tirol und Kärnten. Sie verfügen über eine hauseigene Mineral- oder Schwefelquelle, zusätzlich findet sich teilweise Moor, welches therapeutisch genutzt werden kann. Die Höhenlage sorgt für klare Luft und ein Schon- bzw. Reizklima (je nach Standort).

Bedeutung für das bäuerliche Leben

In den Bauernbädern kurieren nicht die Großbürger und Adligen ihre Leiden, sondern die Bauern der Umgebung. Die einheimische Landbevölkerung besucht die Bauernbäder oft und gerne. Die Bauern kommen oftmals in Gemeinschaft - Bauer, Knecht, Magd -, hauptsächlich aus dem mit dem Pferdefuhrwerk leicht erreichbaren Umkreis. Wer für eine tägliche Badefahrt zu weit entfernt wohnt, kann für die Dauer der Kur auch an Ort und Stelle logieren, wobei meist nur ein Schlafplatz in Anspruch genommen wird. Die Menschen erhoffen Heilung oder wenigstens Linderung der vorwiegend rheumatischen Beschwerden. Großeltern nehmen gerne ein oder zwei Enkelkinder mit, weil es denen gut tun soll, aber auch, um selbst keine Langeweile zu haben. Auf den Schulbesuch wird damals noch keine Rücksicht genommen. Wer von den im bäuerlichen Arbeitsablauf des Hofes stehenden Eltern eine Badekur nötig hat, legt diese nach Möglichkeit in den Frühsommer. Wenn die Gemüsegärten eingesät sind und das Heu vom ersten Schnitt eingebracht ist, kommen einige ruhigere Wochen im bäuerlichen Betrieb, bis dann um den Jakobi-Tag (25. Juli) die große Arbeits-und Erntezeit beginnt. Ein weiterer häufiger Zeitpunkt für den Antritt einer Kur ist die Zeit nach der Ernte. Es ist üblich, in diesen Wochen an die Familie und an die eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu denken. Größere Einladungen werden gegeben und angenommen, Hochzeiten gefeiert und auch ohne unmittelbares Kranksein etwas für die Gesundheit getan. Es gibt bäuerliche Eheverträge, in denen mit der Mitgift der Braut der Anspruch auf regelmäßige Badekuren für die zukünftige Bäuerin festgelegt wird. Die Ansprüche richten sich dabei nach der Größe des Hofes. Es liegt im gemeinsamen Interesse, die Kosten möglichst niedrig zu halten. Man verpflegt sich selbst mit Mitgebrachtem, z. B. Schinken, Würsten, Brot und Butter, auch Grütze und Hülsenfrüchten, die dann selbst zubereitet werden. Für die Schlafstellen hat man das eigene Bettzeug bei sich. Man vertraut der heilenden Wirkung der Bäder und freut sich über die Abwechslung von der nüchternen Arbeit und Enge des Alltags. Man lernt neue Menschen kennen und trifft alte Bekannte aus früheren gemeinsamen Kuren wieder. Man tauscht sich aus über woher und warum, erzählt einander von Hof, Vieh, Wiesen und Feldern, natürlich auch von Kindern und Mägden.

Bauernbad als Schwitzbad

Es handelt sich um eine besondere Art der Trockensauna mit Ursprung Tirol. Die Besonderheit liegt in der Kombination einer langsam ansteigenden, allmählicher Überwärmung des Körpers mit parallel hierzu aufsteigenden Kräuterdämpfen, die die Atemwege reinigen.

Quellen

  • Bad Oexen. Rückblick auf ein ehemaliges Bauernbad am Südhang des Wiehegebirges (Manuskript). Marianne Busche, 1980

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