Blechburg
Die Ruine Blechburg, 2008

Die Blechburg ist ein heute ruinöser Aussichtsturm mit Aussichtsbastion auf der Hangkante oberhalb von Haus Jägerberg im Stadtteil Oberlößnitz des sächsischen Radebeul, im Augustusweg 110.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussichtsturm Jägerberg, Ölgemälde von Woldemar Hermann, 1844
Schaubild des Bilz-Sanatoriums, Gesamtanlage um 1900, die Blechburg mit Bastion oben rechts

Der seinerzeitige Besitzer des Jägerbergs, der Weinbergsbesitzer und Weinhändler August Traugott Hantzsch, ließ 1844 auf der Höhe seines Weinbergsanwesens, etwa gleichauf mit dem Spitzhaus,[1] durch seinen Dresdner Architekten Woldemar Hermann einen Aussichtsturm „im gotischen Style“ mit Unterstellmöglichkeit errichten. Anlass soll ein Regenschauer gewesen sein, der das Weinhändlerehepaar auf der Höhe überraschte.[1]

Der „30 Ellen hohe“[2] Aussichtsturm (Erkerturm) wurde auf einem achteckigen Grundriss aus Granitblöcken errichtet. Er verjüngte sich nach oben und war obenauf mit einem Zinnenkranz versehen. Im Erdgeschoss waren, direkt zugänglich, Vorrats- und Geräteraum. Der Hauptraum darüber mit fünf spitzbogigen Sandsteinfenstern und einem hölzernen Gewölbe war nur über eine Außentreppe erreichbar. Die obenauf gelegene Aussichtsplattform wurde über den angebauten schlanken Treppenturm mit Spitzhaube bestiegen. Davor befand sich direkt an der Hangkante eine Aussichtsbastion. Von dort oben hatte man, jedenfalls einem Ölgemälde von 1844 zufolge[3], einen Blick bis nach Dresden zur Frauenkirche.

Der Oberlößnitzer Naturheilkundler Friedrich Eduard Bilz erwarb den Aussichtsturm 1895 im Zusammenhang mit dem Erwerb von Haus Jägerberg, das er 1899 zu seinem Kurhaus IV machte. Die Blechburg wurde zu einem der Zielpunkte der vielen Wege, die Bilz für die Patienten und Besucher seines Bilz-Sanatoriums anlegte.

1944 wurde der Turm von Hitlerjungen angezündet und brannte ab.[1] Heute steht nur noch die Ruine des denkmalgeschützten[4], achteckigen Erkerturms, bestehend aus den Außenwänden. Auch die erste Stufe der Außentreppe ist noch erkennbar.

Literatur

  • Frank Andert (Redaktion); Große Kreisstadt Radebeul. Stadtarchiv Radebeul (Hrsg.): Stadtlexikon Radebeul. Historisches Handbuch für die Lößnitz. 2. Auflage. Stadtarchiv, Radebeul 2006, ISBN 3-938460-05-9. 
  • Volker Helas (Bearb.); Landesamt für Denkmalpflege Sachsen und Stadt Radebeul (Hrsg.): Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Denkmale in Sachsen: Stadt Radebeul. SAX-Verlag, Beucha 2007, ISBN 978-3-86729-004-3. 
  • Gert Morzinek: Historische Streifzüge mit Gert Morzinek.. Die gesammelten Werke aus 5 Jahren „StadtSpiegel“. premium Verlag, Großenhain 2007.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b c Das Bilzsanatorium in der Oberlößnitz
  2. Große Kreisstadt Radebeul (Hrsg.): Stadtlexikon Radebeul. Historisches Handbuch für die Lößnitz, 2., leicht geänderte Auflage 2006. S. 92
  3. Landesamt für Denkmalpflege Sachsen und Stadt Radebeul (Hrsg.): Stadt Radebeul. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Denkmale in Sachsen, SAX-Verlag, Beucha 2007. S. 69
  4. Denkmalliste Radebeul
51.11256944444413.686816666667

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