Beueler Wäscherinnen
Das älteste Bild um 1900 des Beueler Damenkomitee von 1824

Auf der Sonnenseite von Bonn, in Beuel, hatte sich seit Jahrhunderten der Gewerbezweig der Beueler Wäschereien etabliert. Hier wurde ein Großteil der Wäsche aus den umliegenden Städten, auch die aus Köln, gewaschen.

Im Jahr 1824 entschlossen sich einige Wäscherinnen, die Männerherrschaft im Karneval aufzubrechen. Am Donnerstag vor den tollen Tagen, als ein Großteil der Beueler Männer die frisch gewaschene Wäsche per Schiff nach Köln auslieferte, schlossen sich die Frauen zu einem Damenkomitee (heute: Altes Beueler Damenkomitee von 1824 e. V.) zusammen und schlugen die erste Schlacht gegen Griesgram und Muckertum. Die Beueler Damen trieben es recht heftig seit diesem Tag. Belegt wird dies auch durch eine Steinskulptur, die „keifende Waschfrau“ (Brückenweibchen), die im Jahr 1898 am Strompfeiler der alten Rheinbrücke angebracht wurde, um dem dortigen Brückenmännchen Paroli zu bieten.

Die Steinskulptur wurde 1945 aus den Trümmern der zerstörten Rheinbrücke geborgen, zur 125-Jahr-Feier der Beueler Weiberfastnacht im Jahr 1949 am Rheinufer aufgestellt und am 25.Februar 1949 vom Kölner Regierungspräsidenten Wilhelm Warsch feierlich enthüllt. Die Inschrift des Denkmals lautet: „De Welt es e Lake, dat selvs de Beueler net wäsche könne“.

Im Zuge von Umbauarbeiten im Bereich der Brücke wurde die Skulptur im Jahr 2006 an der neuen Hochwasserschutzmauer in der Nähe des Anlegers der Personenfähre angebracht.

Den schlechten Ruf hatten die Wäscherinnen eigentlich nur durch das jecke Treiben an Weiberfastnacht. Die übrige Zeit waren sie lammfromm.

Beueler Wäscherprinzessin

Brunnen der Beueler Waschfrauen

Seit 1958 wird aus den mittlerweile 16 Damenkomitees aus allen Ortsteilen Beuels, zusammen mit der Obermöhn, die Wäscherprinzessin proklamiert. Anfangs wurden die Wäscherprinzessinnen ausschließlich von den Wäschereien gestellt; als dieses immer schwieriger wurde, übernahmen die Damenkomitees reihum Jahr für Jahr diese Aufgabe. Die Equipe der Wäscherprinzessin besteht aus zwei Wäscherinnen, den vom Beueler Stadtsoldaten-Corps gestellten Adjutanten (Bützoffiziere), der Obermöhn und dem Damenkomitee, aus der die Prinzessin kommt. Erste Wäscherprinzessin 1958 war Maria Balzer. Seit dem hilft „Ihre Lieblichkeit, die Wäscherprinzessin“ mit der Obermöhn und den Damenkomitees das Beueler Rathaus zu erstürmen.

Prinzen und Prinzessinnen gibt es reichlich im Karneval, doch die Wäscherprinzessin gibt es nur in Beuel. Sie ist einzigartig in Deutschlands Karnevalsregionen. Erfunden übrigens wurde sie von einem Westfalen: Franz Brock, dem damaligen Beueler Stadtdirektor.

Neben den Damenkomitees sind die Beueler Stadtsoldaten, die Schutztruppe der Wäscherprinzessin, für die Weiberfastnacht unverzichtbar. Zwei ihrer Stadtsoldaten, die so genannten Bützoffiziere, gehören seit Jahren zur offiziellen Abordnung der Beueler Weiberfastnacht.

Vor dem Beueler Heimatmuseum steht heute zu Ehren der Wäscherinnen der Wäscherinnen-Brunnen, entworfen von Ernemann Sander. Das Heimatmuseum Beuel ist das erste lokalhistorische Museum im Raum Bonn. Es wurde 1986 aus privater Initiative im ältesten Fachwerkhaus von Beuel eröffnet. Dieses Museum präsentiert die gesamte historische Entwicklung auf Beueler Boden. Es werden auch die Beueler Anfangsgewerbe Fischerei, Schifffahrt und Wäscherei beschrieben und die Besucher gewinnen einen Einblick in das Leben, Arbeiten und Wohnen um die Jahrhundertwende.

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