Blindschacht

Ein Blindschacht verbindet intern ein oder mehrere Sohlen eines Bergwerks. Er erreicht nicht die Tagesoberfläche. Die Erdoberfläche erreichende Schächte werden als Tagesschächte bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Begriffsherkunft

Blindschächte werden in der Bergmannssprache „blind“ genannt, da sie nicht „zu Tage“ treten und sie also kein Licht der Oberfläche erreicht.

Abgrenzung

Blindschächte verbinden jedoch im Gegensatz zu nach unten ausgeführten Gesenken oder nach oben gerichteten Überhauen mindestens zwei Sohlen eines Grubengebäudes. Die Abgrenzung zu sohlenübergreifenden Abbauen oder sonstigen höheren Hohlräumen eines Bergwerkes kann im Einzelfall schwierig sein; in diesem Falle kommt es in erster Linie auf Nutzung, d.h. die infrastrukturelle Funktion an. Ebenso werden Rollöcher trotz der Funktion des Erztransportes gewöhnlich nicht als Blindschächte bezeichnet. Dessen ungeachtet werden im Rahmen des Strossenbaus durch Verbau offengehaltene Schächte des versetzten Abbauhohlraums durchaus als Blindschächte benannt.

Zweck

Blindschächte dienen zur Verbesserung der Wetterführung innerhalb eines Bergwerks, zur Verkürzung des Transports von Erz sowie Bergen in besser zur Abfuhr geeignete Stollen oder Sohlen, zur Erleichterung des internen Personen- und Materialtransports sowie zur Vorrichtung zum Abbau vorgesehener Erzgangabschnitte im Firstenbau.

Geschichtliches

Blindschächte wurden bereits im Mittelalter eingesetzt, da die damals verfügbaren Seile technisch eine bestimmte Länge nicht wesentlich überschreiten konnten. Wenn also die im reinen Schachtbergbau ausgeführten Teufen ein bestimmtes Maß überschritten, wurde im Rahmen einer Haspelkammer, eines Absatzes oder dergleichen ein zur Seite versetzter neuer Blindschacht abgeteuft, um so eine weitere Seilförderungstelle mit Übergabemöglichkeit einzurichten. Im Rahmen des Übergangs zum Stollenbau, insbesondere beim Einsatz von Erbstollen, und darauf folgend zum Firstenbau wurden Blindschächte vermehrt eingesetzt. Die weitere Nutzung von Blindschächten zur Verbesserung des Wetterstromes, der Entwässerung und des Personen- und Materialtransportes markiert den Übergang zum modernen (Tief-)Bergbau.

Literatur

  • Hans Grothe (Hrsg.): rororo Techniklexikon Bergbau, Rowohlt Taschenbuch-Verlag, Reinbek 1972, ISBN 3 499 19044 3

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