Bolnissi
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Bolnissi (georgisch ბოლნისი) ist eine Stadt in Georgien. Sie liegt in der Region Niederkartlien (Kwemo Kartli) und hat 17.700 Einwohner.

Inhaltsverzeichnis

deutscher und georgischer Hintergrund

Die Stadt geht auf eine Gründung durch kaukasiendeutsche Siedler unter dem Namen Katharinenfeld zurück. Der heutige Name stammt von der nahe gelegenen, weitaus älteren Kirche Bolnissi Sioni.

Geschichte

Im Jahr 1818 wurde einige Kilometer von der Kirche Sioni Bolnisi entfernt eine deutsche Siedlung von württembergischen radikalen Pietisten (damals Separatisten genannt, da sie sich von der Landeskirche abspalteten), unter dem Namen Katharinenfeld gegründet. Der Name sollte die württembergische Königin Katharina, die Schwester von Zar Alexander I. ehren. Während eines muslimischen Aufstandes im Südkaukasus anno 1826 wurde die Stadt von muslimischen Freischärlern überfallen. Zahlreiche Einwohner wurden getötet oder als Sklaven in die Türkei entführt. Im Gedenken an dieses Vorkommnis und an den anschließenden Wiederaufbau wurde jährlich ein "Aufbaufest" gefeiert. Im Ort gab es fünf Fußballmannschaften, eine deutsche Zeitung, eine Grundschule, eine lutherische Kirche mit Chor, einen Jägerverein, eine Theatergruppe und einen Stadtpark.[1].

Nach der Besetzung Georgiens durch die Rote Armee 1921 wurde der Name in Luxemburg geändert. 1941 wurden alle Kaukasiendeutschen, die nicht mit Georgiern verheiratet waren, nach Sibirien und Kasachstan deportiert. Fast 6.000 Menschen mussten die Stadt verlassen. 1944 erhielt die Stadt den Namen Bolnissi.

Der Turm der evangelischen Kirche wurde nach dem 2. Weltkrieg von deutschen Kriegsgefangenen abgerissen, die Kirche wurde in eine Sporthalle verwandelt. Derzeit bestehen Pläne zum Bau einer neuen Sporthalle und zum Wiederaufbau des Kirchturms.

heutige Situation

Heute sind 85 Prozent der Einwohner Georgier. Die Stadt lebt vom Weinbau sowie vom Obst- und Gemüseanbau. Es gibt eine Weinkellerei und eine Brauerei. Ein überwiegend von ethnischen Aserbaidschanern bewohnter Stadtteil liegt etwas außerhalb der Hauptsiedlung und heißt "Kvemo Bolnisi" (dt.: Unter-Bolnisi). Im nahe gelegenen Dorf Ratewani wird Gold abgebaut. Der Fußballverein heißt Sioni Bolnissi.

Das kulturelle Erbe der einstigen deutschen Siedler wird in Bolnisi heute vor allem von der Gemeinde der evangelischen Kirche getragen. Im evangelischen Gemeindehaus findet sich eine kleine deutschsprachige Bibliothek und ein Museumsraum, in dem über die deutsche Geschichte der Stadt berichtet wird. Die Gottesdienste finden teilweise in deutscher Sprache statt. Die meisten evangelischen Christen Georgiens stammen aus Mischehen zwischen Kaukasusdeutschen und anderen Völkern.

Sehenswürdigkeiten

Bolnisi beherbergt eine der ältesten christlichen Kirchen Georgiens. Die Sioni-Kirche stammt aus dem 5. Jahrhundert. In ihrem Mauerwerk sind heidnische Elemente erkennbar. Das ursprüngliche Dach wurde durch eine Bedeckung aus dem 20. Jahrhundert ersetzt.

An das Schicksal der deutschen Einwohner erinnert im Zentrum der Stadt eine zweisprachige Gedenktafel.

Weblinks

 Commons: Bolnisi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Seite der evangelischen Gemeinde von Bolnisi mit einigen Bildern

Literatur

  • Ernst Allmendinger: Katharinenfeld, ein deutsches Dorf im Kaukasus, Selbstverlag, Neustadt 1989
  • Andreas Groß: Missionare und Kolonisten: Die Basler und die Hermannsburger Mission in Georgien am Beispiel der Kolonie Katharinenfeld; 1818 – 1870. Lit, Hamburg 1998, ISBN 3-8258-3728-9

Quellen

  1. Ernst Allmendinger: Katharinenfeld, ein deutsches Dorf im Kaukasus, Selbstverlag, Neustadt 1989
41.4544.533333333333

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