Bönninghardt

Bönninghardt
Bönninghardt
Gemeinde Alpen
Koordinaten: 51° 35′ N, 6° 29′ O51.5755555555566.485555555555545Koordinaten: 51° 34′ 32″ N, 6° 29′ 8″ O
Höhe: 45 m
Fläche: 5,40 km²
Einwohner: 1.678 (31. Dez. 2009)
Eingemeindung: 1. Juli 1969
Postleitzahl: 46519
Vorwahl: 02802

Der Höhenzug der Bönnighardt ist eine eiszeitliche Endmoräne, erhebt sich bis zu 46 Meter über Normalnull und liegt zwischen den niederrheinischen Gemeinden Issum, Sonsbeck und Alpen. Die Bönninghardt erstreckt sich vom Tüschenwald bei Sonsbeck bis zum Staatsforst Leucht bei Kamp-Lintfort. In der Gemeinde Alpen liegt der gleichnamige Ort Bönnighardt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Rekonstruktion einer Plaggenhütte im Alpener Ortsteil Bönninghardt

Die Bönninghardt war bis zur verstärkten Besiedlung des Höhenzugs zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Heidefläche, auf der überwiegend Besenbinder in Plaggenhütten lebten. Sie waren als Kolonisten vor allem aus der Pfalz auf die volkstümlich als "Hei" bezeichnete Bönninghardt gekommen, wo sie in der trockenen, wenig fruchtbaren Landschaft bald verarmten. Erst mit verbesserten Agrartechniken wurden die Voraussetzungen für eine landwirtschaftliche Nutzung des Höhenzugs entwickelt, was durch ertragreiche Ernten die Besiedlung und Urbanisierung des Gebiets ermöglichte. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort jedoch bereits 1184 mit der Erlaubnis des Kölner Erzbischofs an die Bewohner des nahe gelegenen Borths, im Höhenzug Berenkard Forstwirtschaft zu betreiben. Auf einer topografischen Karte aus dem Jahr 1560 wurde der Höhenzug schließlich als Buninckhartse Heyde bezeichnet. Territorialgeschichtlich gehörte der nördliche Teil der Bönninghardt zum Herzogtum Kleve, der südliche hingegen, insbesondere die im Amt Rheinberg gelegenen Gebiete, zu Kurköln.

Ab 1770 siedelten sich in dem Gebiet Menschen aus Pfalzdorf an, die dort kein Auskommen mehr fanden, aber auch Kolonisten u.a. aus Alpen, Dinslaken, Issum, Rheinberg, Sonsbeck, Uedem, Wesel, Winnekendonk und Xanten. Armut und Verwahrlosung waren bald die Regel; die ersten Neusiedler wohnten in Erdlöchern. Man fand hauptsächlich Beschäftigung als Besenbinder und als Tagelöhner bei den Bauern. Im Jahre 1810 teilte die französische Verwaltung das Gebiet der Kolonie Bönninghardt auf die Gemeinden Alpen, Issum, Kamp, Kapellen, Sonsbeck, Veen und Vierquartieren auf. Ab 1845 begann Preußen, eine minimale Infrastruktur aufzubauen. So entstanden die Regierungsbrunnen bei den Gehöften der Kolonisten, 1852/64 die Schulgebäude und schließlich 1885 der Anschluss an die Eisenbahn. Vorausgegangen war regierungsseitig die auf Adolph Theodor von Spiegel zurückgehende Erkenntnis, dass "zur Aufhülfe des Wirthschaftszustandes der gegenwärtig in Armuth, Verschuldung und Hülflosigkeit versinkenden Colonisten eine mäßige Beihülfe aus dem Fonds für landwirthschaftliche Zwecke hier gerechtfertigt und wohlangebracht wäre".

Die letzte von vielen Plaggenhütten, ein mit Grassoden ausgefachtes Kleingebäude, wurde jedoch noch bis gegen 1890 bewohnt. Ein überliefertes Bild dokumentiert die Armut der Behausung und ihrer Bewohner; heute ist eine Rekonstruktion davon zu besichtigen. Mit seiner erstmals 1929 erschienenen Erzählung Die Vogelfreien der Bönninghardt setzte der Journalist Hermann Jung dem Räuber Wilhelm Brinkhoff, geboren 1839 in Alpen, ein verklärendes literarisches Denkmal.

Am 8. August 1827 veräußerten die Gemeinden Alpen und Huck (heute eine Gemarkung innerhalb der Gemeinde Alpen) ein als "Alpische Kuhweide" bezeichnetes, 131 Morgen und 88 Ruten umfassendes Stück Weideland auf der Bönninghardt für 1.050 Taler, das im Anschluss vom preußischen 17. Kavallerie-Landwehr-Regiment als Exerzier- und Pferdesportplatz genutzt wurde.

Am 1. Juni 1939 wurde ein auf der Bönninghardt errichteter Segelflugplatz dem Fliegerkorps Gruppe Niederrhein übergeben, am 19. Mai 1939 traf die zweite Gruppe des Jagdgeschwaders 26 mit 48 Maschinen und dem Auftrag der Sicherung der niederländischen und belgischen Grenze am Flugplatz Bönninghardt ein, wurde jedoch bereits im November ohne einen einzigen Einsatz ins Ruhrgebiet verlegt und durch die Jagdgruppe 126 ersetzt. Aber erst nach der Verlegung der ersten Staffel des Jagdgeschwaders 20 zur Bönninghardt konnte am 22. März 1940 der erste Luftsieg verbucht werden, als Leutnant Harald Jung nordwestlich von Kleve eine Spitfire abschoss. In der Folgezeit nahmen auf der Bönninghardt stationierte Flieger am Fall Gelb und Fall Rot teil. 1941 erfolgte die Widmung zum Einsatzhafen I. Ordnung, dem Flughafen wurde der Deckname "Brausebad" zugeteilt. Das Aufgabengebiet der dort stationierten Flieger verlagerte sich jedoch mehr und mehr auf den Schutz des deutschen Luftraums, insbesondere nach der verlorenen Luftschlacht um England, obgleich der Flugplatz wegen des nahe gelegenen Fliegerhorst Venlo-Herongen gleichsam an Bedeutung verlor. Spätestens ab 1944 wurde jedoch auch der Flugplatz auf der Bönninghardt zum Ziel alliierter Luftangriffe, was im folgenden zur endgültigen Aufgabe des Flugplatzes vor den heranrückenden alliierten Truppen führte.

Bevölkerungsentwicklung

  • 1787: 155[1]
  • 1862: 493[2]
  • 1910: 557[3]
  • 1931: 635[4]
  • 2009: 1.678

Bildung und Sport

In Bönninghardt gibt es eine sonderpädagogische Förderschule und mit dem BSV 1951 Rot-Weiß Bönninghardt einen Fußballverein. Darüber hinaus sind u.a. der Bürgerschützenverein Bönninghardt von 1925 und der Tambourcorps 1949 Bönninghardt im Ort aktiv.

Einzelnachweise

  1. Otto v. Mülmann, Statistik des Regierungs-Bezirks Düsseldorf, Bd. 1, Iserlohn 1864, S. 352
  2. Statistische Darstellung des Kreises Moers, Moers 1863, S. 43
  3. Gemeindeverzeichnis 1900, Kreis Moers
  4. Das Amt Alpen auf Gen-Wiki

Literatur

  • Annalen der Landwirthschaft in den Königlich Preußischen Staaten. Herausgegeben vom Präsidium des Königl. Landes-Oeconomie-Collegiums. Verlag von Veit und Comp, 4. Jahrgang, Bd. 7, Heft 2, Berlin 1846, S. 371 ff. (books.google.de), abgerufen am 20. November 2011
  • Paul von Laer: Innere Kolonisation auf der Bönninghardt, in: Otto Constantin/Erwin Stein (Hg.): Monographien deutscher Landkreise. Bd. 3: Der Landkreis Moers. Deutscher Kommunal-Verlag GmbH, Berlin-Friedenau 1926, S. 326 - 335
  • Karl Reible: Die Bönninghardt, in: Heimatkalender Kreis Moers 1938, S. 86 ff.
  • Blaß: Die Bönninghardt vor 100 Jahren, in: Kriegs-Heimatkalender für Ruhr und Niederrhein 1943, S. 247 ff.
  • Bernhard Roßhoff: Die Pfälzer Siedlung auf Bönninghardt, in: Heimatkalender Kreis Moers 1964, S. 83 - 87
  • Hermann Jung: Das Zeitalter der "Vogelfreien" auf der Bönninghardt, in: Hans-Georg Schmitz (Hg.): Alpen. Festbuch zur 900-Jahr-Feier. Büderich 1974, S. 54 - 61
  • Karl Bröcheler: Wilhelm Brinkhoff und kein Ende, in: Jahrbuch Kreis Wesel 1998, S. 67 - 70
  • Ders.: Wilhelm Brinkhoff und kein Ende (Teil II), in: Jahrbuch Kreis Wesel 1999, S. 174 - 181
  • Ders.: Wasser für Bönninghardt, in: Jahrbuch Kreis Wesel 2000, S. 146 - 149
  • Margret Wensky (Hg.): Sonsbeck. Die Geschichte der niederrheinischen Gemeinde von der Frühzeit bis zur Gegenwart. Böhlau-Verlag, Köln 2003, S. 51 f.
  • Karl Bröcheler: Die Plaggenhütte auf der Bönninghardt, in: Jahrbuch Kreis Wesel 2004, S. 163 - 168
  • Jürgen Wiegert: Die kurkölnische Bönninghardt bis 1794, hrsg. von der Interessengemeinschaft für Geschichte und Natur Bönninghardt. Selbstverlag, 2. Aufl., o.O. 2008
  • Ders.: Die kurkölnische Bönninghardt. Das Leben der ersten Kolonisten um 1790, in: Jahrbuch Kreis Wesel 2009, S. 19 - 26
  • Karl Bröcheler: Das Besenbinderhandwerk auf der Bönninghardt, in: Jahrbuch Kreis Wesel 2009, S. 157 - 164
  • Ders.: Ein Bestseller von der Bönninghardt. Hermann Jung und seine "Vogelfreien der Bönninghardt", in: Jahrbuch Kreis Wesel 2011, S. 55 - 61
  • Ders.: Ein kostbares Gut. Wasser für die Bönninghardter Heide. Selbstverlag, Alpen 2011

Weblinks



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