Blasenschrittmacher

Ein Blasenschrittmacher ist eine elektrische Vorrichtung im Sinne einer funktionellen Elektrostimulation, die es Querschnittgelähmten ermöglicht, bei Bedarf kontrolliert die Harnblase zu entleeren.

Ein häufiges Problem bei querschnittgelähmten Patienten ist die kontrollierte Blasenentleerung. Durch rhythmisches Beklopfen („Triggern“) der Blasengegend und/oder spezielle Handgriffe eines geübten Pflegers (Crede-Handgriff) wird die Blase zur Entleerung gebracht. Dabei verbleibt jedoch meist noch Urin in der Blase (sog. Restharn), der Ursache für Harnwegsinfekte sein kann. Durch das Klopfen bzw. Ausdrücken der Blase entstehen regelmäßig hohe Blasendrücke (siehe Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie), so dass es zu einer Divertikelblase und einem Reflux kommen kann (der Harn fließt in die Nieren zurück). Viele Querschnittgelähmte starben an den Folgen eines chronischen Nierenversagens. Bei Tetraplegikern kann es zudem durch die sog. autonome Dysreflexie zu krisenhaften Blutdrucksteigerungen kommen, die das Risiko eines Schlaganfalls erhöhen.

Seit vielen Jahren wird deshalb der intermittierende Selbstkatheterismus als Mittel der Wahl gesehen, wobei sich der Querschnittgelähmte selber nach einem bestimmten Rhythmus mehrmals täglich einen Einmalkatheter legt. Durch diese Maßnahme ist die Sterblichkeit erheblich zurückgegangen.

Auch der unkontrollierte Urinverlust ist ein Problem dieser Personengruppe, falls kein Blasenkatheter gelegt wurde oder kein Kondomurinal zum Einsatz kommt.

Eine Alternative zu diesen Blasenentleerungsmanövern sind sog. Blasenschrittmacher. Es handelt sich dabei um implantierte Generatoren, die mit Hilfe von Reizströmen die entsprechenden Nerven stimulieren und zur Blasenentleerung führen. Die Kontrolle findet dabei durch ein externes Steuergerät statt.

Literatur

  • Fördergemeinschaft der Querschnittgelähmten (FGQ) (Hrsg.): paraplegiker 2/2010, S. 34ff

Weblinks


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