Body Count (Krieg)

Body Count ist ein Begriff für die Zählung der getöteten Mitglieder der gegnerischen Kriegspartei.

Inhaltsverzeichnis

Vietnamkrieg

Die USA versuchten im Vietnamkrieg, durch den Body Count ihre eigenen Fortschritte zu bemessen, Verfechter war der damalige US-Verteidigungsminister Robert McNamara: Je mehr gegnerische Leichen gezählt wurden, desto erfolgreicher schienen die amerikanischen Truppen zu sein. Andere „Kennzahlen“ für militärischen Erfolg, wie z. B. die Eroberung von so-und-soviel Quadratkilometer Land oder abgeschossenen Flugzeugen sind nur im konventionellen Krieg gegen Armeen sinnvoll, nicht aber gegen personell und technologisch unterlegene Aufständische und Guerilleros. Die Gegner wurden dabei in drei Kategorien eingeteilt:

  • A: nordvietnamesische Soldaten und Kämpfer der FNL
  • B: „Schlafende“ also inaktive FNL-Kader
  • C: Personen, die „in irgendeiner Weise“ mit der FNL zusammenarbeiteten.

Von der außerordentlich unscharfen Definition der Gruppe C war auch die Zivilbevölkerung in den Free Fire Zones betroffen. „Wenn man nach der Body-Count-Mentalität handelte und die Quoten erfüllen wollte, dann war das nur durch die Gruppe C zu schaffen - und das war einwandfrei Völkermord“, sagte nach dem Vietnamkrieg der CIA-Agent K. Barton Osborn, der für dieses Programm mitverantwortlich gewesen war.

Die Ergebnisse des Body Count wurden allabendlich über den Rundfunk verbreitet und sollten der psychologischen Kriegführung dienen. Nach Angaben von Conrad C. Crane, Direktor des militärhistorischen Instituts des US Army War College, habe man in Vietnam eine Zermürbungsstrategie verfolgt, so dass body counts zum Maßstab der Leistungsfähigkeit militärischer Einheiten wurden.[1] Aus Karrieresucht seien die Zahlen öfters verfälscht worden und sollen groteskerweise schließlich sogar die angenommene Gesamtzahl der vietnamesischen Gegner übertroffen haben.

Ein Beispiel für die Unzuverlässigkeit der „ermittelten“ Zahlen nennt William Calley in seinem Buch Ich war gerne in Vietnam. Nach einem erfolglosen Gefecht wurde er per Funk nach der Anzahl der getöteten Gegner gefragt, worauf er verlegensheithalber „six to nine“ (sechs bis neun) antwortet. Auf die Gegenfrage „....sixtynine?“ (neunundsechzig?) bestätigt er. Damit stieg der Body Count um 69 getötete Gegner, während Calley angibt, in Wirklichkeit überhaupt keinen toten Feind gesehen zu haben.

Strategiewechsel

Nach den Erfahrungen aus Vietnam vermieden US-Kommandeure in späteren Konflikten Angaben über getötete Gegner - bis in die Frühphase des Irakkrieges hinein. Mittlerweile hat das US-Militär trotz möglicher „bad publicity“ bei hohen zivilen Opferzahlen diese Strategie wieder aufgenommen, um seine Erfolge bei Operationen gegen Aufständische im Irak aufzeigen zu können.

Zitate

  • We don't do body counts on other people“ - US-Verteidigungsminister Donald H. Rumsfeld im November 2003 bei „Fox News Sunday“ auf die Frage, ob die Zahl getöteter Feinde im Irakkrieg US-amerikanische Verluste übersteige[1]

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b Enemy Body Counts Revived Washington Post, 24. Oktober 2005, engl.
  2. Casualties in the Iraq war CBC, 31. August 2006, engl.

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Body Count — (englisch, in etwa: „Körperanzahl“) bezeichnet Body Count (Krieg), eine Kennzahl der Kriegsführung. Body Count (Band), eine US amerikanische Crossover Band. Body Count (Album), Musikalbum der gleichnamigen Band Filme: Body Count (1995), ein US… …   Deutsch Wikipedia

  • Amerika-Krieg — Vietnamkrieg Datum 1960/65–30. April 1975 …   Deutsch Wikipedia

  • Amerikanischer Krieg — Vietnamkrieg Datum 1960/65–30. April 1975 …   Deutsch Wikipedia

  • Vietnam-Krieg — Vietnamkrieg Datum 1960/65–30. April 1975 …   Deutsch Wikipedia

  • Besatzung des Irak nach dem Irak-Krieg — Geteilte Besatzung des Irak 2003 2008 durch die USA (türkis und purpur), Großbritannien (grün) und Polen (hellrot) Seit dem Ende des Dritten Golfkrieges wird der Irak von einer Koalition unter Führung der Vereinigten Staaten besetzt. Es wurden… …   Deutsch Wikipedia

  • Bodycount — Body Count (englisch, in etwa: „Körperanzahl“) bezeichnet Body Count (Krieg), eine Kennzahl der Kriegsführung. Body Count (Band), eine US amerikanische Crossover Band. Body Count (Album), Musikalbum der gleichnamigen Band mehrere Filme, u. a.… …   Deutsch Wikipedia

  • Amerikakrieg — Vietnamkrieg Datum 1960/65–30. April 1975 …   Deutsch Wikipedia

  • II. Indochinakrieg — Vietnamkrieg Datum 1960/65–30. April 1975 …   Deutsch Wikipedia

  • Vietmamkrieg — Vietnamkrieg Datum 1960/65–30. April 1975 …   Deutsch Wikipedia

  • Vietnamkonflikt — Vietnamkrieg Datum 1960/65–30. April 1975 …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”