Bergmannrohr

Das Bergmannrohr ist ein heute nicht mehr verwendetes Rohr zur Elektroinstallation, in das einzelne isolierte Adern eingezogen wurden. Benannt wurde es nach seinem Hersteller, der Firma Sigmund Bergmann & Co. in Berlin.

Ursprünglich bestand das Rohr aus einer wasserdichten Papiermasse ohne Schutzmantel. Ab ca. 1900 bekam es zum besseren Schutz der Papiermasse einen gefalzten Mantel aus Messingblech, verbleitem Stahlblech oder aus Stahlblech mit Aluminiumauflage.

Bergmannrohre wurden in 3 m langen Stangen mit einem Innendurchmesser von 9, 11, 13½, 16, 21, 23, 29, 36 und 48 mm gefertigt. Durch geteilte Muffen konnten die Rohre nach Einziehen der Leitungen miteinander verbunden werden.
Weite Bögen konnten mit Rohrbiegezangen hergestellt werden. Nach den damals gültigen Vorschriften des Elektrohandwerks musste der Falz des Metallmantels bei der Herstellung eines Bogens jeweils außen oder auf der der Wand zugekehrten Seite liegen. Für enge Abwinkelungen, Abzweige und Auslässe gab es verschiedene, meist aufklappbare oder auseinandernehmbare Zubehörteile, wie Muffen, Winkel, T- und Kreuzstücke sowie Endtüllen aus Keramik. Bergmannrohre wurden vorzugsweise für die Aufputzinstallation in trockenen Räumen, aber auch bei der Unterputzinstallation verwendet. Die Befestigung erfolgte mit Schraub- oder Nagelschellen.

Bergmannrohre werden schon seit langer Zeit nicht mehr hergestellt. An ihre Stelle traten Installationsrohre oder Installationskanäle aus PVC oder flammhemmend ausgerüstetem Polypropylen. Einer der Gründe dafür war das Sicherheitsrisiko bei an einer Stelle (zum Beispiel einer Blechkante) versagender Isolation; unter Umständen stand dann das gesamte Rohrsystem unter Netzspannung.

Siehe auch

Leitungsverlegung, Elektroinstallation, Installationszone

Literatur/Quellen

  • A. Verduhn/W. Nell: Handbuch Elektrotechnik. Fachbuchverlag GmbH Leipzig

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