Bernd Marin
Bernd Marin (Wien 2008)

Bernd Marin (* 1948 in Wien) ist ein österreichischer Sozialwissenschafter.

Leben und Beruf

Nach Studien an der Universität Wien, am Institut für Höhere Studien (IHS) in Wien sowie an der Universität Harvard war Marin zuerst Mitarbeiter und später stellvertretender wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Konfliktforschung in Wien (1975–84), von 1984 bis 1988 Professor for Comparative Political and Social Research am Europäischen Hochschulinstitut (European University Institute, EUI), der EU-Universität in Florenz, 1986/87 Dekan für Gesellschaftswissenschaften.

Seit 1988 ist er Executive Director des Europäischen Zentrums für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung, einer mit den Vereinten Nationen verbundenen wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Denkfabrik in Wien. Seit 1972 hielt er Vorlesungen an verschiedenen österreichischen Universitäten (Universität Wien, Wirtschaftsuniversität Wien, Universitäten Linz und Innsbruck) sowie Gastvorlesungen an europäischen, amerikanischen und japanischen Universitäten, unter anderem an den Universitäten Harvard, M.I.T., Columbia, New York, New School for Social Research, City University of New York, Cornell University, Berkeley, Los Angeles, Budapest, Moskau, Roskilde, Barcelona, Amsterdam, Paris, Kent (Canterbury), Jerusalem und Sophia-Universität (Tokyo) und war Gastprofessor in Zürich, Warschau, Florenz und Innsbruck. Weiters lehrte und forschte er an mehreren außeruniversitären Forschungszentren wie dem Institut für Höhere Studien in Wien, am Management-Institut des Wissenschaftszentrums für Sozialforschung in Berlin, am Centre de Sociologie des Organisations (C.S.O./CNRS) und am Maison de Sciences de l’Homme, beide Paris. Er ist Berater internationaler Organisationen, Unternehmen und NGOs, wissenschaftlicher Rapporteur der III. Europäischen Sozialministerkonferenz 1993, Experte zum UN-Weltsozialgipfel 1995 und Regional Follow-up 1998, Rapporteur zur Regionalen Implementierungsstrategie (RIS) zum II. Weltaltenplan 2002 (MIPAA) sowie zu den Interministeriellen UN-Konferenzen zu Altersfragen (Berlin September 2002 und León November 2007), seit dem Jahre 2004 Monitoring der RIS für U.N.-Europa, Mitglied österreichischer Pensionsreformkommissionen und Regierungsberater in EU-Ländern.

Bernd Marin ist Autor und Herausgeber von Publikationen in zahlreichen Sprachen und zwanzig Buchveröffentlichungen. Von den früheren Buchveröffentlichungen waren am einflussreichsten der Bericht an die Europäische Sozialministerkonferenz 1993 in Bratislava Welfare in a Civil Society (Hauptautor), die netzwerktheoretischen Bücher Policy Networks. Empirical Evidence and Theoretical Considerations (Ed. with R. Mayntz, 1991), Generalized Political Exchange. Antagonistic Cooperation and Integrated Policy Circuits (Ed., 1990) und Governance and Generalized Exchange. Self-Organizing Policy Networks in Action (Ed., 1990), die Studie zur österreichischen Wirtschafts- und Sozialpartnerschaft Die Paritätische Kommission. Aufgeklärter Technokorporatismus in Österreich (1982) sowie zur Verbandswirtschaft Unternehmerorganisationen im Verbändestaat (Bd. I, 1986) und gesammelte Studien zur Vorurteilsforschung (1974–1991) in Antisemitismus ohne Antisemiten. Autoritäre Vorurteile und Feindbilder (2000).

Bernd Marin (AARP/European Centre Conference, Dürnstein 2008)

Von 1979 bis 1996 war Bernd Marin Herausgeber des Journals für Sozialforschung, der zeitweise meistverbreiteten sozialwissenschaftlichen Fachzeitschrift im deutschsprachigen Raum.

Zu öffentlicher Bekanntheit brachte es Marin seit Beginn der 1990er Jahre im Zuge der öffentlichen Debatten um innovative Beschäftigungsinitiativen, Lebensarbeitszeitmodelle, Sozialumbau und vor allem um Wohlfahrts- und Pensionsreformen. So beriefen sich etwa im Zuge der sehr kontroversiellen Pensionsreformen der Kabinette Schüssel I und II alle politischen Parteien im Parlament auf seine Expertisen. Neben seinen wissenschaftlichen Veröffentlichungen hat er sich durch zahlreiche Auftritte in Radio und Fernsehen und regelmäßige Kolumnen für Zeitungen wie Die Presse, Der Standard, die Salzburger Nachrichten auch als Publizist einen Namen gemacht und gilt als einer der international gefragtesten Wirtschafts- und Sozialwissenschafter.

Publikationen (Auswahl)

  • Women's Work and Pensions: What is Good, What is Best? Designing Gender-Sensitive Arrangements. Ed. with E. Zólyomi, 2010
  • Facts and Figures on Long-Term Care. Europe and North America. With M. Huber, R. Rodrigues, F. Hoffmann, K. Gasior, 2009
  • Mainstreaming Ageing. Ed. with Asghar Zaidi, 2007
  • Transforming Disability Welfare Policies. Towards Work and Equal Opportunities. Ed. with Ch. Prinz and M. Queisser, 2004
  • Facts and Figures on Disability Welfare. Mit Ch. Prinz, 2003
  • Innovative Employment Initiatives. Ed. with Dennis Snower and Danièle Meulders, 2000
  • Pensionsreformen. Nachhaltiger Sozialumbau am Beispiel Österreichs. Mit Ch. Prinz, Okt. 1999, 2. Aufl.
  • Managing AIDS: Organizational Responses in Six European Countries. Ed. with Patrick Kenis, 1997

Weblinks


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